„Nicht jeder noch so kruden Behauptung Bühne bauen“: Hape Kerkeling warnt bei SPD vor falscher Toleranz
Der Entertainer und Komiker Hape Kerkeling hat die SPD-Bundestagsfraktion aufgefordert, Intoleranz und Extremismus entschlossen entgegenzutreten. „Wenn wir jeder noch so kruden Behauptung im Namen der Meinungsfreiheit dieselbe Bühne bauen wie einer geprüften Tatsache, wenn wir jedem Verfassungsfeind im Namen vermeintlicher Fairness denselben Resonanzraum geben wie seinen Gegnern, dann sägen wir nicht am Ast der Intoleranz. Wir sägen am Ast, auf dem wir alle gemeinsam sitzen“, sagte Kerkeling in einer Klausur, die hinter verschlossenen Türen stattfand. Auszüge der Rede wurden von der SPD schriftlich verbreitet.
Der Schauspieler warnte demnach vor einer „Kapitulation der Fakten vor der Lautstärke“ und nahm dabei auch Bezug zur AfD. Er erinnerte, der Fraktionsvorsitzende „einer bestimmten Partei“ habe 2018 offen ausgesprochen, die zwölf Jahre Nationalsozialismus seien nur ein „Vogelschiss“ in über tausend Jahren deutscher Geschichte. Der damalige AfD-Fraktionschef Alexander Gauland hatte wörtlich gesagt: „Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1.000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.“
Kerkeling erinnerte die sozialdemokratischen Abgeordneten an den SPD-Parteivorsitzenden Otto Wels, der am 23. März 1933 bei einer Reichstagssitzung aufstand und als Einziger dem Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten widersprach – „mit Sätzen, die uns heute noch die Nackenhaare aufstellen“, so Kerkeling.
Hape Kerkeling preist Otto Wels als Vorbild
„Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht“, hatte Wels gesagt. Und: „Kein Ermächtigungsgesetz gibt Ihnen die Macht, Ideen, die ewig und unzerstörbar sind, zu vernichten.“
Kerkeling sagte an die Abgeordneten gerichtet, Wels hätte auch schweigen können. „Schweigen wäre bequemer gewesen. (...) Er hat es trotzdem nicht getan. Und genau deshalb stehen wir heute, dreiundneunzig Jahre später, nicht an seinem Grab. Wir stehen in seinem Vorbild.“
Der 61 Jahre alte Kerkeling – vielen bekannt durch Rollen wie die des rheinisch-jovialen Vize-Chefredakteurs Horst Schlämmer („Isch kandidiere“) – hat stets auch politische Positionen bezogen. Im April sprach er zum Gedenken an die Befreiung des KZ Buchenwald. Im Internet läuft eine Petition mit der Forderung, ihn im kommenden Jahr zum Bundespräsidenten zu wählen. (dpa)