Norwegen beschlagnahmt russisches Forschungsschiff "Professor Moltschanow"
Auf Bitten der Ukraine
Norwegen beschlagnahmt russisches Forschungsschiff
Von dpa
Aktualisiert am 03.09.2026 - 16:51 UhrLesedauer: 2 Min.
Norwegische Behörden halten das russische Schiff "Professor Moltschanow" fest. Es geht um Entschädigungsforderungen eines ukrainischen Unternehmens.
Auf der Inselgruppe Spitzbergen ist ein russisches Schiff von norwegischen Behörden beschlagnahmt worden. Der Vorgang erfolgte demnach auf einen Antrag des staatlichen ukrainischen Energiekonzerns Naftogaz, wie die Behörden in Spitzbergen mitteilten. Hintergrund ist ein früherer Beschluss eines Schiedsgerichts, der Russland zu Entschädigungszahlungen verpflichtet hatte.
Den Angaben nach wurde das für arktische Verhältnisse ausgelegte Forschungs- und Expeditionsschiff "Professor Moltschanow" am Mittwoch auf Anordnung eines Gerichts beschlagnahmt und liegt nun bis auf weiteres im Hafen. "Der rechtliche Prozess und das Urteil sind Teil des Kampfes des Unternehmens um die Rückforderung von Geldern, die 2014 von Russland enteignet wurden", heißt es in der Mitteilung.
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Moskau: Entführung ist besserer Begriff
Gemeinsam mit dem Bergbauunternehmen Trust Arktikugol werde man sich um die Besatzung und Passagiere des kommerziellen Schiffs kümmern, sagte der oberste Beamte von Spitzbergen, der sogenannte Sysselmester Lars Fause, dem Sender NRK.
Nach Angaben von Naftogaz geht es um Vermögenswerte auf der von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim, die infolge der russischen Annexion 2014 enteignet wurden. Das Unternehmen besaß dort etwa große Vermögenswerte im Öl- und Gassektor. Die Beschlagnahmung sei angeordnet worden, um ausstehende finanzielle Verpflichtungen Moskaus durchzusetzen. Hintergrund ist eine Entscheidung eines Schiedsgerichts aus dem Jahr 2023. Dieses hatte Naftogaz für enteignete Vermögenswerte auf der Krim rund 4,2 Milliarden US-Dollar (etwa 3,6 Milliarden Euro) zugesprochen.
Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, sagte der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge, dass Entführung der bessere Begriff für das Vorgehen sei. Man sehe nun ein Gesamtbild dessen, was passiere. Sie warf dem Westen vor, Piraterie legalisiert zu haben.
Später forderte Russland von Norwegen die "sofortige Freigabe" des beschlagnahmten russischen Schiffs. Die Beschlagnahme der "Professor Moltschanow" sei ein "politisch motivierter Verstoß gegen das Völkerrecht", erklärte die russische Botschaft in Norwegen am Donnerstag gegenüber AFP. Sie kündigte Rechtsmittel gegen die Maßnahme an.