DAX -0,22 % 25.099,00 Pkt 18:00:00 MDAX -0,05 % 31.965,53 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +1,14 % 6.280,94 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,52 % 51.947,25 Pkt 23:26:43 S&P 500 -1,16 % 7.411,98 Pkt 23:26:35 Nasdaq -2,78 % 24.975,82 Pkt 23:15:59 Nikkei -2,73 % 64.611,15 Pkt 08:45:03 Gold +0,08 % 4.070,80 USD 22:59:59 Silber +0,43 % 58,91 USD 22:59:55 Brent 0,00 % 96,78 USD 22:59:55 WTI 0,00 % 89,31 USD 22:59:59 Bitcoin +0,02 % 64.323,00 USD 08:09:33 EUR/USD -0,32 % 1,13750 USD 23:29:21 EUR/GBP 0,00 % 0,85320 GBP 06:49:20 EUR/CHF +0,06 % 0,92970 CHF 06:49:20 EUR/JPY +0,08 % 186,245 JPY 23:29:21

Neun Gründe für die Krise

Welt

Startseite Wirtschaft Russlands Wirtschaft bröckelt: Wie Krieg, Zinsen und Drohnen Putins Wirtschaftsmodell aushöhlen Von: Lennart Niklas Johansson Schwenck Uns auf Google folgen Russlands Wirtschaft schrumpft, die Kaufkraft sinkt. Drohnenangriffe, hohe Zinsen und Sanktionen treffen das Land hart. Experten sehen kaum Hoffnung auf Erholung. Moskau – Hat die russische Wirtschaft ihren Zenit längst überschritten? Nachdem die Wirtschaftsleistung in den Jahren 2023 und 2024 noch um jeweils mehr als vier Prozent gewachsen war, ergibt sich heute ein völlig anderes Bild. Laut dem Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) schrumpfte die Wirtschaft im ersten Quartal 2026 um 0,2 Prozent und wird für das Gesamtjahr nur noch ein Wachstum von 0,6 Prozent erreichen. WIIW-Russland-Experte Vasily Astrov diagnostiziert eine „zu restriktive Geldpolitik der Notenbank, die die Wirtschaft abwürgt“. Wie konnte es so weit kommen? Drohnenangriffe treffen Russlands Ölindustrie ins Herz Ukrainische Drohnenangriffe haben acht der zehn größten russischen Ölraffinerien mindestens einmal getroffen. Bereits Ende Mai 2026 gab es keine einzige größere Raffinerie im europäischen Teil Russlands mehr, die nicht mindestens einmal angegriffen worden war. Besonders schwer wiegt der Angriff auf die Raffinerie in Omsk, Russlands größte mit einer Verarbeitungskapazität von mehr als 20 Millionen Tonnen pro Jahr. Die Anlage stellte nach dem Angriff vom 7. Juli 2026 vorübergehend die Produktion vollständig ein. Analysten der Beratungsfirma Energy Intelligence bezifferten den Rückgang der täglichen Ölverarbeitung Anfang Juni 2026 auf unter vier Millionen Barrel – das war laut Energy Intelligence der niedrigste Wert seit 21 Jahren. Parallel zur Produktionskrise bricht eine der wichtigsten Einnahmequellen ein. Laut der gemeinsamen Analyse des Kiel Instituts für Weltwirtschaft und des Stockholm Institute of Transition Economics brachen die Öl- und Gaseinnahmen im ersten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 45 Prozent ein. Die russische Regierung selbst senkte ihre Wachstumsprognose für 2026 im Mai von 1,3 auf 0,4 Prozent. Vizepremier Alexander Nowak sagte der Zeitung Wedomosti, der für die Haushaltsplanung zugrunde gelegte Ölpreis bleibe bei 59 Dollar je Barrel – tatsächlich lag der Urals-Preis Anfang Juli 2026 laut Argus Media jedoch bei nur 41,66 Dollar. Ein hoher Leitzins würgt Investitionen und Konsum ab Als besonders schwerwiegend gilt in Fachkreisen die Geldpolitik. Laut der Sommerprognose des WIIW sank die Investitionstätigkeit in Russland im ersten Quartal 2026 bereits um rund 14 Prozent. Vasily Astrov, Russland-Experte des WIIW, nannte als Hauptgrund die Notenbankpolitik, die Kredite für Käufe langlebiger Konsumgüter und für Investitionen „prohibitiv teuer“ mache. Janis Kluge, Ökonom an der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin, sagte gegenüber dem Spiegel: „Unternehmen investieren deutlich weniger, vor allem weil die Zinsen so hoch sind, dass es nicht mehr möglich ist, Investitionen mit Krediten zu finanzieren. Russlands Wachstumspotenzial ist auf absehbare Zeit erschöpft.