Nord-Stream-Prozess in Hamburg gestartet: Angeklagter schweigt
Stand: 14.10.2026 15:51 Uhr
Großer Andrang am Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg: Dort hat am Mittwochvormittag der Prozess gegen den 50-jährigen Ukrainer Serhii K. begonnen. Er soll für die Sprengung der Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee Ende September 2022 verantwortlich sein. Die Anklage lautet unter anderem auf Kriegsverbrechen.
Im Anzug und mit millimeterkurz geschorenen Haaren betrat Serhii K. den Gerichtssaal. Er salutierte kurz in Richtung Zuschauerraum, lächelte freundlich zur Richterbank. Mit weißen Kopfhörern und gelegentlichem Kopfschütteln lauschte er dann der ukrainischen Übersetzerin bei der Anklageverlesung der Bundesanwaltschaft.
Angeklagter soll Sabotage-Team angeführt haben
Diese wirft dem 50-Jährigen vor, 2022 ein Sabotage-Team angeführt zu haben, dass die Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee gesprengt hat – und zwar im Auftrag der ukrainischen Streitkräfte. Ob das ein Kriegsverbrechen oder womöglich eine legitime Kriegshandlung war, ist eine der Fragen, die das Gericht klären muss.
Ein Anwalt des Angeklagten bezeichnete die gesprengten Pipelines als eine finanzielle, militärische und politische Waffe Russlands, weil die Erlöse in den Haushalt des Staates flossen, der einen Angriffskrieg führt.
"Mit verbundenen Händen verteidigen"
Serhii K. wird sich im Prozess nicht äußern. Weil er als Offizier des ukrainischen Militärs keine Aussagegenehmigung habe, müsse er sich "mit verbundenen Händen verteidigen", heißt es von seinen Anwälten.
150 Journalisten zum Start dabei
Rund 150 Medienvertreter aus vielen Ländern hatten sich für den Prozess angemeldet - auch aus der Ukraine, den USA, Russland und China. Vor dem Gericht demonstrierte die ukrainische Bürgerinitiative "Vilni Hamburg" ihre Solidarität mit dem Angeklagten. Russland sei der wahre Kriegsverbrecher, so der Tenor.
Herzchen aus dem Zuschauerraum
Zum Ende des ersten Prozesstags salutierte der Angeklagte noch einmal mit Blick in den Zuschauerraum. Von dort aus warfen ihm mehrere Frauen Herzchen zu. Männer reckten drei Finger in die Höhe, Symbol des Dreizacks, der auf dem ukrainischen Wappen abgebildet ist. Einer hielt die geballte Faust in die Höhe. Der Angeklagte lächelte, sichtlich erfreut über diese Grüße. Der Prozess wird Ende Oktober fortgesetzt.