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„Niemand redet darüber“: Fehler vor zehn Jahren enthüllt, warum Deutschland kein Silicon Valley hat

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„Niemand redet darüber“: Fehler vor zehn Jahren enthüllt, warum Deutschland kein Silicon Valley hat

Von: Andreas Apetz

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Deutsche Startups kopieren statt erfinden? Ein viraler Post sorgt für Diskussionen. Was Experten zur Startup-Szene in Deutschland sagen.

Frankfurt – Ein Linkedin-Post sorgt für viel Aufmerksamkeit: Deutschland habe 2014 einen wirtschaftlichen Wendepunkt verpasst, heißt es darin. Der Börsengang von Rocket Internet und Zalando – zwei deutschen Unternehmen – brachte über eine Milliarde Euro in das Startup-Ökosystem. Das beinhalte jedoch kaum innovative Unternehmen, sondern überwiegend Kopien amerikanischer Geschäftsmodelle für den europäischen Markt, heißt es in einem Linkedin-Beitrag von Jungunternehmer Nils Heck.

Er vergleicht es mit dem Verkauf von Paypal an eBay 2002. Damals wurden insgesamt 1,5 Milliarden Dollar an junge PayPal-Aktionäre ausgezahlt. Diese nutzten das Kapital, um Weltkonzerne wie Tesla, SpaceX, Palantir, YouTube oder LinkedIn zu gründen. „Deutschland hat 2014 seinen PayPal-Moment verpasst und niemand redet darüber“, schreibt Heck. Für ihn legt dies eine „unbequeme Wahrheit“ offen: „Deutschland optimiert brillant. Aber wir erfinden nicht.“

Risikoaversion: Automobilexperte sieht Parallelen zur Startup-Szene

Deutschland habe sich kulturell entschieden, lieber als Zweitbester perfekt zu kopieren, statt als Erster riskant zu erfinden, wirft Heck der deutschen Gründerkultur vor. Philipp Raasch, Experte der Automobilindustrie, sieht Parallelen zwischen Startup-Szene und deutscher Wirtschaft: „In den USA bekommen Gründer Geld für eine Idee mit zehn Prozent Überlebenschance. In Deutschland brauchen wir erst den Beweis“, sagt er der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Die Wurzel sei dieselbe: Risikoaversion.

Insgesamt gebe das dem Vorwurf recht, so Raasch. Die dominierenden US-Konzerne Amazon, Google, Tesla und Nvidia seien in den vergangenen 30 Jahren entstanden. „Unsere Weltkonzerne sind 50 bis 100 Jahre alt. SAP als ‚jüngster‘ stammt von 1972“, erklärt Raasch. Seit 20 Jahren habe Deutschland keine neuen digitalen Weltmarktführer geschaffen.

Deutsche Startup-Szene: Experte widerspricht dem Kopier-Vorwurf

Andreas Kuckertz, Professor für Entrepreneurship und Unternehmensgründung, sieht keinen verpassten PayPal-Moment. PayPal sei von Beginn an mit einer Vision gestartet: einem weltweiten Geldsystem. „Große Ambitionen begünstigen große Anschlussprojekte“, erklärt er der Frankfurter Rundschau. Rocket Internet habe nie eine solche Zielsetzung gehabt.

Die deutsche Startup-Szene als Nachahmungskultur zu bezeichnen, greife zu kurz, sagt Kuckertz. Diese Ansicht komme nur zustande, wer ausschließlich die Gründerblase um Rocket Internet betrachte. Im Deep-Tech-Bereich, also bei Technologien aus wissenschaftlicher Forschung, zeige sich echte Innovation: „Dort sieht man sehr klar, dass Deutschland durchaus innoviert und erfindet.“

Fehlendes Kapital bremst Wachstum deutscher Startups

Dennoch gebe es strukturelle und kulturelle Hausaufgaben, sagt Kuckertz. Das eigentliche Problem liege in den Wachstumsambitionen und dem fehlenden Kapital. „Viele Gründerinnen und Gründer begnügen sich damit, den Mittelstand von morgen zu bauen – was respektabel ist, aber oft hinter dem Potenzial bleibt“, sagt er. Gleichzeitig fehlten in der entscheidenden Wachstumsphase die Mittel.

Ein bekanntes Beispiel zeigt jedoch, dass auch Kopieren und Weiterentwickeln zum Weltmarktführer machen kann. „China ist Weltmarktführer in der E-Mobilität geworden, indem sie von Tesla und deutschen Herstellern lernten – und dann schneller waren“, sagt Branchenexperte Raasch. Innovation entstehe auch durch Neu-Zusammensetzung bestehender Ideen, weshalb Kopieren ein valider Startpunkt sei.

Kopieren und Optimieren sei keine Schwäche, sagt auch Kuckertz. „Sie wird erst dann zum Problem, wenn sie die einzige Antwort ist.“ Diesen Punkt habe Deutschland allerdings noch nicht erreicht. (Quellen: Linkedin, eigene Recherche)

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