News des Tages: Dürre in der Landwirtschaft, Ebola in Afrika, Zhu Rongji
Normalerweise stehen die Kühe und Jungrinder des Landwirts Rüdiger Spiegel um diese Jahreszeit auf der Weide und fressen, was dort wächst. Spiegel bewirtschaftet einen der ältesten Biobauernhöfe Deutschlands auf der Schwäbischen Alb. »Ich bin seit zwölf Jahren auf dem Talhof«, sagt er im Interview mit meiner Kollegin Maria Marquart über die Folgen der aktuellen Dürre: »Diese Hitze, diese Trockenheit über Wochen: Das ist eine neue Dimension.« Spiegels Hof ist 60 Hektar groß; das reicht üblicherweise, um seine 26 Milchkühe zu füttern. Nicht so im Sommer 2026: »Im April und Mai konnten wir noch halbwegs Grünfutter nutzen. Dann mussten wir schon Heu zufüttern«, berichtet der Landwirt. »Seit Mitte Juli bekommen unsere Rinder ausschließlich Heu, Tag und Nacht. Etwa 18 Kilo frisst eine Kuh davon am Tag.« Heu ist eigentlich das Winterfutter. Anfangs habe er noch jeden Tag hoffnungsvoll auf den Wetterbericht geschaut, so Spiegel. Inzwischen habe er sich damit abgefunden, dass er den Rückstand der schwachen Heuernte nicht mehr wird aufholen können: »Die Wiesen sind braun wie in der Toskana.« Also muss er Futter zukaufen, aber weil das Heu auch in den Nachbarländern knapp wird, ist der Preis gestiegen, von 19 bis 20 Euro pro 100 Kilo »Richtung 30 bis 40 Euro«. Nun denkt Rüdiger Spiegel darüber nach, seinen Viehbestand zu reduzieren: »Das tut weh.« »Alle 30 Minuten stirbt in der Demokratischen Republik Kongo ein Mensch an Ebola«, zitiert mein Kollege Fritz Schaap den Uno-Nothilfekoordinator Tom Fletcher. Die Seuche verbreitet sich deshalb so rasch, weil das Virus einen Vorsprung hat. Der Ausbruch begann bereits Monate, bevor er Mitte Mai offiziell vermeldet wurde. Und er ist schwer unter Kontrolle zu bringen, weil das Seuchengebiet so unzugänglich und die Sicherheitslage so gefährlich ist. Mehr als hundert Milizen bekämpfen sich in der Region und terrorisieren die Bevölkerung, schreibt Fritz, der selbst jahrelang aus Afrika berichtet hat: »Eine Epidemie in einem Kriegsgebiet zu bekämpfen, ist der Albtraum jedes Arztes.« Die Todesrate des aktuellen Ausbruchs liegt bei 45,9 Prozent und damit 6,3 Prozentpunkte höher als bei der Epidemie 2014–2016 in Westafrika. Mehr als 2000 Menschen sind nach den jüngsten Zahlen der Behörden bereits gestorben, 4449 Ebolafälle bestätigt. Uganda, das zunächst auch betroffen war, hat bewiesen, dass ein Ebolaausbruch mit raschem Handeln und konsequenter Kontaktverfolgung durchaus früh eingedämmt werden kann. »Im Kongo«, schreibt Fritz, »ist es dafür zu spät.« »Die einfachen Leute haben keine Angst vor mir«, sagte Zhu Rongji einmal. »Angst vor mir haben nur all diese korrupten Beamten.« Am Mittwoch starb Chinas Reformpremier Zhu, 97, der sein Land vor 25 Jahren in die Welthandelsorganisation führte und damit nicht nur China, sondern, wie sich herausstellen sollte, auch die Welt veränderte. Meine Kollegin Maria Stöhr hat ihn in einem Nachruf gewürdigt, den Sie hier finden. Zhu steuerte, wie das für chinesische Ministerpräsidenten inzwischen üblich ist, von 1998 bis 2003 Pekings Wirtschaftspolitik, hemdsärmelig und ohne Scheu vor harten Entscheidungen. Er trieb die Privatisierung moribunder Staatsunternehmen voran, wodurch zunächst Hunderttausende ihre Jobs verloren. Zugleich aber entfachte er damit den Unternehmergeist in China und beschleunigte den Aufstieg des Landes zur »Werkbank der Welt« – oft gegen Widerstände aus dem Apparat. »Wenn diese Regierung voller Jasager ist, dann haben wir das Volk im Stich gelassen«, zitiert Maria einen berühmten Ausspruch Zhus. »Heute wären das unvorstellbare Sätze«, schreibt sie. Unter dem seit 2013 amtierenden Staats- und Parteichef Xi Jinping »wird Widerspruch und öffentliche Kritik in China kaum noch geduldet.« Hier noch einmal der Link zu Marias Nachruf: Chinas »Cäsar der Wirtschaft« Ice Ice Baby: Der US-Footballstar Travis Kelce, 36, Gatte der Popsängerin Taylor Swift, hat endlich ausgepackt über die geheimnisumwitterte Hochzeitsfeier der beiden am 3. Juli. Allerdings begannen die Details, die er bei einer Pressekonferenz seiner Kansas City Chiefs preisgab, spannender, als sie endeten. »Die Hochzeit war die beste Nacht meines Lebens«, fing er an, »und ich bin allen dankbar, die gekommen sind, um mit uns zu feiern und Spaß zu haben.« Unter anderen hatten die Schauspieler Tom Cruise, Brad Pitt und Jennifer Lopez der Zeremonie im New Yorker Madison Square Garden beigewohnt. Dass man ihm und seiner Frau diese Location überlassen habe, sei ihm eine Ehre gewesen: »Es ist schon irgendwie cool, meinen Kindheitstraum zu verwirklichen, in dieser Arena zu sein – dem Mekka aller Sportstätten – und dort heiraten zu können.« Etwas prosaisch klang dagegen das einzige konkrete Detail, das er aus dem Inneren des Hochzeitssaals berichtete (wo das Brautpaar ein striktes Handyverbot verhängt hatte): »Die Klimaanlagen liefen auf Hochtouren, Baby. Das war das Beste daran.« … schlage ich Ihnen vor, wieder einmal ein »Asterix«-Album aufzuschlagen (oder sich eines herunterzuladen). Nehmen Sie zur Feier des Tages allerdings einen der 24 Bände, die René Goscinny noch selbst getextet hat. Morgen, am 14. August, wäre der legendäre französische Comicautor 100 Jahre alt geworden. Ohne seinem kongenialen Zeichner Albert Uderzo und den anderen Autoren der seit Goscinnys Tod 1977 erschienenen Bände zu nahe treten zu wollen: Für mich sind Meisterwerke wie »Der Kampf der Häuptlinge«, »Die Lorbeeren des Cäsar« oder »Asterix bei den Briten« bis heute unerreicht. Einen »Großhumoristen« hat mein Kollege Arno Frank Goscinny einmal genannt, und da sind wir uns einig. Latürnich. Einen schönen Abend. Herzlich Ihr Bernhard Zand, Peking