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Nick Woltemades Flucht zu Juventus: Gefangen im Goldenen Käfig?

Sport

Wer hätte das Mitte Oktober 2025 gedacht? Nach einem 75-Millionen-Euro-Transfer vom VfB Stuttgart hatte Nick Woltemade bei Newcastle United einen bärenstarkem Start mit vier Toren in den ersten fünf Premier-League-Spielen hingelegt. Experten und Medien überschütteten den Stürmer mit Lob. Gut zehn Monate später ist seine Zeit bei den Magpies erstmal abgelaufen. Am Deadline Day verschifft zu einem Europa-League-Teilnehmer, der noch einen einigermaßen klangvollen Namen hat.

Für ein Jahr heuert Woltemade bei Juventus an, in der Hoffnung, Schwung in seine Karriere zu bringen. Knapp fünf Millionen Euro überweist der italienische Rekordmeister als Leihgebühr nach Newcastle und übernimmt zudem laut übereinstimmender Medienberichte das Gehalt des 24-Jährigen. Eine Kaufoption oder gar Kaufpflicht gibt es nicht. Damit ist auch erstmal klar, dass Woltemade im Anschluss an die Spielzeit 2026/27 wieder bei den Engländern aufschlägt. Sie werden also genau verfolgen, wie sich Woltemade in Italien entwickelt.

Denn in Newcastle war Woltemade nach seinem herausragenden Start nicht nur auf der Suche nach seiner Form sondern auch auf der Suche nach seiner Position. Ex-Trainer Eddie Howe (48) setzt ihn wegen vermeintlich mangelnder Durchschlagskraft und Schnelligkeit plötzlich nicht mehr im Sturmzentrum ein, sondern bisweilen im zentralen Mittelfeld. Kritiker behaupteten Anfang des Jahres, der Coach habe sich diese angeblichen Mängel des DFB-Spielers von datenverliebten Analysten soufflieren lassen.

Ein Umstand, der nicht nur viele Fans sondern auch Ex-Bundestrainer Julian Nagelsmann (39) verwunderte. Er sagte über Woltemade: "Er hat oft sehr tief gespielt, und wenn er dann als Sechser verteidigt, sind es weite Wege zum Tor. Ich kann versprechen, dass er bei uns keine 80 Meter weit vom Tor weg sein wird."

Woltemade selbst klagte im Juni vor seiner verkorksten Weltmeisterschaft mit der deutschen Nationalmannschaft im Stern: "Von mir wird in jedem Spiel ein Tor oder eine Vorlage erwartet. Wenn ich aber nicht im Angriff spiele, ist es für mich deutlich schwieriger, in die torgefährlichen Räume zu kommen." Er knöpfte sich anschließend auch seine Kritiker auf der Insel vor, die seiner Meinung nach nicht verstanden hatten, dass er mittlerweile von Howe auf einer anderen Position eingesetzt wurde: "Trotzdem bin ich von manchen Experten weiterhin als Stürmer beurteilt worden. Dann hieß es: Warum schießt Nick so wenig Tore? Warum gibt er nicht mehr Vorlagen? Das waren die falschen Fragen, und ich fand sie nicht ganz fair."

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Was erwartet Nick Woltemade bei Juventus?

Howe ist mittlerweile nicht mehr da, allerdings hatte Woltemade auch unter dessen Nachfolger Matthias Jaissle (38) einen holprigen Saisonstart. Beim 2:2 gegen Liverpool zum Auftakt drückte er 90 Minuten lang die Ersatzbank, anschließend kam er beim 2:0-Sieg gegen Tottenham als Joker und lieferte immerhin einen Assist. Trotzdem hatte sich bei den Verantwortlichen der Magpies die Einschätzung zementiert, dass Woltemade abgegeben werden soll.

Nach Gerüchten um den BVB und Juves Serie-A Napoli machte Juventus das Rennen. Ein großer, ein klangvoller Name. Aber vor allem ein Verein, der längst nicht mehr der Topklub vergangener Tage ist. Die Alte Dame ist nicht nur meilenweit davon entfernt, wie einst ein ernsthafter Anwärter auf den Gewinn der Champions League zu sein. Vielmehr wurde die Teilnahme an der Königsklasse auf der Zielgeraden der Vorsaison sogar vergeigt. Damit geht einher, dass Juve eben auch national längst nicht mehr das Maß aller Dinge ist.

