DAX -0,24 % 26.140,13 Pkt 18:00:00 MDAX -0,40 % 32.431,12 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,39 % 6.502,56 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,37 % 53.885,10 Pkt 23:23:20 S&P 500 -0,34 % 7.709,96 Pkt 00:32:46 Nasdaq -0,89 % 26.348,35 Pkt 23:15:59 Nikkei -1,18 % 64.907,51 Pkt 03:55:35 Gold +1,62 % 4.314,40 USD 04:00:29 Silber +0,41 % 62,36 USD 04:00:29 Brent +0,87 % 83,21 USD 03:58:15 WTI +3,76 % 78,05 USD 04:00:39 Bitcoin +0,01 % 64.264,09 USD 04:10:29 EUR/USD -0,28 % 1,15250 USD 04:09:54 EUR/GBP -0,17 % 0,85650 GBP 04:10:39 EUR/CHF +0,42 % 0,93620 CHF 04:10:39 EUR/JPY +0,19 % 182,478 JPY 04:10:39

Nicht sicher: Trend unter chinesischen Jugendlichen kommt auch nach Deutschland

Technologie

Startseite Panorama Nicht sicher: Trend unter chinesischen Jugendlichen kommt auch nach Deutschland Von: Andreas Apetz Uns auf Google folgen Künstliche Intelligenz dringt immer mehr in den Alltag junger Menschen vor. Dabei zeichnen sich in Deutschland ähnliche Entwicklungen wie in China ab. Frankfurt – Wem erzähle ich von meinen Sorgen? Bin ich nur gestresst oder brauche ich echte Unterstützung? Für junge Menschen sind solche Fragen zur eigenen Psyche oft mit großer Scham verbunden und nicht selten fehlt jemand, dem sie sich anvertrauen können. In China, wo der Leistungsdruck auf Jugendliche enorm ist und der Besuch beim Therapeuten noch immer als Makel angesehen wird, hat sich deshalb ein bedenklicher Trend entwickelt: Immer mehr junge Menschen suchen emotionalen Beistand bei KI-Chatbots. Unter der chinesischen Bevölkerung ist das landeseigene Sprachmodell „DeepSeek“ am stärksten verbreitet. Die Psychologin Olive Woo und der KI-Experte Yuk Min Tang sprechen in ihrem Buch „DeepSeek and Mental Health Support Among Chinese Youth“ (Februar, 2026) von einer regelrechten Krise des emotionalen Wohlbefindens unter chinesischen Jugendlichen. Auch wenn keine offiziellen Statistiken zum Nutzungsverhalten genannt werden, reagierte das Land bereits und setzt KI-Unternehmen strengere Grenzen, um beispielsweise die Vermenschlichung von Chatbots einzuschränken. KI-Chatbots werden auch in Deutschland bei psychischen Problemen genutzt Auch in Deutschland zeichnet sich langsam ein ähnliches Bild wie in China ab. Die JIM-Studie 2026 zum digitalen Wohlbefinden von Jugendlichen in Deutschland, erhebt jährlich den Medienumgang 12- bis 19-Jähriger in Deutschland. 51 Prozent der Befragten gaben an, KI oder Chatbots regelmäßig in ihrer Freizeit zu nutzen. Für zwölf Prozent dient der Austausch mit einem KI-Chatbot als Bewältigungsstrategie in schwierigen Phasen. Bei einer Umfrage der deutschen Depressionshilfe aus dem März 2026 bejahten 65 Prozent der Befragten, dass sie schon einmal mit einem Chatbot „wie mit einer vertrauensvollen Person oder einem Therapeuten über eigene psychische Probleme“ gesprochen haben. Die Altersspanne lag bei 16 bis 39 Jahren. Dass Chatbots gerade in Bezug auf emotionale Themen immer beliebter werden, kann mehrere Ursachen haben: Zum einen sind sie permanent als Ansprechpartner verfügbar, zum anderen kostet das Besprechen sensibler Gedanken weniger Überwindung als mit echten Menschen. Die Tools werden deshalb als schnelle Hilfe empfunden. „Das ist zunächst ein Vorteil“, sagt Eva-Lotta Brakemeier, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychologie und Professorin an der Universität Greifswald. Die Zuwendung an die KI werde durch die angespannte Versorgungslage von Therapieplätzen und die langen Wartelisten begünstigt, erklärt sie der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. „Problematisch wird es, wenn Chatbots professionelle Versorgung ersetzen oder als gleichwertig wahrgenommen werden“, sagt Brakemeier. Das größte Risiko sieht sie in einer „Scheinsicherheit“: Chatbots vermitteln das Gefühl von Unterstützung, übernehmen aber keine psychotherapeutische Verantwortung. Besonders kritisch sei das bei Suizidalität, Selbstverletzung oder schweren depressiven Episoden – Situationen, die KI-Systeme nicht zuverlässig erkennen können. Hinzu komme die Gefahr einer emotionalen Abhängigkeit: Jugendliche könnten reale Kontakte zugunsten der KI reduzieren. „Emotionale Stabilisierung durch echte Bezugspersonen ist gerade in sensiblen Entwicklungsphasen zentral“, betont Brakemeier. „Das kann KI nicht ersetzen.“ Therapie mit KI: Einzelantworten sind oft bemerkenswert gut Isabel Brandhorst, Leiterin der Forschungsgruppe Internetnutzungsstörungen an der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Tübingen, beobachtet die Entwicklung mit gemischten Gefühlen. „Die psychische Gesundheit junger Menschen hat sich in den letzten Jahren deutlich verschlechtert“, sagt sie der Frankfurter Rundschau. Eines der Probleme sieht sie darin, dass Chatbots in der Regel bestätigen, statt zu hinterfragen. Bei vielen psychischen Erkrankungen sei das ungeeignet. Echte Therapie bestehe mitunter darin, die Überzeugungen der Patientinnen und Patienten herauszufordern. Bei Chatbots sei „das Risiko einer Bestätigung von dysfunktionalen Gedanken oder Verhaltensweisen nicht auszuschließen“, erklärt Brandhorst. Matthias Berking, Inhaber des Lehrstuhls für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, sieht ein weiteres grundsätzliches Problem: „Die einzelnen Antworten von Therapie-KI sind jede für sich gesehen oft bemerkenswert gut“, sagt er der Frankfurter Rundschau. Doch echte Therapie sei kein Antwortautomat. Ein guter Therapeut entwickle einen strategischen Plan und begleite einen Prozess, in dem sich verschiedene Problembereiche nacheinander verändern. „Die KI dagegen beginnt bei jedem Gespräch wieder von vorn“, erklärt Berking. Dieses Gesamtverständnis der Situation und des Zustandes, fehle ihr. Brakemeier fordert klare regulatorische Rahmenbedingungen für KI-Chatbots: Altersregeln, Transparenzpflichten, verpflichtende Krisenhinweise und Datenschutzstandards. KI-Angebote im Bereich psychischer Gesundheit bräuchten zudem eine Art „Beipackzettel“ mit klaren Hinweisen zu Risiken, Grenzen und wann professionelle Hilfe nötig ist. (Quelle: JIM-Studie 2026, Deutsche Depressionshilfe, eigene Recherche)

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