Niederlande holen ihr Gold aus USA zurück - und die Bundesbank tut nichts
Kennen Sie Olaf Sleijpen? Wenn nicht, dann sollten Sie sich diesen Namen merken. Denn der niederländische Notenbanker traut sich eine Transaktion, zu der Bundesbankpräsident Joachim Nagel noch keinen Anlass sieht. Die De Nederlandsche Bank (DNB) – die Notenbank unseres Nachbarlandes – hat beträchtliche Goldreserven aus den USA abgezogen.
86 Tonnen Gold, die bislang in den schwer bewachten Tresoren der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) in New York und der kanadischen Notenbank in Ottawa lagerten, ließ Sleijpen zwischen März und August nach London transferieren, wie die DNB nun bekannt gab. Insgesamt besitzen die Niederländer einen Goldschatz von 612,4 Tonnen im Wert von über 72 Milliarden Euro.
Gold aus Nordamerika abzuziehen, ist nicht unkompliziert. So ließ Sleijpen zunächst 59 Tonnen Gold in New York verkaufen, um anschließend die gleiche Menge wieder in London zu kaufen. Außerdem wurden über 27 Tonnen Gold physisch von den USA und Kanada ins niederländische Zeist transportiert. Eine vergleichbare Menge Gold anschließend über den Ärmelkanal nach London geschafft. Damit lagern mehr als 32 Prozent der Goldreserven bei der Bank of England.
Zur Begründung der Transaktion formuliert der 56-Jährige, der seit Juli 2025 die Notenbank führt, diplomatisch: „Mit dieser Verlagerung haben wir die Handelbarkeit unserer Goldreserven verbessert. Wir gehen davon aus, dass wir sie niemals einsetzen müssen. Dennoch müssen wir unsere Widerstandsfähigkeit und Vorsorge stärken.“
Furcht vor Trumps Unberechenbarkeit
Auch wenn es nicht offen von Sleijpen ausgesprochen ist, liegt es nahe: Die geopolitische Aggressivität des amerikanischen Präsidenten Donald Trump und seine erratische Finanzpolitik sind der Auslöser. Trump hat auch mit der Eingliederung Kanadas in die USA geliebäugelt. Niemand weiß, was noch kommen wird.
Die Niederlande sind übrigens nicht allein in Europa. Bereits 2025 hat die Banque de France alle Goldreserven in New York (129 Tonnen) nach Paris umgeschichtet.
Bundesbank sieht sich „gut aufgestellt“
Und die Bundesbank? Sie verfügt mit insgesamt 3352 Tonnen über den zweitgrößten Goldvorrat der Welt. 37 Prozent davon lagern bei der Fed in New York. Sie sieht sich „gut aufgestellt“ und zweifelt nicht an der Sicherheit der Goldreserven in New York.
Noch sicherer wäre es, sich an den Niederlanden ein Beispiel zu nehmen und ohne großes Aufheben und politisches Brimborium die Goldreserven aus Trumplandia nach Frankfurt zu schaffen. Denn auf die USA, unseren Partner und früheren Freund, ist leider Gottes kein Verlass mehr.