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„Nicht die Bildschirmzeit“: Wahrer Grund für schlechte schulische Leistungen liegt woanders

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„Nicht die Bildschirmzeit“: Wahrer Grund für schlechte schulische Leistungen liegt woanders

Von: Jana Stäbener

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Wie schädlich ist es für Kinder, viel am Smartphone zu hängen? Neue Studien zu Social Media und Bildschirmzeit liefern überraschende Ergebnisse.

Frankfurt – Wer bereits mit elf statt mit 14 Jahren Social-Media-Profile hat, zeigt Jahre später schwächere Leistungen in Mathematik und beim Lesen: Zu diesem Ergebnis kommt eine im August 2026 im Fachjournal Nature Human Behaviour veröffentlichte Studie an 5.227 italienischen Schulkindern. Der Rückstand der Jugendlichen mit früherer Social-Media-Nutzung im Vergleich mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern ist etwa sechs Monate groß. Als einen der stärksten Einflussfaktoren identifizierten die Forschenden, inwieweit die Smartphones und Apps tagsüber, aber auch nachts in wichtige Bereiche des täglichen Lebens eindrangen (z. B. Nutzung vor dem Schlafengehen, nach dem Aufwachen, bei Hausaufgaben oder in der Schule). In Bereiche, die eng mit Aufmerksamkeitsstörungen und kognitiver Überlastung verbunden sind.

„Nicht die Bildschirmzeit“ selbst richtete den Schaden an, sondern die „unkontrollierte Nutzung“, das „Übergreifen des Smartphones auf alle Lebensbereiche“, interpretiert Justin Phillips, der sich beruflich mit digitalen Medien bei Kindern beschäftigt, die Studie auf Linkedin. Ein Social-Media- oder Smartphone-Verbot greife deswegen viel zu kurz, findet er. „Man kann sich einen kompetenten 16-Jährigen nicht einfach herbeiwünschen. Man lässt ihn heranreifen – langsam, ab etwa dem vierten Lebensjahr, Schritt für Schritt –, damit er, wenn die Apps auftauchen, bereits gelernt hat, die zugrundeliegenden Mechanismen zu durchschauen und sie zu steuern.“

Studie zur Bildschirmzeit aus Finnland liefert überraschende Ergebnisse

Die Studienlage zu Mediennutzung und psychischer Gesundheit sei „vielschichtig“, sagt Lisa Mutschke vom JFF-Institut für Medienpädagogik der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Es komme stark darauf an, wie, wofür und wie lange Kinder Medien nutzen – und ob sie dabei begleitet würden. „Ein Smartphone allein ist nicht automatisch gut oder schlecht.“ Ein Smartphone könne ganz unterschiedlich genutzt werden – zum Spielen, Lernen, Freunde kontaktieren oder kreativ sein. Es pauschal bis zu einem gewissen Alter zu verbieten, „wäre realitätsfern – und pädagogisch eher ein Rückschritt.“

Gründe, warum Kinder mit frühem Smartphone-Zugang als Erwachsene eine schlechtere mentale Gesundheit aufwiesen, könnten vielfältig sein. Manchmal liege es nicht an den Smartphones per se, sondern an der damit einhergehenden Social-Media-Nutzung, an Cybermobbing, verschlechterten Familienbeziehungen oder an Schlafstörungen, die sich wiederum auf schulische Leistungen auswirkten. Manchmal bekommen auch Kinder aus ohnehin belasteteren Lebenssituationen „früher ein Smartphone“.

Eine neue Langzeitstudie aus Finnland unter 260 Heranwachsenden, die im Fachjournal Pediatric Exercise Science veröffentlicht wurde, kommt zu dem überraschenden Ergebnis: Wer seit der Kindheit mehr Bildschirmzeit verbrachte, zeigte im Teenageralter oft bessere kognitive Leistungen. Der Wissenschaftler Petri Jalanko von der Universität Jyväskylä, der die Studie betreut hat, warnt deswegen davor, Bildschirmzeit pauschal zu verteufeln. „Entscheidend ist dabei vermutlich, womit sie ihre Bildschirmzeit verbringen“, sagt er.

Hohe digitale Nutzungsrate: Lehrerin verrät, wann sie sich auf Spurensuche macht

Lehrkräfte und Eltern sollten Kinder dazu ermutigen, Geräte und Bildschirme auf eine Weise zu nutzen, die aktives Denken, Problemlösung, Kreativität und Lernen fördert. Digitale Aktivitäten, die mit Lernen, Problemlösung oder anderen Formen aktiver geistiger Auseinandersetzung verbunden seien, könnten den in der Studie beobachteten Zusammenhang erklären. „Wir sollten Bildschirmzeit nicht ausschließlich als schädlich betrachten, sondern ein Gleichgewicht zwischen körperlicher Aktivität und Bildschirmzeit anstreben, die aktives Denken fördert“, sagt Jalanko über seine Studie.

Studien über Mediennutzung sollten zum Anlass genommen werden, über einen gesunden Umgang mit dem Smartphone zu sprechen, findet Mutschke im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Sowohl in der Familie als auch in der Schule und in der Politik. „Wir beim JFF plädieren dafür, Kinder zu stärken, sie in ihrem Medienhandeln zu begleiten – ihre Fragen ernst zu nehmen und ihnen zuzutrauen, mit digitalen Angeboten gut umzugehen.“

Auf Lehrpersonen kommt dabei im Schulalltag eine besondere Aufgabe zu. „Wenn wir bei Schülerinnen und Schülern etwas beobachten, das auf sehr hohe digitale Nutzungsraten hinweisen könnte, machen wir uns als Erziehungspartner Sorgen – und begeben uns auf die Spur, was dahintersteckt“, sagt Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrerverbands, der Frankfurter Rundschau. Sie nennt als Warnsignale, wenn digitale Themen alle Gespräche dominierten oder das Verlangen nach digitalen Medien so stark sei, dass es reale Begegnungen blockiere.

Auch „gelangweiltes oder gereiztes Verhalten, eine geringe Konzentrationsspanne und wenig Ausdauer bei Tätigkeiten, die nicht sofort belohnt werden“ oder Schlafprobleme könnten auf eine unausgeglichene Nutzung hinweisen. Fällt Lehrkräften eine Verhaltensänderung auf, tauschen sie sich zunächst im Team aus, fertigen eine Beobachtungsliste an und würden dann mit den Eltern in Kontakt treten, die „oftmals noch hilfloser sind als wir“, sagt die Pädagogin. (Quellen: eigene Recherche, Pediatric Exercise Science, Nature Human Behaviour, Linkedin)

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