Nicht sicher: Trend unter chinesischen Jugendlichen kommt auch nach Deutschland
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Nicht sicher: Trend unter chinesischen Jugendlichen kommt auch nach Deutschland
Von: Andreas Apetz
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Die Bedeutung von Künstlicher Intelligenz im Alltag junger Menschen nimmt stetig zu. In Deutschland zeigt sich dabei eine vergleichbare Entwicklung wie in China.
Frankfurt – Wem vertraut man sich an, wenn die eigene Psyche aus dem Gleichgewicht gerät? Für viele junge Menschen ist das keine leichte Frage. Scham, fehlende Ansprechpartner und lange Wartelisten auf Therapieplätze machen es schwer, rechtzeitig Hilfe zu finden. In China, wo der Leistungsdruck auf Jugendliche enorm ist und der Gang zum Therapeuten gesellschaftlich noch immer als Makel gilt, hat sich deshalb ein besorgniserregender Trend entwickelt: Immer mehr junge Menschen suchen emotionalen Rückhalt bei KI-Chatbots.
Unter der chinesischen Bevölkerung ist das landeseigene Sprachmodell „DeepSeek“ am weitesten verbreitet. Die Psychologin Olive Woo und der KI-Experte Yuk Min Tang beschreiben in ihrem Buch „DeepSeek and Mental Health Support Among Chinese Youth“ (Februar 2026) eine regelrechte Krise des emotionalen Wohlbefindens unter chinesischen Jugendlichen. Offizielle Statistiken zum Nutzungsverhalten gibt es zwar nicht – das Land hat jedoch bereits reagiert und setzt KI-Unternehmen strengere Grenzen, um etwa die Vermenschlichung von Chatbots einzuschränken.
Auch in Deutschland zeigt sich ein ähnliches Bild. Die JIM-Studie 2026 zum digitalen Wohlbefinden von Jugendlichen erhebt jährlich den Medienumgang von 12- bis 19-Jährigen in Deutschland. Demnach gaben 51 Prozent der Befragten an, KI oder Chatbots regelmäßig in ihrer Freizeit zu nutzen. Für zwölf Prozent ist der Austausch mit einem KI-Chatbot bereits eine Bewältigungsstrategie in schwierigen Lebensphasen. Eine Umfrage der Deutschen Depressionshilfe aus dem März 2026 zeigt: 65 Prozent der Befragten im Alter von 16 bis 39 Jahren haben schon einmal mit einem Chatbot „wie mit einer vertrauensvollen Person oder einem Therapeuten über eigene psychische Probleme“ gesprochen.
Warum Jugendliche KI-Chatbots vertrauen – und was Experten dazu sagen
Die Gründe für den Trend liegen auf der Hand: Chatbots sind rund um die Uhr erreichbar, und das Besprechen sensibler Gedanken kostet weniger Überwindung als ein Gespräch mit echten Menschen. Die Tools werden daher als niedrigschwellige, schnelle Hilfe wahrgenommen. „Das ist zunächst ein Vorteil“, sagt Eva-Lotta Brakemeier, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychologie und Professorin an der Universität Greifswald. Die angespannte Versorgungslage bei Therapieplätzen und die langen Wartelisten begünstigten die Zuwendung zur KI, erklärt sie der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media.
Doch die Expertin sieht auch klare Grenzen. „Problematisch wird es, wenn Chatbots professionelle Versorgung ersetzen oder als gleichwertig wahrgenommen werden“, sagt Brakemeier. Das größte Risiko liege in einer „Scheinsicherheit“: Chatbots vermitteln zwar das Gefühl von Unterstützung, übernehmen aber keine psychotherapeutische Verantwortung. Besonders heikel sei das bei Suizidalität, Selbstverletzung oder schweren depressiven Episoden – Situationen, die KI-Systeme nicht zuverlässig erkennen könnten. Zudem bestehe die Gefahr einer emotionalen Abhängigkeit: Jugendliche könnten reale Kontakte zugunsten der KI vernachlässigen. „Emotionale Stabilisierung durch echte Bezugspersonen ist gerade in sensiblen Entwicklungsphasen zentral“, betont Brakemeier. „Das kann KI nicht ersetzen.“
Chatbots bestätigen statt zu hinterfragen
Isabel Brandhorst, Leiterin der Forschungsgruppe Internetnutzungsstörungen an der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Tübingen, beobachtet die Entwicklung mit gemischten Gefühlen. „Die psychische Gesundheit junger Menschen hat sich in den letzten Jahren deutlich verschlechtert“, sagt sie der Frankfurter Rundschau. Ein zentrales Problem sieht sie darin, dass Chatbots in der Regel bestätigen, statt zu hinterfragen. Bei vielen psychischen Erkrankungen sei das ungeeignet, denn echte Therapie bestehe mitunter gerade darin, die Überzeugungen der Patientinnen und Patienten herauszufordern. Bei Chatbots sei „das Risiko einer Bestätigung von dysfunktionalen Gedanken oder Verhaltensweisen nicht auszuschließen“, erklärt Brandhorst.
Matthias Berking, Inhaber des Lehrstuhls für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, benennt ein weiteres grundsätzliches Problem: „Die einzelnen Antworten von Therapie-KI sind jede für sich gesehen oft bemerkenswert gut“, sagt er der Frankfurter Rundschau. Doch echte Therapie sei kein Antwortautomat. Ein guter Therapeut entwickle einen strategischen Plan und begleite einen Prozess, in dem sich verschiedene Problembereiche nacheinander verändern. „Die KI dagegen beginnt bei jedem Gespräch wieder von vorn“, erklärt Berking. Das Gesamtverständnis der Situation und des Zustandes einer Person fehle ihr.
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