“ Die Teuerung trifft die Bevölkerung unmittelbar. Laut der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg gaben im Oktober 2025 rund 31 Prozent der russischen Bevölkerung an, Schwierigkeiten zu haben, sich notwendige Lebensmittel zu leisten. Die Preise für Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln, Butter und Gurken stiegen teils massiv, Gurkenpreise verdoppelten sich nach Angaben der Landeszentrale innerhalb weniger Wochen Anfang 2026. Das Meinungsforschungsinstitut Gallup ermittelte in einer Erhebung zwischen März und Mai 2026, dass 60 Prozent der Befragten angaben, die wirtschaftliche Lage in ihrer Stadt oder Region habe sich verschlechtert, und 56 Prozent berichteten von einem gesunkenen Lebensstandard – beides Rekordwerte seit 20 Jahren. Lebenshaltungskosten steigen, Kaufkraft schwindet: Sanktionen entfalten ihre langfristige Wirkung Fast 40 Prozent des russischen Staatshaushalts fließen in Rüstung und innere Sicherheit. Verteidigungsminister Andrei Belousov erklärte, die Militärausgaben hätten 2025 bereits 7,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreicht. Das Kiel Institut für Weltwirtschaft hielt in seinem aktuellen Report fest, dass Russlands Wirtschaftswachstum „weitestgehend zum Stillstand“ gekommen sei. Der finanzielle Puffer, mit dem Russland externe Schocks früher abfedern konnte, ist weitgehend erschöpft: „Die liquiden Vermögenswerte des russischen Staatsfonds sind von 6,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu Beginn des Krieges auf nur noch 1,8 Prozent im April 2026 gesunken.“ Gleichzeitig überstieg das Haushaltsdefizit des Bundes bereits im ersten Quartal 2026 die für das Gesamtjahr gesetzte Zielmarke der Regierung. Die westlichen Sanktionen, die 2022 durch Umgehungsrouten zunächst abgefedert wurden, greifen nun nachhaltig. Das BOFIT (Bank of Finland Institute for Emerging Economies) stellte in seiner Prognose für 2026 bis 2028 fest, dass militärische Investitionen das Wachstumspotenzial nicht steigern können, da „große Mengen an produzierten Investitionsgütern an der Front verbraucht werden“. Internetsperren, China-Abhängigkeit und schwindendes Vertrauen Ein jüngerer, aber wachsender Belastungsfaktor sind staatlich angeordnete Internetsperren, die laut WIIW die „stark digitalisierte russische Wirtschaft“ spürbar beeinträchtigen. WIIW-Experte Astrov nannte sie ausdrücklich als eigenständigen Faktor neben hohen Zinsen und Energieangriffen. Gleichzeitig wächst Russlands Abhängigkeit von China. Das Kiel Institut beschreibt diese Beziehung als „asymmetrisch“: Russland müsse sich zunehmend zu für China günstigen Konditionen arrangieren, was langfristig wirtschaftlichen Spielraum koste. Am Ende steht ein schwer messbarer, aber gravierender Schaden: das geschwundene Vertrauen.

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren