Neun Bakterienarten, die bei Kindern einen „Schutzschild“ gegen Allergien bilden, wurden in einem Kuhstall entdeckt.
Seit Jahrzehnten findet die Hygienehypothese breite medizinische Beachtung, da sie die rasant steigenden Raten von Allergien, Asthma und allergischer Rhinitis bei Kindern in den Industrienationen erklärt. Nach dieser Theorie beraubt ein übermäßig sauberes Umfeld das Immunsystem von Kindern der Möglichkeit, sich zu trainieren, was zu übermäßigen Entzündungsreaktionen auf ansonsten harmlose Reize führt. Umgekehrt treten diese Gesundheitsprobleme bei Kindern, die auf traditionellen Bauernhöfen geboren und aufgewachsen sind, selten auf. Dieses Phänomen ist in der Wissenschaft als „Bauernhofeffekt“ bekannt. Diese Studie, geleitet von Professor Markus Ege vom Dr. von Hauner Kinderkrankenhaus der LMU München und dem Institut für Asthma- und Allergieprävention der Helmholtz-Universität München, analysierte medizinische Daten von mehr als 1.000 Kindern aus ländlichen Gebieten Europas. Das Forschungsteam sammelte Nasenabstriche, Staubproben aus Kinderbettwäsche und Luftstaubproben aus den Ställen von 47 Bauernfamilien. Mithilfe fortschrittlicher genetischer Analysemethoden und Computermodellen isolierten die Wissenschaftler die Mikroorganismengruppe, die eine entscheidende Rolle spielte. Die Forschungsergebnisse identifizierten neun spezifische Arten grampositiver Bakterien aus dem Verdauungssystem von Kühen, darunter insbesondere Romboutsia timonensis und Glutamicibacter arilaitensis. Diese Bakterien finden sich im Kuhdung, verteilen sich in der Stallluft und gelangen dann über Kinderfüße und -kleidung ins Schlafzimmer, wo sie sich an der Bettwäsche festsetzen. Diese Bakteriengruppe macht bis zu 25 % der mikrobiellen Dichte in der Stallluft und etwa 6 % im Einstreustaub aus. Bemerkenswerterweise tragen diese neun Bakterien zu zwei Dritteln des Schutzes vor Asthma bei Kindern bei und verringern das Risiko für allergischen Schnupfen und Ekzeme um die Hälfte. Das Forschungsteam begnügte sich nicht mit der Entdeckung des Zusammenhangs, sondern klärte die gesamte Kette biologischer Wirkungen von der Umwelt bis zum menschlichen Körper auf. Diese Bakterien produzieren oder verstoffwechseln spezifische Verbindungen wie Kynurenin, Xanthin, Alpha-Linolensäure und Stearidonsäure. Wenn Kinder Luft einatmen, die diese Metabolite in moderaten Mengen enthält, binden diese an zwei Rezeptoren, AhR und PPARgamma, auf menschlichen Atemwegszellen. Die Aktivierung dieser Rezeptoren löst immunregulierende Signale aus, die eine starke entzündungshemmende Reaktion hervorrufen und eine Überreaktion des Immunsystems verhindern.