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„Machen, nicht meckern“: US-General lobt Gigawatt-Fabrik von SMA in Niestetal

Von: Franz Viohl

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Der Solartechnikhersteller SMA hat eine neue Fertigungsanlage gebaut. Aber was genau passiert in dem Werk? Eindrücke von der Eröffnungsfeier.

Bei SMA spricht man, allein schon wegen der internationalen Kunden und Partner, oft Englisch. So auch am Donnerstagnachmittag, als der Solartechnikhersteller im Beisein prominenter Gäste und mit einigem Spektakel seine neue Gigawatt-Fabrik am Sandershäuser Berg eröffnete. Doch dann ist es ein Amerikaner, der den ersten Satz auf Deutsch sagt: „Machen, nicht meckern!“

So fasst General Ben Hodges, der frühere Oberbefehlshaber der US-Landstreitkräfte in Europa, kurz nach vier seine Sicht der Dinge zusammen. Es ist ein Aufruf und ein Lob. Der Aufruf bezieht sich auf das Unterlassen der ziemlich deutschen Eigenart, sich ständig zu beschweren, wofür vielen im Ausland das Verständnis fehlt. Das Lob bezieht sich, natürlich, auf den Gastgeber. Dem hatte der frühere VW-Chef und heutige Aufsichtsratsvorsitzende von Infineon Herbert Diess, der zusammen mit Hodges auf dem Podium saß, Minuten zuvor einen „außerordentlichen Erfolg“ („outstanding success“) bescheinigt.

Im Privatkundenbereich läuft es nicht gut – bei Großanlagen schon

Außerordentlicher Erfolg? Die Wortwahl überrascht mit Blick auf das mäßig laufende Geschäft der Niestetaler im Heimbereich. Nur elf Prozent des Umsatzes entfielen zuletzt auf den Verkauf von Wechselrichtern, die es zur Umwandlung des Solarstroms vom eigenen Hausdach braucht. In der Sparte sind chinesische Anbieter den Nordhessen mit günstigeren Modellen weitgehend enteilt.

Warum Eröffnung erst jetzt?

Die Produktion in der neuen Fabrik läuft bereits seit Ende vergangenen Jahres. Die Schlüsselübergabe erfolgte laut Florian Bechtold, Leiter der Sparte für Großanlagen, im Januar 2025. Danach baute SMA schrittweise die Produktionstechnik auf. Im Dezember 2025 verließ das erste Seriengerät die Halle. Dass die offizielle Einweihung erst jetzt erfolgte, sei Folge von Terminabstimmungen. „Wir hätten die Eröffnung auch sicherlich ein paar Monate früher machen können“, so Bechthold. SMA sei es aber darum gegangen, dass möglichst viele Kunden an der Eröffnung teilnehmen können.

Allerdings sind Wechselrichter auch für den Betrieb von PV-Großanlagen und Solarparks, wie sie etwa in Rothwesten oder Fritzlar stehen, unverzichtbar. Die Geräte steuern zudem die Einspeisung ins Stromnetz und sorgen für Netzstabilität. Das macht SMA, wie am Donnerstag immer wieder zu hören war, zu einem zentralen Akteur der Energiewende in Deutschland.

Strom in Deutschland mit 39 Cent pro Kilowattstunde im EU-Vergleich auf Platz 2 der teuersten Länder

Nach dem Willen der Bundesregierung sollen Erneuerbare bis 2030 etwa 80 Prozent des Strombedarfs decken. In den Worten von Ex-Auto-Manager Diess: „Es ist klar, dass Solarstrom die Energie billiger macht.“ Mit knapp 39 Cent pro Kilowattstunde ist Strom hierzulande teurer als in allen anderen EU-Staaten außer Irland – ein Ärgernis für Verbraucher und Industrie. Vor diesem Hintergrund investiert SMA seit Jahren in die Technik für große Solar- und Energieprojekte. Die neue Gigawatt-Fabrik, deren Name wohl nicht zufällig an Teslas Giga Factories erinnert, gilt als „eine der bedeutendsten Produktionsinvestitionen in der Geschichte des Unternehmens“.

Wie sieht es im Werk aus, und was wird dort gemacht? Auf den ersten Blick wirkt alles wie eine ganz normale Fabrik – mit gelben Streifen auf dem Hallenboden, Industriekränen in der Höhe, umzäunten Produktionsstraßen. Auf den zweiten Blick fällt die Sauberkeit auf: Statt Öl und Rauch dominieren Kabel und Bildschirme. Die Dachkonstruktion besteht, für einen Industriebetrieb untypisch, aus Holzträgern. Und wo „eigentlich die Leute“ seien, will ein Journalist bei der Werkstour wissen. „Für das heutige Event durften sie zu Hause bleiben“, erklärt Produktionsleiter Christoph Zapf.

Wer kein Physikfan ist, für den bleibt weißer Kasten Black Box

Dann bleibt er vor vier überdimensionalen Kästen stehen, jeder davon etwa 1,50 bis zwei Meter breit und 2,50 bis drei Meter hoch. In ihnen stecken unterschiedliche Module, die es für Großanlagen braucht und die Namen wie Sunny Central Flex oder Power Conversion Unit tragen. Auch wenn die Kästen weiß sind – wer kein Elektroingenieur oder Physikfan ist, für den bleiben sie eher eine Blackbox.

Wobei sich Zapf und sein Kollege Florian Bechtold, der Chef der Großanlagensparte, bei ihren Erläuterungen auf Englisch sichtlich um Klarheit bemühen. Es fallen Ausdrücke wie „breites Großanlagen-Portfolio unter einem Dach“, die Rede ist von Hybridstationen, die Solar- oder Gaskraftwerke mit Batterien verbinden. Mit Blick auf die maßgeschneiderte Auslieferung der Technik an die Kunden sagt Bechtold: „Jedes Produkt ist anders.“

Was ist das Produkt? Vereinfacht gesagt: ein 40 Fuß langer Schiffscontainer, in dem sich mehrere der weißen Kästen befinden, die je nach Bedarf Strom umwandeln, speichern oder im Fall eines Stromausfalls sogar als eigenes Netz fungieren. Am Ende der Produktion wartet am Hallentor ein Kran, der den Container auf einen Lkw verlädt.

Das sind die Standorte von SMA

SMA ist mit mehreren Standorten in der Region vertreten. In Niestetal befinden sich der SMA‑Campus in der Sandershäuser Straße mit Elektronikfertigung, SMA Solar Academy sowie mehreren Büro- und Testgebäuden und der Standort am Sandershäuser Berg mit der Gigawatt Factory und der bisherigen Produktionshalle an der Autobahn. Die Logistik von SMA ist in der Rudolf-Diesel-Straße in Fuldabrück angesiedelt.

Zurück zur Eröffnungsparty, auf der SMA-Finanzvorstand Kaveh Rouhi den Weg der Firma seit 1981 nachzeichnet. „Vor 45 Jahren war die Frage, ob erneuerbare Energien überhaupt funktionieren. Die Antwort haben wir gegeben.“ Szenenapplaus. Dann sagt Rouhi: „Heute ist die Frage, wie wir sicherstellen, dass die Energie zur Verfügung steht, wann immer sie gebraucht wird.“ Ein Teil der Antwort, das zumindest legt der erneute Applaus nahe, ist die neue Fabrik in Niestetal.

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