Neukunden-Stopp: Versicherer zieht Notbremse für viele chinesische Automarken
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Neukunden-Stopp: Versicherer zieht Notbremse für viele chinesische Automarken
Von: Markus Hofstetter
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In den Niederlanden bietet ein Versicherer für mehrere chinesische Automarken keinen Schutz mehr an. Grund dafür sind nicht kalkulierbare Kosten im Schadensfall.
Arnhem – Aktuell sind in den Niederlanden auf dem Pkw-Markt Modelle von 88 Automarken erhältlich. Sechzehn davon sind in den vergangenen fünf Jahren neu auf den Markt gekommen. Zusammen machen diese Marken 2,4 Prozent aller in diesem Zeitraum neu zugelassenen Pkw aus. Dies geht aus einer Mitteilung des niederländischen Versicherers Univé hervor, der sich dabei auf Daten der niederländischen Kraftfahrtbehörde RDW beruft.
Niederländischer Versicherer verweigert mehreren chinesischen Marken den Schutz
Zwar gewinnen neue Automarken im Nachbarland an Boden, doch offenbar haben sie Probleme bei der Ersatzteilversorgung und beim Aufbau eines dichten Netzes von Reparaturwerkstätten. Daraus zieht Univé nun Konsequenzen. Wie die Fachzeitschrift L’Automobile Magazine berichtet, nimmt der Versicherer keine neuen Kunden für insgesamt neun der neuen Marken auf. Davon betroffen sind vor allem chinesische Marken. Dabei handelt es sich um
Hongqi
Changan
Voyah
Leapmotor
Jaecoo
MHero
Omoda
Hinzu kommen die vietnamesische Marke VinFast und KG Mobility aus Südkorea. Für Modelle der chinesischen Hersteller Dongfeng, Nio, Firefly, Zeekr sowie der US-amerikanischen Marke Lucid wird lediglich die gesetzlich vorgeschriebene Haftpflichtversicherung angeboten. Bereits laufende Verträge sind von dem Bann demnach nicht betroffen.
Niederländischer Versicherer bemängelt bei chinesischen Marken fehlende Ersatzteile und Werkstätten
Ohne auf die im L’Automobile Magazine berichteten Konsequenzen einzugehen, äußert Univé in einer Mitteilung Bedenken hinsichtlich der Reparaturmöglichkeiten neuer Automarken. „Ein Auto mag auf dem Papier in einem Vergleich hervorragend abschneiden, doch erst im Schadensfall zeigt sich, wie gut die Organisation hinter der Marke wirklich aufgestellt ist“, sagt Henkjan Matthijs, Mobility Manager bei Univé. Fehlen Ersatzteile, technischer Support und ein gutes Reparaturnetzwerk, könnten selbst kleinere Schäden zu langen Wartezeiten und unerwartet hohen Kosten führen.
Für den Versicherer ist die Organisation der Schadensreparatur entscheidend für die Versicherungsfähigkeit eines Fahrzeugs. Laut Matthijs müssen Versicherer beurteilen können, wie ein beschädigtes Fahrzeug repariert werden kann, wie lange die Reparatur voraussichtlich dauern wird und welche Kosten anfallen werden. „Wenn diesbezüglich zu viel Unsicherheit besteht, kann sich das auf den Versicherungsschutz auswirken.“
Univé nennt auch Positivbeispiele bei chinesischen Marken
Matthijs betont jedoch, dass eingeschränkte Versicherungsmöglichkeiten nichts über die Qualität oder Sicherheit eines Autos aussagen. Zudem könnten die Versicherungsmöglichkeiten neu bewertet und bei Bedarf angepasst werden, wenn eine Marke in Ersatzteile, technischen Support und ein gutes Reparaturnetz investiert.
Als Positivbeispiele werden Lynk & Co, BYD und Tesla genannt. Diese hätten in relativ kurzer Zeit in die erforderlichen Bereiche wie Ersatzteilversorgung, technischen Support und ein Netz qualifizierter Werkstätten investiert.
In Deutschland ist die Autoversicherung für viele chinesische Modelle teurer
Doch auch in Deutschland haben Besitzer von Modellen chinesischer Marken oft das Nachsehen. Sie zahlen mehr für die Versicherung ihres Autos, da den Versicherern nur wenige Daten zu Schadensverläufen, Diebstählen oder Reparaturkosten neuer Marken und Modelle vorliegen. Das geht aus einem Vergleich von Auto Bild und Verivox hervor.