Nördliche Schifffahrtsroute: China baut Schiffsrouten durch Arktis aus
Eis-Seidenstraße "Die Arktis wird chinesisch" Von t-online, pri Aktualisiert am 14.08.2026 - 14:33 UhrLesedauer: 3 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! China nutzt die eisfreie Arktis für neue Schifffahrtsrouten und die Verwirklichung geostrategischer Ambitionen. Vor allem mit einem Land im hohen Norden blüht der Handel. Die extreme Dürre und die Hitze lähmen die Schifffahrt auf Rhein und Donau. Sie ermöglichen in den Sommermonaten in anderen Weltgegenden aber auch völlig neue Schifffahrtswege. Die chinesische Reederei Sea Legend startete diese Woche mit einer neuen regulären Passage vom chinesischen Hafen in Ningbo in den britischen Port von Felixstowe. Doch statt der rund vierzig Tage dauernden Fahrt über das von den Huthi-Rebellen im Jemen bedrohte Rote Meer wählt Sea Legend für seine Frachter künftig eine andere Route: nordwärts durch die im Sommer eisfreie Arktis. So ist die Fahrt in knapp zwanzig Tagen zu schaffen. Doch geht es bei dem neuen Seeweg um mehr als Logistik und Transportwege. Die Arktis ist Teil eines geostrategischen Spiels, wie der Griff von US-Präsident Donald Trump nach Grönland zeigt. Von einer "Eis-Seidenstraße" spricht die chinesische Reederei Sea Legend. Die Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) sieht in einer Studie "Chinas arktische Wende". Und die russische Agentur RIA Novosti titelte schon vor zwei Jahren: "Die Arktis wird chinesisch." Das norwegische Schifffahrtsinstitut Centre for High North Logistics (CHNL) nennt für das vergangene Jahr Zahlen. Von Ende Juni bis November 2025 passierten demnach 103 Handelsschiffe die Arktis, gut sechs Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Mehrzahl der Frachter kam aus China. "Bemerkenswert ist, dass es im Jahr 2025 eine echte Transitwelle von China nach Großbritannien gab", halten die norwegischen Schiffsbeobachter fest. Die Stiftung Wissenschaft und Politik nennt Chinas Ambitionen in der Arktis "eine wichtige Komponente, um eine maritime Großmacht zu werden". "Globale Ambitionen testen" Von der Nördlichen Seeroute (NSR) sprechen Fachleute. Schon im Vorjahr schickte die Volksrepublik einen Frachter in Rekordzeit durch die Arktis. China flankiert die Offensive auf dem Nordmeer diplomatisch und baut seine Vertretungen in den nördlichen Ländern wie Island kräftig aus. Schon vor gut zehn Jahren war China als Beobachter zum Arktischen Rat gestoßen, einem zwischenstaatliches Forum mit Sitz mit im norwegischen Tromsø, das sich um einen Interessenausgleich in der Region bemüht. "Peking sieht die Arktis als geopolitisch wichtigen Raum, der langfristig an Bedeutung gewinnt. Dort kann Peking ähnlich wie im Pazifik seine globalen Ambitionen und die Akzeptanz neuer Normen testen", so die SWP in ihrer Analyse. Das dänische Schifffahrtsunternehmen Maersk schickte 2018 als erste Reederei einen Frachter durch die Arktis. Doch hält sich der Konzern ähnlich wie andere europäische Unternehmen zurück. Zum einen geht es um Rücksicht auf das sensible Ökosystem im hohen Norden, aber auch um ein schwieriges Navigieren zwischen Eisbergen und Einschränkungen beim Ortungssystem GPS. Andere Länder wie China preschen vor. Rahul Khanna, Schifffahrtsexperte beim Versicherer Allianz, sagte der "Financial Times": "Es ist ein deutlicher Anstieg des Schiffsverkehrs durch die Arktis und über die Nördliche Seeroute zu verzeichnen. Schiffe und Reedereien sehen darin inzwischen vor allem eine Chance, erheblich Zeit und Kosten zu sparen." Aber auch, "geopolitische Engpässe und Konfliktzonen zu umgehen", so Khanna. Putin und Xi rücken zusammen Noch ein Staat nimmt die nördliche Route ins Visier: Russland. Für die Schattenflotte des russischen Staatschefs Wladimir Putin bietet die Arktisroute die Möglichkeit, lästigen Kontrollen durch EU-Anrainerstaaten in der Ostsee zu entgehen. Daten der norwegischen Forschungseinrichtung CHNL für den US-Sender CNN zeigen zudem eine starke Zunahme der Schiffsverbindungen zwischen Russland und China über die nördliche Route seit Beginn des Ukraine-Kriegs 2022. Vor allem Frachter mit russischem LNG nehmen den Weg nach China. Xi und Putin rücken zusammen. Westliche Sanktionen lassen sich so einfach umgehen. Neben Sea Legend setzt auch die chinesische Reederei New New Shipping auf die Arktispassage. Das Unternehmen wurde erst nach Putins Invasion in der Ukraine gegründet. Sein Frachtschiff "New New Polar Bear" bringt laut CNN chinesische Waren nach Russland und nimmt auf dem Rückweg russische Rohstoffe an Bord. Kjell Stokvik, Chef des Logistik-Zentrums CHNL in Norwegen, sagte CNN: "China und Russland sind derzeit die Einzigen, die diese Route tatsächlich nutzen – sie betrachten dies ganz klar als Teil ihrer engen Zusammenarbeit." Die Stiftung Wissenschaft und Politik bilanziert mit Blick auf Putins Invasion in der Ukraine und neue Handelswege: "China ist einer der wenigen Nutznießer des Krieges. Dieser lässt Russland in seiner Junior-Rolle weiter schrumpfen. Und weiter: "Im Streben nach mehr Macht hat Putin sein Land geschwächt. Nun kann China im Austausch für die Unterstützung des Krieges Öl und Gas günstiger erwerben, sich besseren Zugang zu Bodenschätzen verschaffen und sensible russische Militärtechnologie aneignen."