Stattdessen ist Juventus im Grunde ein Schatten vergangener Tage. Der Verein versuchte es 2018 mit der Brechstange auf Europas Thron zurückzukehren. Cristiano Ronaldo (41) kam damals für 118 Millionen Euro Ablöse und ein horrendes Gehalt von Real Madrid. An den drei Jahren mit dem portugiesischen Superstar sowie finanziell fragwürdigen Deals wie jenem mit Dusan Vlahovic (26, 70 Millionen Euro Ablöse, 22 Millionen Euro Jahresgehalt) hat Juve wirtschaftlich immer noch zu knabbern.

Die Qualität im Kader und damit auch die Konkurrenzfähigkeit hat sukzessive abgenommen. Zur Verdeutlichung: Nach neun Meisterschaften in Folge landeten die Bianconeri in der Serie A zuletzt auf den Plätzen 4, 4, 7 (inklusive eines Punktabzugs von zehn Zählern) 3, 4 und 6.

Damit es jetzt wieder nach oben geht, soll eben Woltemade für die nötigen Tore sorgen. Er ersetzt den kanadischen Nationalspieler Jonathan David (26), der nach einem wenig berauschenden Jahr in Turin an Atletico Madrid abgegeben wurde. Die weiteren Stürmer im Kader von Trainer Luciano Spalletti (67) sind der erneut verpflichtete Ex-Frankfurter Randal Kolo Muani (27), Italien-Juwel Jeff Ekhator (19) und der chronisch verletzungsanfällige Arkadiusz Milik (32).

Wie lange steht Nick Woltemade bei Newcastle United unter Vertrag?

Im ersten Schritt wird es für Spalletti also darum gehen, Woltemades optimale Position in seiner 4-2-3-1-Formation zu finden. Dazu strotzt der ehemalige Bremer nach besagter Vorsaison und der WM samt Fehlschuss im Elfmeterschießen beim DFB-Debakel im Zechzehntelfinale gegen Paraguay eben nicht vor Selbstvertrauen. Eine lange Schonfrist in einer neuen Liga, die traditionell von Taktik und starken Defensivreihen lebt, braucht Woltemade dabei angesichts ungeduldiger Tifosi und kritischen Medien nicht erwarten. Keine Frage, dieser Wechsel ist auch ein Risiko, da der Angreifer eben nicht zu einem perfekt funktionierenden Gebilde stößt.

Ähnlich sehen es auch mehrere Ex-Nationalspieler. "Ich wäre in Newcastle geblieben. Ich hätte es lieber gesehen, wenn er zum BVB gewechselt wäre. Der Wechsel gefällt mir nicht wirklich", erklärte zum Beispiel Dietmar Hamann (53) bei Sky und gab zu, "überrascht" von diesem Transfer zu sein. Schließlich spiele in Italien "die Musik seit Jahren in Mailand". Ähnlich äußerte sich auch Thomas Helmer (61) bei Sport1: "Ich hätte mir einen Verein ausgesucht, wo ich auf jeden Fall meine Einsatzzeiten bekomme. Ob er das bei Juventus Turin bekommt, das weiß ich nicht."

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Dass Newcastle schon nach einem Jahr und auch mit Landsmann Jaissle als neuem Trainer erstmal den Stab über dem zweitteuersten Einkauf der Klubhistorie gebrochen hat, ist indes gewiss kein gutes und auch ein durchaus überraschendes Zeichen. Der Wechsel in die Serie A auf Leihbasis ebenfalls nicht. Denn Skeptiker rechnen angesichts eines "Goldenen Käfigs" in Form eines bis 2031 laufenden Vertrags samt üppigen Salärs mit dem Beginn einer Leih-Odyssee, wie sie bei englischen Vereinen mittlerweile nicht unüblich ist. Schließlich gibt es nicht viele Vereine, die in der mittelfristigen Zukunft das Woltemade-Paket bei einem festen Transfer stemmen könnten.

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