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Niedrigwasser in Donau und Rhein: Kraftwerke fahren in Europa herunter

Technologie

Historisches Niedrigwasser Kraftwerke fahren in ganz Europa herunter – "beispiellose" Engpässe Von Amy Walker 30.07.2026 - 16:23 UhrLesedauer: 3 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Die Stromproduktion in ganz Europa schwächelt angesichts der neuen Hitzewelle. In mehreren Ländern werden Atomkraftwerke, Wasserkraftwerke und andere Energieerzeugungsanlagen vom Netz genommen. Die Rekordhitze geht weiter, die Folgen werden immer spürbarer. Am Donnerstag etwa wurde das Atomkraftwerk Cernavoda in Rumänien komplett vom Netz genommen. Hintergrund seien die "beispiellos" niedrigen Wasserstände in der Donau, wie das Energieministerium mitteilt. Noch nie zuvor habe das einzige Atomkraftwerk des osteuropäischen Landes heruntergefahren werden müssen, heißt es in lokalen Medienberichten. Rumänien ist nicht das einzige Land, das zu solchen Maßnahmen gezwungen ist. Der ungarische Ministerpräsident Péter Magyar sagte ebenfalls am Donnerstag, dass die Abschaltung des Atomkraftwerks Paks bevorstehen könnte. Schon seit einigen Tagen ist einer der vier Reaktoren von Paks abgeschaltet, die Leistung eines zweiten Reaktors wurde auf 50 Prozent gedrosselt. Auch in Ungarn ist dies das erste Mal, dass ein Atomkraftwerk abgeschaltet werden musste. Gas-, Wasser- und Atomkraftwerke betroffen Wie das Fachportal "Montel News" berichtet, mussten in Ungarn auch schon zwei Gaskraftwerke vom Netz genommen werden. Insgesamt wird damit die Stromerzeugungskapazität in Ungarn um 1,25 Gigawatt (GW) reduziert, in Rumänien sind es 1,3 GW. Die ungarischen Strompreise stiegen dadurch auf den höchsten Wert seit dreieinhalb Jahren an. Wie "Montel News" weiter berichtet, könnten Ungarn und Rumänien die Verluste durch zusätzliche Importe aus Bulgarien kompensieren. Das rumänische Energieministerium warnte, dass es durch erhöhte Abhängigkeit von Importen auch zu höheren Preisen kommen könnte. Bei Paks in Ungarn liegt der Wasserstand der Donau nach Angaben der dortigen Wasserwerke 121 Zentimeter unter dem bisherigen Tiefstand. Eine Entspannung ist aber nicht in Sicht: Wettervorhersagen erwarten für Ungarn in den nächsten Tagen weiterhin Temperaturen über 35 Grad, in Rumänien sieht es ähnlich aus. Auch in Oberösterreich muss die Stromproduktion aufgrund des Donaupegels zurückgefahren werden: Mehr als 4.000 Kleinwasserkraftwerke sind betroffen: mit um bis zu 50 Prozent gedrosselter Produktion oder gänzlichem Stopp. Ähnliche Berichte gibt es auch aus Serbien, wo die Stromproduktion des größten Wasserkraftwerks nach Angaben von Reuters um zwei Drittel eingebrochen ist. AKW in Frankreich schalten wegen hoher Flusstemperaturen ab Und in Frankreich, wo die Hitze verheerende Waldbrände und Evakuierungen in Urlaubsgebieten auslöst, müssen ebenfalls Reaktoren vom Netz gehen. Die Atomkraft deckt aktuell aber noch 67 Prozent der französischen Stromversorgung, üblicherweise sind es 70 Prozent. Laut "Montel News" sind folgende Atomkraftwerke entweder von Drosselung oder Abschaltung betroffen: Zwei Reaktoren in St. Alban Ein Reaktor von Tricastin Zwei Reaktoren von Chooz Ein Reaktor von Golfech Bereits bei der vergangenen Hitzewelle mussten die Atomkraftwerke ihre Leistung drosseln. In Frankreich liegt dies weniger an den niedrigen Wasserständen, sondern hauptsächlich an den Temperaturen in den Flüssen. Um zu verhindern, dass die Temperaturen durch das aufgeheizte Kühlwasser der AKW noch weiter steigen, ist der staatliche Betreiber EDF verpflichtet, die Kraftwerkskapazität zu drosseln. Ausnahmen gibt es, wenn die Stromversorgung gefährdet ist. Mitte Juli musste auch ein Gaskraftwerk in Südfrankreich abgeschaltet werden, da das Kühlwasser nicht mehr in den nötigen Mengen verfügbar war. Das war das erste Mal seit 2022. Force Majeure bei Chemieriese Die niedrigen Wasserstände in den europäischen Flüssen haben auch Folgen für den Transport von Öl und Treibstoffen. Laut "Euronews" hat etwa Serbien im Juli nur ein Viertel der geplanten Treibstoffmenge erhalten, weil die Schiffe auf der Donau nicht vollgeladen werden können. Die serbische Regierung hat deshalb angeordnet, die Treibstoffreserven anzuzapfen. Dem Medium zufolge hat der Chemieriese LyondellBasell seine Produktion von Butadien-Produkten am Standort Wesseling drosseln müssen und dies mit Force Majeure (höherer Gewalt) begründet. Butadien ist ein Kohlenwasserstoff, der aus Erdöl gewonnen und zur Herstellung von Kautschuk verwendet wird. "Euronews" zufolge könnte auch der deutsche Konzern BASF zu einem ähnlichen Schritt gezwungen sein, wenn das Niedrigwasser im Rhein weiter anhält.

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