Nicht nur gegen Platzangst: Hinter dem Spiegel im Fahrstuhl steckt clevere Psychologie
Startseite Welt Nicht nur gegen Platzangst: Hinter dem Spiegel im Fahrstuhl steckt clevere Psychologie Von: Lara Hempel Uns auf Google folgen Verspiegelte Aufzüge sind kein Zufall und keine Frage des Designs. Dahinter steckt ein psychologisches Prinzip, das effektiver wirkt, als gedacht. Ein Fahrstuhl ist keine angenehme Erfindung für das Unterbewusstsein. Eine Metallbox, enge Wände, fremde Menschen und das alles in Bewegung. Wer schon einmal gespürt hat, wie sich sein Herzschlag in einem engen Lift beschleunigt, ist damit nicht allein. Doch der Spiegel hilft immerhin gegen die Platzangst, vergrößert den Raum visuell. Doch das ist nicht der einzige Trick, den er draufhat. Der Spiegel im Fahrstuhl ist ein psychologisches Werkzeug, das bewusst eingesetzt wird, um das Verhalten der Fahrgäste zu steuern. Hallasch Aufzüge erklärt, dass der eigentliche Grund für verspiegelte Kabinen weit über Komfort hinausgeht. Es geht um Sicherheit: für die Menschen darin und für die Kabine selbst. Wer sich im Spiegel sieht, fühlt sich beobachtet und verhält sich entsprechend. Dieses Prinzip hat sogar einen Namen in der Psychologie: den Hawthorne-Effekt. Der Hawthorne-Effekt: Warum Beobachtung das Verhalten verändert Benannt ist der Effekt nach Experimenten in einer US-amerikanischen Fabrik, bei denen Forscher feststellten: Allein das Wissen, beobachtet zu werden, steigerte die Leistung der Arbeiter spürbar, wie Spektrum der Wissenschaft erklärt. Laut Hallasch Aufzüge gilt dieser Effekt auch im Fahrstuhl, selbst dann, wenn der einzige Beobachter das eigene Spiegelbild ist. Die Praxis bestätigt es: Verspiegelte Kabinen werden deutlich seltener mutwillig beschädigt oder beschmutzt als solche ohne Spiegel. Auch für Taschendiebe wird der Spiegel zum Problem. Wer heimlich in eine fremde Tasche greift, riskiert im Fahrstuhl, dass ihn jeder Mitfahrer dabei beobachten kann, gespiegelt aus mehreren Winkeln. Das erhöhe die Entdeckungsgefahr enorm, schreibt Hallasch Aufzüge. Das Fachmagazin Psychology Today ergänzt: Durch die zusätzlichen Blickwinkel eines Spiegels können Fahrgäste Mimik und Handbewegungen anderer Personen besser wahrnehmen und damit schneller einschätzen, ob eine Situation sicher ist. Bei Menschen mit Platzangst gibt es eine doppelte positive Wirkung. Die Reflexion erzeugt den Eindruck, die Kabine sei größer und weniger beengend. Zusätzlich lenkt er ab, denn wer in den Spiegel schaut, grübelt weniger über die Zeit, die er im Fahrstuhl verbringt. In der DIN EN 81-70 ist es sogar vorgeschrieben, dass barrierefreie Fahrstühle mindestens einen Spiegel an der Stirnwand tragen müssen, damit Rollstuhlfahrer beim Rangieren die Kabine besser überblicken können. Auch wichtig: Jeder Euro für Psychotherapie zahlt sich volkswirtschaftlich aus – Experten warnen vor Sparplänen der Regierung.