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Niederlage für Putin: Ukraine schlägt Russland bei Lyman in Donezk zurück

Welt

Im Gebiet Donezk

Ukraine gelingt überraschender Erfolg gegen Putins Truppen

Von Simon Cleven

14.09.2026 - 13:42 UhrLesedauer: 3 Min.

Zuletzt sprachen Militärbeobachter zumeist von einem Patt an der Front in der Ukraine. Doch im Verborgenen soll Kiews Truppen ein bedeutender Erfolg gelungen sein.

Seit Monaten gilt die Front am Boden in der Ukraine als festgefahren. Da es kaum Bewegung gibt, beschreiben Militärbeobachter die aktuelle Situation gemeinhin als Patt. Doch womöglich bewegt sich im Schutz des sprichwörtlichen Kriegsnebels an der Front mehr, als die beiden Kriegsparteien öffentlich eingestehen wollen.

Übereinstimmenden Berichten zufolge ist es den ukrainischen Streitkräften gelungen, den russischen Vorstoß nördlich der Stadt Lyman im Gebiet Donezk zurückzuschlagen. Kiews Truppen sollen zwischen 150 und rund 250 Quadratkilometer Gebiet und etwa zehn Dörfer zurückerobert haben. Renommierte Militärbeobachter wie die US-Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) bestätigen die Gewinne, und selbst russische Analysten räumen mittlerweile die Niederlage ein.

Kiew hat sich dazu jedoch noch nicht geäußert. Sollten die Angaben zutreffen, wäre es bereits die zweite stille und erfolgreiche Gegenoffensive der Ukraine dieses Jahres. Bereits im August war eine Gegenoffensive im Süden des Landes bekannt geworden. 745 Quadratkilometer eroberte die Ukraine von den Russen zurück und drängte sie aus der Region Dnipropetrowsk. Erst nach Monaten äußerte sich die Militärführung zu dem Erfolg.

Schrittweiser Vorstoß der Ukraine bei Lyman

Dass sich die russischen Truppen nördlich von Lyman nun zurückziehen müssen, ist für die Ukraine auf strategischer Ebene ein Erfolg. Denn laut Einschätzung des ISW durchkreuzte die ukrainische Armee so die Pläne der russischen Angreifer, den Festungsgürtel der Ukraine im Donbass einzukreisen. Der russische Vorstoß bei Lyman hatte die Städte Slowjansk und Kramatorsk – die Herzstücke des Festungsgürtels – von Norden aus bedroht.

An der Offensive sind Berichten zufolge unter anderem die 66. mechanisierte Brigade sowie die 3. Sturmbrigade beteiligt. Beide gehören zum 3. Armeekorps unter dem Kommando von Andrij Bilezkyj. Unterstützt werden die Bodentruppen unter anderem von zahlreichen Drohneneinheiten.

Anders als bei der ukrainischen Gegenoffensive im Gebiet Charkiw im September 2022 gelang der Vorstoß demnach diesmal nicht durch einen schnellen Durchbruch. Stattdessen rückten die ukrainischen Einheiten über mehrere Monate schrittweise vor. Dabei überwachten Drohnen russische Stellungen zunächst über längere Zeit. Andere Drohnen griffen Artillerie, Nachschubwege und Kommunikationsverbindungen an. Erst nachdem einzelne Stellungen geschwächt und weitgehend isoliert waren, rückten ukrainische Infanteristen nach.

Angriff blieb monatelang geheim

Bemerkenswert ist, wie lange die Ukraine die Operation weitgehend geheim halten konnte. Erste Angriffe sollen bereits am 22. Mai begonnen haben. Öffentlich sichtbar wurde das Ausmaß des Vorstoßes jedoch erst Anfang September. Ukrainische Truppen veröffentlichten während der Kämpfe kaum Bilder. Auch mehrere westliche und ukrainische Analysten verzichteten darauf, ihnen bekannte Geländegewinne öffentlich zu dokumentieren.

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Der finnische Militäranalyst Emil Kastehelmi von der Black Bird Group bezeichnete den Angriff im britischen "Telegraph" als womöglich "wichtigsten Angriff des Jahres". Die Operation werde das Gesamtbild des Krieges zwar nicht grundsätzlich verändern, könne Russlands Vorstoß gegen die ukrainischen Verteidigungsstellungen im Donbass aber verzögern.

Die Informationssperre könnte zudem dazu beigetragen haben, dass die russische Führung das Ausmaß der ukrainischen Offensive lange unterschätzte. Noch Anfang September behauptete Kremlchef Wladimir Putin, russische Truppen hätten die Stadt Swjatohirsk eingenommen. Wenige Tage später veröffentlichte der ukrainische Kommandeur Bilezkyj jedoch ein Video, das ihn in der weiterhin ukrainisch kontrollierten Stadt zeigte. "Hier gibt es keine russischen Soldaten", sagte er darin.

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Auch kremlnahe russische Militärblogger kritisierten anschließend falsche Lageberichte innerhalb der russischen Armee. Der einflussreiche Telegram-Kanal "Rybar" machte "systematische Lügen in Berichten an Vorgesetzte" mitverantwortlich für die Probleme an der Front.

Offensive bei Lyman widerspricht Kremlnarrativ

Bei Lyman handelt es sich dagegen um einen begrenzten, über Monate vorbereiteten Vorstoß. Hinweise auf einen Zusammenbruch größerer russischer Verbände oder massenhaft zurückgelassene Waffen gibt es bislang nicht. Dennoch ist die Entwicklung militärisch bedeutsam. Der ukrainischen Armee ist es gelungen, russische Geländegewinne aus mehr als einem Jahr Kampf innerhalb eines Bruchteils dieser Zeit teilweise wieder rückgängig zu machen. Russland müsste große Teile des Gebiets erneut angreifen, sollte es versuchen, die verlorenen Positionen zurückzuerobern.

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Zugleich widerspricht der Vorstoß der Darstellung des Kremls, wonach russische Geländegewinne langfristig unausweichlich seien. Das ISW sieht darin einen Beleg dafür, dass die Ukraine die Initiative zumindest regional weiterhin zurückgewinnen kann.

Rund um Lyman dauern die Kämpfe allerdings an. Nach Berichten ukrainischer und westlicher Beobachter befinden sich noch russische Einheiten in einzelnen abgeschnittenen Stellungen. Ob die Ukraine ihre Geländegewinne weiter ausbauen kann, ist daher offen.

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