Notstand in Kolumbien nach Erdbeben - 600 Patienten auf Straße behandelt
Nach dem schwersten Erdbeben in Kolumbien seit Jahrzehnten haben Rettungskräfte am Dienstag die Suche nach Überlebenden fortgesetzt. Bei dem Beben der Stärke 7,4 im Kaffeedreieck im Westen des Landes kamen am Montag mindestens 132 Menschen ums Leben. Mindestens 1.600 Wohnhäuser wurden beschädigt, 61 stürzten ein. Es wird befürchtet, dass die Zahl der Opfer weiter steigt. Einsatzkräfte, Soldaten und Freiwillige suchten die ganze Nacht hindurch in den Trümmern eingestürzter Häuser nach Verschütteten. In den besonders betroffenen Städten Cali und Pereira wurden nächtliche Ausgangssperren verhängt. In der 2,2-Millionen-Metropole Cali starben nach offiziellen Angaben mindestens 85 Menschen. Auch Teile eines Krankenhauses waren eingestürzt. Rund 600 Patienten mussten auf der Straße behandelt werden, wie der Krankenhausdirektor Irne Torres Castro dem Fernsehsender Caracol erklärte. Die 43-jährige freiwillige Helferin Carmen Yasmin Garcia sagte, ihre Gruppe habe sieben Menschen aus einem eingestürzten Gebäude gerettet. Vier weitere Verschüttete und ein Hund seien jedoch noch vermisst. In Pereira, der Hauptstadt der Provinz Risaralda, meldeten die Behörden 66 Tote. Ein von der Nachrichtenagentur Reuters verifiziertes Video in den sozialen Netzwerken zeigte, wie das Terminal des dortigen Flughafens während des Bebens heftig schwankte und Deckenteile herabstürzten. In der ländlichen Provinz Chocó nahe dem Epizentrum waren 13 Todesopfer zu beklagen. Der vor wenigen Tagen ins Amt getretene Präsident Abelardo De La Espriella kündigte den Notstand an, außerdem teilte er mit, dass 1000 Sicherheitskräfte nach Cali entdendet würden, nachdem Berichte über Plünderungen laut geworden waren. Beim Schutz der Bevölkerung und der Solidarität gebe es keine ideologischen Unterschiede, sagte er vor Journalisten. Die Katastrophe weckt Erinnerungen an ein schweres Erdbeben in derselben Region im Jahr 1999, bei dem mehr als 1000 Menschen starben. Zudem wurden Parallelen zu den verheerenden Erdbeben im benachbarten Venezuela im Juni gezogen, bei denen mehr als 6300 Menschen ihr Leben verloren. US-Außenminister Marco Rubio sagte Kolumbien schnelle und unbürokratische Hilfe zu. Erst vor wenigen Wochen hatte ein verheerendes Erdbeben das Nachbarland Venezuela erschüttert. Dabei kamen nach offiziellen Angaben mindestens 6.000 Menschen ums Leben. Experten schätzten die Sachschäden auf mehrere Milliarden Euro.