Nicht nur Long Covid. Es gibt die Symptome auch nach grippalen Infekten
Universitätsmedizin
Long Erkältung: Wenn Symptome nach grippalen Infekten bleiben
Stand: 29.09.2026 15:51 Uhr
Forschende aus Halle haben Daten ausgewertet, wie häufig Menschen nach einer akuten Virusinfektion anhaltende Symptome erleben. Dabei zeigt sich: Nicht nur Corona, sondern auch Influenza kann lange Folgen haben.
von Clemens Haug
Die Coronapandemie hat Aufmerksamkeit auf ein Problem gelenkt, das es auch schon zuvor gab: Schwere Virusinfektionen führen bei manchen Patientinnen und Patienten zu lang anhaltenden gesundheitlichen Problemen, mit vielen Symptomen, die erst auftreten, nachdem die ursächliche Ansteckung bereits überwunden ist.
Ein Team von Forschenden der Universitätsmedizin in Halle (Saale) hat jetzt Daten von über 50.000 Befragten ausgewertet, die zwischen September 2024 und August 2025 im Rahmen der DigiHero-Studie über die Folgen von Atemwegsinfektionen berichteten. Rund ein Drittel (37 Prozent oder 18.700 Befragte) gaben an, innerhalb dieses Jahres mindestens einmal erkältet gewesen zu sein oder sogar einen Infekt mit Fieber erlebt zu haben.
Folgen von Atemwegsinfektionen oft lange unterschätzt
Rund 4.300 Personen (8,6 Prozent) berichteten über eine Atemwegsinfektion mit Symptomen, die mehr als zwölf Wochen nach der Infektion anhielten. Ursächlich waren dabei in 17,2 Prozent der Fälle Infektionen mit Sars-CoV-2. Influenza war bei 3,7 Prozent Auslöser, RSV bei 1,3 Prozent der Fälle. Bei 75,5 Prozent war der Erreger unbekannt, berichtet das Team aus Halle (an der Saale) unter der Leitung des Epidemiologen Rafael Mikolajczyk.
Die Forschenden fassen diese Erkrankungen als postakutes Infektionssyndrom (PAIS) zusammen. "Von ausgeprägter Erschöpfung und geringer körperlicher Belastbarkeit bis hin zu Atemnot gibt es eine Vielzahl von Symptomen, die bei PAIS auftreten können. Die Beschwerden sind medizinisch oft schwer einzuordnen und entsprechend schwierig zu behandeln", sagt Mikolajczyk.
Postakutes Infektionssyndrom heilt oft nicht aus
Nur bei 17 Prozent der Betroffenen heilten die Symptome innerhalb eines Jahres aus. Viele waren noch länger betroffen. "Unsere Analyse zeigt, dass PAIS ein relativ häufiges und klinisch relevantes Phänomen nach Atemwegsinfektionen ist und dabei nicht auf einen bestimmten Erreger beschränkt ist", sagt Friederike Peter, Erstautorin der Studie.
Der Grad der Beeinträchtigung sei sehr unterschiedlich. "Tendenziell sind leichtere Beeinträchtigungen häufiger als schwerere", sagt Mikolajczyk. Das bekannte Vollbild einer schweren Long-, beziehungsweise Post-Covid Erkrankung, Fachname "Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue-Syndrom (ME CFS)" sei selten vorgekommen. Aber es gebe Unterschiede. Viele Personen, die bereits unter eine Post-Covid litten, erlebten häufig eine Verschlechterung ihrer Symptome nach einer erneuten Infektion.
Frauen und Ältere tragen das höchste PAIS-Risiko
Laut Studie erkranken Frauen doppelt so häufig wie Männer an PAIS und Personen über 50 Jahren doppelt so häufig wie jüngere Menschen. Vor allem, wer sich von früheren Symptomen noch nicht erholt hatte, trug das größte Risiko, schwere Verläufe zu erleben. Die medizinische Versorgung dieser Patienten ist laut den Daten der Befragung möglicherweise lückenhaft. Obwohl sich rund 87 Prozent der Betroffenen mäßig bis sehr stark belastet fühlen durch die Symptome, suchen nur 58 Prozent deswegen eine Ärztin oder einen Arzt auf.