Nicht alle Menschen-Verwandten wurden stetig größer
Stand: 28.06.2026 05:00 Uhr Die Evolution des Menschen, seiner Vorfahren und Verwandten ist keine Geschichte stetig wachsender Körpergröße. Erst der effiziente Gang auf zwei Beinen und ein höherer Fleischkonsum sorgten für den großen Schub. Doch es gab auch Vertreter der Gattung Homo, die sich in eine andere Richtung entwickelten. von MDR WISSEN Entgegen früheren Vorstellungen wurden die Körper von Hominini, also der Vorfahren und ausgestorbenen Verwandten des Menschen, im Lauf der Evolution nicht stetig größer. Zu diesem Ergebnis kommt eine umfassende Studie von Wissenschaftlern der englischen Universitäten Reading und Oxford, die in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlicht wurde. Hominini von einem Meter Größe Das Team um Jacob Gardner verweist darauf, dass einige Hominini einem solchen Trend widerstanden. So seien Homo floresiensis und Homo naledi klein geblieben. Tatsächlich wurde der vor etwa 18.000 Jahren auf der indonesischen Insel Flores lebende Homo floresiensis nur etwa einen Meter groß. Der vor 300.000 Jahren in Südafrika beheimatete Homo naledi schaffte es immerhin auf 1,50 Meter. "Die menschliche Geschichte ist nicht nur eine von ständigem Wachstum, sondern auch von einer großen Veränderung, die später innerhalb unserer eigenen Gattung stattfand, während andere Familienzweige, darunter einige überraschend kleine Verwandte, ihren eigenen Weg gingen", erklärt Studien-Hauptautor Gardner. Der größte Sprung – die Körpergröße betreffend – erfolgte demnach vor etwa 2 bis 2,5 Millionen Jahren. Damals betraten Homo rudolfensis, Homo erectus und Homo ergaster das Feld. Homo erectus und Homo ergaster waren die ersten Homininen, die im Durchschnitt etwa 60 Kilogramm oder mehr wogen und damit ein ähnliches Körpergewicht wie viele moderne Menschen (Homo sapiens) erreichten. Effektiver Gang auf zwei Beinen Die Studienautoren stellten fest, dass das Körpergewicht bei den früheren Hominin-Verwandten des Menschen wie Australopithecus im Laufe der Evolution zwar stetig zunahm. Das galt aber nicht automatisch für die Körpergröße. Erst an einem entscheidenden Entwicklungspunkt nahm innerhalb der Gattung Homo auch die Größe deutlich zu. Den Forschern zufolge gingen diese menschlichen Vorfahren effizienter auf zwei Beinen als frühere Hominine. Sie aßen mehr Fleisch und streiften über viel größere Flächen auf der Suche nach Nahrung und geeignetem Lebensraum. Ein größerer Körper könnte geholfen haben, diese längeren Strecken zurückzulegen und mit einer abwechslungsreichen Ernährung zu überleben, vermuten die Wissenschaftler. (dn)