Neukölln: Schulleiter berichtete über Angriff in Berliner U
Audioplayer wird geladen Anzeige Nach rund acht Monaten sind die Ermittlungen zu einem vermeintlichen Angriff am Berliner U-Bahnhof Rathaus Neukölln für die Staatsanwaltschaft Berlin abgeschlossen. Im Ergebnis soll das vermeintliche Opfer, Schulleiter Hudhaifa Al-Mashhadani, eine Geldstrafe von 17.100 Euro wegen falscher Verdächtigung zahlen. Das Amtsgericht Tiergarten hat einen entsprechenden Strafbefehl (90 Tagessätze je 190 Euro) erlassen, wie eine Gerichtssprecherin auf Anfrage sagte. Zuvor hatte die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet. Gegen den 30-Jährigen, gegen den sich das ursprüngliche Verfahren wegen des Verdachts der Körperverletzung richtete, wurden die Ermittlungen laut Staatsanwaltschaft mangels ausreichenden Tatverdachts eingestellt. Anzeige Lesen Sie auch Nach Auffassung der Justiz hat der Leiter der deutsch-arabischen Schule in Berlin-Neukölln im November 2025 gegenüber der Polizei wahrheitswidrig angegeben, von einem Mann geschlagen und beinahe vor eine U-Bahn gestoßen worden zu sein. Aufgrund seiner Anzeige sei ein Ermittlungsverfahren gegen den ursprünglich Beschuldigten eingeleitet worden, „obwohl dieser beim Einsteigen in die Bahn lediglich eine relativ unverfängliche Handbewegung“ in Richtung des Schulleiters gemacht habe, so die Gerichtssprecherin. Nach ihren Angaben hat der Anwalt von Al-Mashhadani Einspruch gegen den Strafbefehl eingelegt. Damit wird es voraussichtlich zur mündlichen Verhandlung vor dem Amtsgericht kommen. Mit einem Strafbefehl will die Justiz Verfahren zügig abschließen, bei denen keine hohen Strafen zu erwarten sind. Anzeige Al-Mashhadani äußerte sich auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur nicht. Auf eine frühere dpa-Anfrage zu entsprechenden Ermittlungen gegen ihn teilte das Pressebüro der Deutsch-Arabischen Schule Ibn Khaldun e.V. mit: „Er hat volles Vertrauen in die rechtsstaatlichen Verfahren sowie in die zuständigen Behörden, die den Sachverhalt prüfen.“ Hudhaifa Al-Mashhadani kritisiert islamistische Netzwerke Der Schulleiter gilt als Kritiker islamistischer Netzwerke und setzt sich für einen arabisch-israelischen Austausch ein. Er machte den Vorfall seinerzeit unter anderem in sozialen Medien bekannt. Lesen Sie auch Nach seinen Schilderungen wurde er am 14. November am Bahnsteig der U7 von einem Mann angegriffen und mit dem Tode bedroht. Der für politisch motivierte Straftaten zuständige Staatsschutz im Landeskriminalamt (LKA) ermittelte. Es gab Solidaritätsbekundungen aus der Politik, darunter von Berlins Regierendem Bürgermeister Kai Wegner (CDU). Die Zeitungen „Tagesspiegel“ und „taz“ berichteten später von Ungereimtheiten bei den Schilderungen. Die Staatsanwaltschaft leitete schließlich Ermittlungen gegen den Schulleiter ein. Al-Mashhadani galt als einer der wenigen prominenten Muslime in Neukölln, die sich öffentlich gegen Antisemitismus einsetzen. Er wurde mehrfach ausgezeichnet. So überreichte ihm der Neuköllner Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) eine „Ehrennadel“ als Brückenbauer zwischen den Kulturen. Vom Bezirksamt Neukölln hieß es auf Anfrage, das Verleihgremium werde erneut über die Verleihung beraten, wenn eine rechtskräftige Entscheidung des Gerichts vorliege. dpa/lfb