Nikotinkonsum bei Jugendlichen erhöht das Risiko für Angst und Depression
Startseite Welt Nikotinkonsum bei Jugendlichen erhöht das Risiko für Angst und Depression Uns auf Google folgen In drei schwedischen Studien zeigte sich der Zusammenhang sowohl für klassische Tabakprodukte als auch für nikotinhaltige, tabakfreie Produkte wie Beutel und E‑Zigaretten. Nikotin ist ein Neurotoxin mit stimulierender Wirkung und gehört zu den wichtigsten Faktoren, die für die Abhängigkeit vom Rauchen verantwortlich sind. Jugendliche, die Nikotin konsumieren, haben eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit, Symptome von Angst, Depression und anderen psychischen Problemen zu entwickeln als gleichaltrige Nicht-Rauchende. Und Mädchen scheinen dabei besonders verletzlich zu sein. Das zeigen die Ergebnisse von drei Studien der Universität Göteborg in Schweden. Content-Partnerschaft Dieser Artikel von Laura Cuppini entstand in Kooperation mit Corriere della Sera. Die Frage ist von größter Bedeutung, denn in Europa rauchen 40 % der Jugendlichen (Daten der Weltgesundheitsorganisation). In Italien rauchen oder dampfen 7,5 % der Schülerinnen und Schüler im Alter von 11 bis 13 Jahren, 37,4 % der 14- bis 17-Jährigen und 70 % der Jugendlichen an weiterführenden Schulen kombinieren mindestens zwei verschiedene Produkte, wie der jüngste Bericht des Istituto Superiore di Sanità zeigt. Der erste Kontakt mit Nikotin erfolgt in der Regel im Alter zwischen 13 und 14 Jahren. Frühes Rauchen verursacht Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, beeinträchtigt die spätere reproduktive Gesundheit und wirkt sich auf die Gehirnentwicklung aus, was das psychische Gleichgewicht im Erwachsenenalter beeinflussen kann. Generell gilt, und das betrifft auch Erwachsene: Für jede Woche, in der geraucht wird, verliert die rauchende Person einen Lebenstag, weil sich die Schäden mit der Zeit aufsummieren. Schwedische Studien zeigen starke psychische Belastung bei rauchenden Mädchen In einer Studie der Universität Göteborg mit fast 3.000 schwedischen Schülerinnen und Schülern an weiterführenden Schulen berichteten fast 80 % der Mädchen, die Nikotin konsumierten, klinisch relevante Angstsymptome. Der Zusammenhang zeigte sich sowohl für traditionelle Tabakprodukte als auch für tabakfreie Nikotinprodukte wie Nikotinbeutel und E‑Zigaretten. Damit rücken Produkte in den Fokus, die häufig als vermeintlich weniger schädlich wahrgenommen werden, deren Risiken für die psychische Gesundheit aber unterschätzt werden. Die Forschenden verfolgten außerdem 1.500 Jugendliche in Südschweden von der unteren Sekundarstufe bis zur Oberstufe. Depressive Symptome und Suizidgedanken waren bei rauchenden Jugendlichen häufiger. Mädchen, die ihren Tabakkonsum im Laufe der Zeit steigerten, hatten zudem eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit, eine Verschlechterung von Schlafproblemen, Angst, Traurigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten zu entwickeln. Mädchen besonders gefährdet durch Nikotinbeutel und hohe Dosen „Wir beobachten deutliche Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen: Rauchende Mädchen scheinen besonders verletzlich zu sein“, sagt Johanna Andersson, Ärztin an der Universität Göteborg und Mitautorin der drei Studien. „Außerdem müssen wir besser verstehen, wie Nikotinbeutel die psychische Gesundheit beeinflussen, insbesondere bei Mädchen, da die Nutzung dieser Produkte rasch zunimmt.“ Die geschlechtsspezifischen Effekte legen nahe, dass Präventionskampagnen gezielt an Mädchen adressiert werden sollten. Diese Beutel enthalten keinen Tabak, sondern nur Nikotin, Aromen und chemische Stoffe. Der Inhalt wird freigesetzt, indem der Beutel 30 bis 60 Minuten lang zwischen Lippe und Zahnfleisch gehalten wird. Selbstverständlich können sie auch an Orten verwendet werden, an denen Rauchverbote gelten. Die Sorge von Fachleuten rührt daher, dass die Menge an Nikotin in den Beuteln deutlich höher sein kann als in Zigaretten und es gerade für sehr junge Nutzerinnen und Nutzer leicht ist, eine übermäßige Dosis aufzunehmen. Langfristige Veränderungen im Gehirn durch Nikotin In einer weiteren Studie, die an Tieren durchgeführt und in der Fachzeitschrift Neuropharmacology veröffentlicht wurde, stellten die schwedischen Forschenden fest, dass Nikotin einen Effekt auf die Amygdala hat, eine Hirnregion, die eine Schlüsselrolle bei der Emotionsregulation und bei Stressreaktionen spielt. Auch hier waren die Effekte bei weiblichen Ratten stärker ausgeprägt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beobachteten, dass Nikotin die Kommunikation zwischen Nervenzellen verändern und dauerhafte Veränderungen in der Gehirnaktivität hervorrufen kann, die auch dann bestehen bleiben, wenn die Substanz bereits aus dem Körper ausgeschieden ist. „Eines der wichtigsten Ergebnisse ist, dass wir in Studien, die unterschiedliche Datentypen verwenden, ähnliche Muster beobachten. Allerdings sind wir noch nicht in der Lage, einen eindeutigen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang herzustellen. Tierstudien zeigen biologische Veränderungen im Gehirn, die zu einer stärkeren Anfälligkeit für Angst und Stress beitragen könnten“, erklärt Louise Adermark, Dozentin an der Universität Göteborg und Mitautorin der drei Studien.