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NRW: Größte Razzia seit Jahren gegen Hells Angels und Geldwäscher

Allgemein

In NRW läuft aktuell eine große Durchsuchungsaktion. Der Schwerpunkt soll im Ruhrgebiet liegen. „Seit den frühen Morgenstunden findet unter Leitung des Polizeipräsidiums Duisburg ein Großeinsatz in ganz Nordrhein-Westfalen statt“, bestätigte eine Sprecherin der Duisburger Polizei unserer Redaktion.

„Das ist der größte Schlag gegen die Organisierte Kriminalität seit mehreren Jahren. Mehr als 1000 Einsatzkräfte, mehrere Länder, mehrere Millionen Euro gesichert – das ist eine Hausnummer“, sagt NRW-Innenminister Herbert Reul. Viel wichtiger sei aber, was dieser Fall zeige, so Reul. „Organisierte Kriminalität ist nicht nur die Kutte auf der Straße. Dahinter steckt ein Firmengeflecht aus Firmen und Immobilien, das schmutziges Geld sauber aussehen lässt. Genau dieses System nehmen wir auseinander. Ich sage es seit Jahren: Wer die Organisierte Kriminalität treffen will, muss ans Geld.“ Denn Geld sei ihr Antrieb und ihre Achillesferse. „Wenn der Staat sich die Beute zurückholt, tut das mehr weh als jede Hausdurchsuchung.“

Das Ermittlungsverfahren richtet sich gegen Angehörige einer kriminellen Vereinigung und Verantwortliche eines bundes- und europaweit tätigen Geldwäsche-Netzwerkes. Dabei handelt es sich um die Rockergruppierung Hells Angels. Die Sachleitung des Einsatzes liegt bei der Staatsanwaltschaft Duisburg und dem Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität in NRW. „Die Ermittlungen unserer Steuerfahndung sind oftmals der erste Ansatz, um das Dunkelfeld Organisierter Kriminalität zu erhellen und deren Strukturen zu zerschlagen. Das unterstreicht die entscheidende Rolle des Landesamtes zur Bekämpfung der Finanzkriminalität als Teil eines wirksamen Kampfes gegen verbrecherische Parallelwelten“, sagte NRW-Finanzminister Marcus Optendrenk, und weiter: „Wir werden diese in Nordrhein-Westfalen nicht dulden und gehen gemeinsam mit Polizei und Justiz gegen sie vor.“

Nach Informationen unserer Redaktion aus Sicherheitskreisen werden rund 140 Objekte durchsucht. Die Sprecherin der Duisburger Polizei erklärte, dass die Durchsuchungen nicht nur in NRW, sondern auch noch in vier weiteren Bundesländern sowie im europäischen Ausland stattfinden – darunter im Nachbarland Niederlande.

Insgesamt wurden laut Polizei 14 Haftbefehle und Vermögensarreste in einer Gesamthöhe von rund 48,6 Millionen Euro vollstreckt. Reul: „Dieser Erfolg ist kein Zufall. Er ist das Ergebnis von jahrelanger fleißiger Polizeiarbeit, und dafür danke ich allen Beteiligten. Und an alle, die sich angesprochen fühlen: Wir sind noch lange nicht fertig. Wir bleiben dran.“

Der Hintergrund der heutigen Großrazzia gegen die kriminellen Rocker soll nach Informationen unserer Redaktion aus Sicherheitskreisen vier Jahre zurückliegen. Damals hatte es im Duisburger Norden auf dem Altmarkt in Hamborn mitten in der Öffentlichkeit eine Schießerei gegeben.

Nach Informationen aus Sicherheitskreisen wurde in dem Zusammenhang vor zwei Jahren bei der Staatsanwaltschaft Duisburg ein Verfahren gegen drei Mitglieder der Hells Angels in Duisburg eröffnet. Dabei soll es sich um Personen aus dem Führungskreis der kriminellen Gruppierung handeln, denen die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen wird. Sie und zwölf weitere Beschuldigte sollen unter anderem massiv in Schutzgeld-Erpressungen verstrickt sein. Mit den gewonnenen Geldern aus den kriminellen Aktivitäten sollen vor allem Immobilien gekauft worden sein.

Die Ermittlungsverfahren richten sich gegen insgesamt 71 Beschuldigte. „Ihnen werden insbesondere die Bildung einer kriminellen Vereinigung, räuberische und gewerbsmäßige Erpressung, banden- und gewerbsmäßiger Betrug und gewerbsmäßige Geldwäsche vorgeworfen. Daneben wird wegen Waffendelikten, Körperverletzung und Verstößen gegen die Abgabenordnung (Steuerhinterziehung) ermittelt“, so die Polizei Duisburg.

„Der Fall verdeutlicht exemplarisch die Verflechtung krimineller Gruppierungen im Bereich der Organisierten Kriminalität und der internationalen Wirtschaftskriminalität“, so die Duisburger Polizei. „Nach den bisherigen Ermittlungsergebnissen bedienen sich dabei Verantwortliche zahlreicher juristischer Personen der Strukturen anderer krimineller Vereinigungen der Organisierten Kriminalität und nutzen diese zur Begehung von Betrugsdelikten und der Geldwäsche“, erklärt die Duisburger Polizei – und weiter: „Durch professionelle Verschleierungshandlungen werden dabei erhebliche Geldbeträge einem künstlichen Wirtschaftskreislauf zugeführt und durch Straftaten erlangtes Vermögen unter anderem in Firmen und Grundbesitz investiert.“

Erst am Dienstagmorgen hatte es unter Beteiligung des Landesamtes zur Bekämpfung der Finanzkriminalität eine europaweite Großrazzia mit Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen gegen eine mutmaßliche Betrügerbande gegeben. Die Gruppe soll seit 2017 rund eine Million gefälschte oder manipulierte Handys als Neuware verkauft und dabei einen Umsatz von mindestens 300 Millionen Euro erzielt haben.

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