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Neues Medikament Obefazimod: Forscher hoffnungsvoll bei Colitis ulcerosa

Wirtschaft

"Aufregender" neuer Behandlungsansatz

Neues Medikament überzeugt bei häufiger Darmkrankheit

23.10.2026 - 14:25 UhrLesedauer: 3 Min.

Ein neuer Wirkstoff könnte Menschen mit einer schwer behandelbaren Darmentzündung helfen. In Studien verhinderte Obefazimod über Monate die Beschwerden.

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED) wie Colitis ulcerosa sind weitverbreitet. Dabei entzündet sich der Enddarm, manchmal auch der gesamte Dickdarm. Schübe mit Bauchkrämpfen, ständigem Stuhldrang und blutigem Durchfall sind die Folge. Die Behandlung erweist sich häufig als schwierig und viele Patienten haben trotz Therapie Beschwerden. Bei jedem fünften Betroffenen muss im Verlauf der Erkrankung zudem ein Teil oder der ganze Dickdarm entfernt werden, auch wegen des hohen Krebsrisikos.

Nun weckt Obefazimod Hoffnung. Ergebnisse von zwei fortgeschrittenen Studien zeigen: Das Mittel kann bei Erwachsenen mit mäßig bis stark aktiver Colitis ulcerosa eine langfristige Remission erreichen. Das bedeutet, dass die Krankheitszeichen weitgehend oder vollständig verschwinden. Der Hersteller Abivax stellte die Langzeitdaten kürzlich auf einer Fachkonferenz der europäischen Gastroenterologen vor.

Neuer Ansatz soll Entzündung gezielt regulieren

Obefazimod setzt an einem körpereigenen Mechanismus an. Der Wirkstoff steigert in der Darmschleimhaut die Menge der sogenannten microRNA-124. Dieses kleine Molekül soll mehrere entzündungsfördernde Signale in den Zellen dämpfen und das Gleichgewicht in der Darmschleimhaut stabilisieren. Dabei soll Obefazimod das Immunsystem nicht grundsätzlich schwächen, sondern fehlgeleitete Entzündungssignale regulieren.

Entzündliche Darmerkrankungen nehmen weltweit zu

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa nehmen weltweit zu. Für 2030 rechnen Forscher allein in Europa und den USA mit mehr als sieben Millionen Betroffenen. Fachleute bringen die Zunahme unter anderem mit zuckerreicher Ernährung, stark verarbeiteten Lebensmitteln und wenig Bewegung in Verbindung. Die genauen Ursachen kennen Forscher jedoch bisher nicht vollständig.

So überzeugte Obefazimod in den Studien

An den zwei Studien nahmen insgesamt 1.272 Erwachsene teil, bei denen frühere Therapien nicht ausreichend gewirkt, ihre Wirkung verloren oder Nebenwirkungen verursacht hatten. Die Teilnehmer erhielten täglich 25 Milligramm oder 50 Milligramm Obefazimod oder ein wirkstofffreies Scheinmedikament, ein Placebo. Die Forscher teilten die Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip ein. Ärzte und Teilnehmer kannten die Zuteilung nicht.

Nach acht Wochen waren in den Gruppen mit 50 Milligramm in einer Studie 21,7 beziehungsweise in der anderen 19,8 Prozent anhaltend frei von Beschwerden. In den Placebogruppen traf das nur auf 2,5 beziehungsweise 6,3 Prozent zu. Mit der höheren Dosis erreichten in beiden Studien deutlich mehr Patienten eine klinische Remission als mit dem Placebo. Auch die Entzündung der Darmschleimhaut ging sichtbar zurück. Bei 25 Milligramm gelang dies nur in einer Studie. Eine gemeinsame Auswertung zeigte aber auch für die niedrigere Dosis statistisch bedeutsame Vorteile.

Rund jeder Zweite bleibt langfristig beschwerdefrei

Für eine Anschlussstudie wählte ein Forschungsteam um den Gastroenterologen Bruce Sands von der Icahn School of Medicine in New York 580 Patienten aus, die auf die Behandlung angesprochen hatten. Sie nahmen weitere 44 Wochen lang eine der beiden Dosierungen oder ein Placebo ein.

Nach dieser Zeit zeigten 50,8 Prozent mit 25 Milligramm und 51,3 Prozent unter 50 Milligramm keine Beschwerden. In der Placebogruppe erreichten 10,4 Prozent dieses Ziel. Eine Darmspiegelung zeigte bei 41,5 beziehungsweise 47,7 Prozent keine sichtbare Schleimhautentzündung mehr.

Verlauf oft in Schüben: Diese Symptome können auf Colitis ulcerosa hinweisen

Sands hält den Ansatz für vielversprechend. "Dies ist ein völlig neuer Wirkmechanismus; daher ist es aufregend zu sehen, dass er bei Colitis ulcerosa möglicherweise wirksam ist", erklärte Sands bereits im letzten Jahr. Patienten müssen das Medikament zudem nur einmal täglich oral einnehmen, was die Therapie sehr einfach mache.

Das sind die Top-Fragen des Tages:

Kopfschmerzen traten als häufigste Nebenwirkung auf. Sie und andere Nebenwirkungen meldeten 58,0 Prozent unter 25 Milligramm, 71,8 Prozent unter 50 Milligramm und 50,0 Prozent unter Placebo. Allerdings brachen wegen der Beschwerden nur 2,6 beziehungsweise 4,6 Prozent die Therapie mit Obefazimod ab. Schwere Infektionen kamen unter Obefazimod nicht häufiger vor.

Wichtige Prüfung steht noch aus

Die Daten machen Hoffnung, erlauben aber noch kein abschließendes Urteil. Obefazimod ist bisher nicht zugelassen. Der Hersteller will die Studienergebnisse bei den Arzneimittelbehörden in den USA und Europa einreichen und die Zulassung noch in diesem Jahr beantragen.

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