Neuer Smart kommt: Mit dieser Strategie will die Marke jetzt bei Kunden punkten
Der neue Smart #2 steht bereit – und soll mindestens 20.000 Euro kosten. Europachef Wolfgang Ufer präsentierte auf der Pariser Automesse den elektrischen Zweisitzer, der an das Urmodell der Marke anknüpft. Mit 290 Kilometern Reichweite und 140 Stundenkilometern Höchstgeschwindigkeit will Smart zurück zu alten Erfolgen.
Ufer plant einen Verkaufssprung: In Deutschland will er den Absatz 2026 mindestens verdoppeln – auf einen fünfstelligen Wert, erzählt er im Gespräch mit BUSINESS INSIDER (BI). 2025 verkaufte Smart hierzulande nur rund 5000 Fahrzeuge. Mittelfristig peilt der Manager 40.000 bis 60.000 Einheiten in Europa an – eine Größenordnung, die Smart früher erreichte.
Die Marke kehrt zu ihren Wurzeln zurück. Seit der Neuausrichtung 2019 mit dem chinesischen Geely-Konzern als Anteilseigner bot Smart nur noch Fünfsitzer an.
Smart #2: Auf diese Strategie setzt die Marke
Die Konkurrenz verschärft sich. Volkswagen bringt einen elektrischen Polo auf den Markt, Renault bietet seinen Twingo für rund 20.000 Euro an. Später will VW ein Modell für dieselbe Summe nachschieben. Ufer sieht darin keinen Nachteil: Der Smart #2 misst nur 2,74 Meter und sei damit in seiner Klasse „einzigartig". Auch beim Parken bietet der Smart Vorteile. „Mit dem Smart muss man keinen Parkplatz suchen. Man kann ihn selbst kreieren", sagte Ufer zu BI.
Zudem entwickelt Smart laut Ufer für den #2 eine eigene Plattform. Ursprünglich hatte das Unternehmen geplant, eine existierende Kleinstwagen-Basis eines Partners zu nutzen. Das hätte jedoch zu viele Kompromisse bedeutet. Die neue Plattform ermöglicht zudem Wachstum: Technisch lassen sich darauf auch größere Modelle realisieren.
Das Konzept muss wirtschaftlich tragfähig sein – unter Mercedes-Führung von 1998 bis 2019 gelang es Smart nie, nachhaltig Gewinne zu erwirtschaften. Ufer betont, das neue Modell sei Teil eines Konzepts, das sich rechne. Die flexible Plattform soll dabei helfen.
EU-Zölle von insgesamt rund 28 Prozent belasten die in China produzierten Fahrzeuge. Würde die EU-Kommission die Strafzölle abschaffen, würde das Auto in Deutschland billiger. Über eine mögliche Produktion in Europa denkt Smart nach, konkrete Pläne gibt es jedoch nicht.
Smart: Erfolge in China – und bei Gesprächen mit Carsharing-Anbietern
Smart führt Gespräche mit großen Carsharing-Anbietern, die starkes Interesse am #2 zeigen. Carsharing wirkt als Marketinginstrument: Der frühere Smart fortwo prägte im Carsharing das Markenbild – dieser Eindruck wirkt bis heute nach. Carsharing reduziert nachweislich die Zahl der Fahrzeuge in Städten.
Ein eigenes Carsharing-Angebot will Smart nicht aufbauen. Ufer verweist auf Partner, die dafür spezialisiert seien. Die Zielgruppe des #2 reicht von der Sozialstation bis zum Millionär, der sein Luxusauto nicht in die Innenstadt nehmen will.
In China verzeichnet Smart bereits starke Bestelleingänge. Der frühere Smart fortwo war dort schon erfolgreich – nun knüpft die Marke an diese Erfolge an. In Europa bilden Großstädte das Spielfeld: In Paris fahren Hunderte Smarts, in Rom Tausende. In Deutschland sind noch rund 350.000 Smart unterwegs.
Smart brauche Zeit, um sich als komplette Stadtauto-Marke zu etablieren, so Ufer. Die Marke positioniere sich als Premium-Anbieter mit Produkten auf hohem Qualitätsniveau – nicht als Volumenmarke. Mercedes-Designer unterstützen die Entwicklung, der Vertrieb und Werkstatt-Service laufen über das Mercedes-Netz.