NRW: Waldbrand nur noch 10 Meter von Ort entfernt – 1800 Menschen evakuiert, Bundeswehr
Audioplayer wird geladen Anzeige Ein großer Waldbrand bedroht die Gemeinde Hürtgenwald im nordrhein-westfälischen Kreis Düren. Gut 1800 Menschen mussten deshalb ihre Häuser im Ortsteil Gey verlassen. Die Gemeinde spricht von einer „Großschadenslage“. In der Nacht war das Feuer nach Angaben einer Polizeisprecherin zunächst noch etwa 500 Meter von der Ortschaft entfernt. Nachdem sich der Wind gedreht hatte, fraß es sich immer näher an die Siedlung heran und machte die Evakuierung unausweichlich. Die Ursache des Waldbrands ist noch nicht bekannt. Anzeige Nach Angaben der „Bild“-Zeitung betrug der Abstand zwischen den verlassenen Häusern in Gey und den Flammen am späten Vormittag nur noch zehn Meter. Der Dürener Landrat Ralf Nolten (CDU) sagte dem WDR, es seien aktuell keine Menschen in Gefahr. Weitere Evakuierungen seien derzeit nicht nötig. Anzeige Die nächsten Stunden gelten als entscheidend für den Erfolg der schwierigen Brandbekämpfung. Im NRW-Landwirtschaftsministerium lief am Vormittag nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa in Düsseldorf eine Krisensitzung mit Fachleuten. Lesen Sie auch Aufgrund der akuten Trockenheit kommt es derzeit an mehreren Orten in Nordrhein-Westfalen zu Waldbränden. Die Minister für Inneres und für Landwirtschaft, Herbert Reul und Silke Gorißen (beide CDU), appellierten eindringlich an die Bevölkerung, Wälder derzeit nicht zu betreten. „Brände können sich rasant schnell ausbreiten und Fluchtwege abschneiden“, mahnten sie. „Wenn wir in Gey gelöscht haben, kommt es auf die nächsten Stunden an, ob wir die Hauptglutnester erkennen und auch ablöschen können“, sagte Landrat Nolten. Im Laufe des Nachmittags sei wegen der steigenden Temperaturen mit einer Thermik zu rechnen, die die Feuer wieder anfachen könne. „Die Zeit bis Mittag ist für uns die entscheidende.“ Nach wie vor gilt: Menschen sollen die Bereiche Kleinhau, Gey und die L25 meiden. Die B399, die entlang des betroffenen Waldstücks verläuft, ist zudem für den Verkehr gesperrt. Die Bewohner mehrerer Stadtteile Dürens sollen sofort geschlossene Räume aufsuchen. Wegen des Brands im Hürtgenwald komme es zu Rauchniederschlag, teilte der Kreis Düren mit. Gesundheitliche Beeinträchtigungen könnten nicht ausgeschlossen werden. Die Aufforderung gilt für die Stadtteile Gürzenich, Derichsweiler, Rölsdorf, Birgel, Lendersdorf, Konzendorf, Echtz, Mariaweiler, Merken und Berzbuir. „Bitte begeben Sie sich in dem betroffenen Bereich sofort in geschlossene Räume“, forderte der Kreis auf. Hubschrauber im Einsatz Rund 200 Einsatzkräfte kämpfen gegen den Waldbrand. Fünf Hubschrauber aus mehreren Bundesländern sind im Einsatz. Zudem werden zwei Löschhubschrauber eingesetzt. Dazu seien zunächst zwei Maschinen vom Typ NH-90 von Faßberg in Niedersachsen gestartet, sagte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums in Berlin. Die Transporthubschrauber sind mit einem sogenannten Bambi Bucket bestückt, einem faltbaren Löschwasser-Außenlastbehälter für Hubschrauber. Mit jedem einzelnen Flug können damit 2000 Liter Löschwasser abgelassen werden. Feuerwehrleute versuchen zu verhindern, dass die Flammen den Ort erreichen. Ein Pressesprecher der Polizei bestätigt dem WDR, dass ein Panzer der Bundeswehr die Wege für Einsatzkräfte im Wald freiräumt. Zudem seien vier NRW-Wasserwerfer mit je zehntausend Litern Fassungsvermögen auf dem Weg zum Einsatzort, teilte das Polizeipräsidium Köln am Vormittag mit. Hürtgenwald liegt im Westen Nordrhein-Westfalens nahe der belgischen Grenze und hat knapp 9.000 Einwohner. Weltkriegsmunition macht den Einsatz hochgefährlich Die Löscharbeiten werden durch Weltkriegsmunition auf dem Gelände erschwert. „Das Gelände ist doch sehr schwierig und durch die hohe Munitionsbelastung können wir auch keine einzelnen Feuerwehrleute mit Löschrucksäcken reinschicken“, sagte Landrat Nolten. Im Laufe der Nacht sei auf dem Brandgelände bereits Munition hochgegangen. Der Hürtgenwald war 1944 und 1945 Schauplatz schwerer Kämpfe zwischen deutschen und US-amerikanischen Truppen. Bis heute werden in der Region Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Wegen starker Rauchentwicklung und Ascheregens mussten am Vormittag zwei Notunterkünfte für betroffene Anwohner geräumt und verlegt werden. Verletzte wurden bislang nicht gemeldet. Hinweis: Dieser Artikel wird laufend aktualisiert. saha/ll/jho mit dpa/AFP