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Neue WSL-Macht: Die London City Lionesses verschieben alle Grenzen

Sport

Wer sagt eigentlich, dass bei den London City Lionesses alles teuer sein muss? Von den Eintrittspreisen ist das nicht zu behaupten. 16 Pfund (umgerechnet 18,70 Euro) bezahlen Erwachsene, Kinder die Hälfte für ein Ticket zum "Opener" der Women’s Super League (WSL) gegen Manchester United am 4. September (19 Uhr). "Erste Gelegenheit, unsere Neuzugänge des Sommers, darunter Alexia Putellas und Mapi León, in Aktion zu sehen", heißt es auf der Homepage. Wer es nicht mitbekommen haben sollte: Die spanische Weltmeisterin Alexia Putellas, die großartige Dirigentin, die mit dem FC Barcelona so verwachsen schien wie einst Lionel Messi, hat sich eine neue Herausforderung gesucht: Nach 14 Jahren wechselte die zweimalige Weltfußballerin eben zu jenem Klub, der die finanziellen Dimensionen selbst auf der Insel verschiebt. Die 32-Jährige soll rund 1,7 Millionen Euro im Jahr verdienen. Nie wurde eine Fußballerin besser bezahlt. Spendable Milliardärin Jahresgehälter von rund 500.000 Euro sollen viele ihrer Mitspielerinnen im Londoner Stadtbezirk Bromley kassieren. Der Klub ging am 13. Mai 2019 aus dem Frauenfußballteam des FC Millwall, den Millwall Lionesses, hervor - einem der bedeutendsten Pioniere in England. Vor drei Jahren stieg kurz vor der Insolvenz die in den USA lebende Milliardärin Michele Kang ein, die ihr Vermögen großenteils durch ein Unternehmen in der Gesundheitsversorgung aufbaute. Über ihre Sportgruppe Kynisca besitzt die 67-Jährige bereits den französischen Topverein OL Lyonnes und den US-Klub Washington Spirit. "London City Lionesses wurde gegründet, um den Frauenfußball neu zu definieren", betonte die gebürtige Südkoreanerin damals - und hielt Wort. Sie bietet mit ihrem Konstrukt den größten Fußballmarken auf der Insel die Stirn, wenn es um die Verpflichtung von Topspielerinnen geht. Und das ganz ohne einen starken Männerverein im Rücken. Ihre Gehaltspolitik wirft Fragen auf, da in England seit der vergangenen Saison finanzielle Nachhaltigkeitsregeln gelten. Die Vereine dürfen nur noch maximal 80 Prozent ihrer Einnahmen für die Gehälter ausgeben. Ein Problem, das übrigens auch viele deutsche Klubs plagt. Kang soll die Kosten zwischen ihren drei Klubs geschickt aufteilen - und natürlich selbst kräftig Geld dazugeben. Nächsten Sommer wird ein eigenes Trainingsgelände im Südosten Londons fertig. Weltauswahl in London Wer den Kader des spanischen Trainers Eder Maestre durchgeht, könnte den Eindruck gewinnen, an der Themse ist eine Weltauswahl zusammengestellt worden. Mit Weltmeisterin Mary Earps zwischen den Pfosten, Japans Weltmeisterin Saki Kumagai in der Abwehr, einem Mittelfeld mit der französischen Weltklassespielerin Grace Geyoro und der niederländischen Auswahlspielerin Danielle van de Donk. Im Sturm spielen die Schwedin Kosovare Asslani und die Französinnen Delphine Cascarino und Kadidiatou Diani. Dazu kam auch Nicole Anyomi von Eintracht Frankfurt, die eigentlich lange mit einem Wechsel nach Paris geliebäugelt hatte. Doch als das Angebot aus London hereinflatterte, musste die 26-Jährige nicht lange überlegen: Sie soll nun die mit am besten entlohnte deutsche Nationalspielerin im Ausland sein. "Mit dieser Wucht von Toptransfers hätte ich jetzt nicht gerechnet. Sowohl was die Höhe der Ablösen angeht, als auch die der Gehälter", sagte der bei den Frauen gut vernetzte Spielerberater Jörg Neblung der Deutschen Presseagentur. Die Auswirkungen schwappen auch an die Weser England lockt mit Summen, bei denen viele Verantwortliche aus der Bundesliga mit den Ohren schlackern. Fünfstellige Monatsgehälter sind in der WSL fast die Regel. Katharina Kiel. Direktorin Frauenfußball bei Eintracht Frankfurt und Präsidentin des neu gegründeten Ligaverbandes FBL e.V., sagte kürzlich: "Selbst der FC Bayern kann nicht alle Spielerinnen in Deutschland halten, weil diese im Ausland deutlich mehr Geld verdienen." Verantwortliche wie die auch mit der Kaderplanung beauftragte Trainerin Friederike "Fritzy" Kromp von Werder Bremen haben in diesem Sommer gespürt, wie überhitzt der Markt generell geworden ist. Ablösen seien die Regel geworden. Weshalb Kromp erschrak: dass mittlerweile schon englische Zweitligisten mehr zahlen als bodenständige Bundesligisten. Bayern auch betroffen, aber erst im Supercup gefordert Bayerns Sportdirektorin Bianca Rech gestand gerade erst im Bayerischen Rundfunk: "Wenn man sich anguckt, was da im Moment los ist, ist schon schwierig, auch für den FC Bayern. Spielerinnen wollen in einer attraktiven Liga spielen - und das ist im Moment in England gegeben auf einem sehr, sehr hohen Niveau, plus auf einem hohen finanziellen Niveau. Da müssen wir uns aktuell hinten anstellen." Schon wird vermutet, dass Franziska Kett und Klara Bühl, die auf der linken Seite ein Gespann auf Weltklasseniveau bilden und von Bundestrainer Christian Wück für die WM 2027 in Brasilien fest eingeplant sind, bald kaum noch zu halten sein werden. Mit dem Supercup zwischen dem FC Bayern und VfL Wolfsburg in Ingolstadt wartet am Samstag (15.08.2026/ 19.30 Uhr) das erste Pflichtspiel. Danach eröffnen die Doublegewinnerinnen bei Union Berlin (21.08.2026/ 18.20 Uhr) die neue Bundesliga-Saison. Die London City Lionesses werden derweil am 29. August noch in Lyon gegen den Champions-League-Rekordsieger testen. Liegt bei der Querverbindung der Vereine ja nahe.

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