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Nürburgring-Knall: ADAC Nordrhein macht eigene Nordschleifen-Rennserie!

Sport

(Motorsport-Total.com) - Das sportpolitische Geplänkel, das seit 2023 am Nürburgring herrscht, erreicht einen neuen Höhepunkt: Der ADAC Nordrhein verkündet die Gründung der ADAC 24h Nürburgring Serie, die nach dem Reglement des 24-Stunden-Rennens auf dem Nürburgring - und damit in Konkurrenz zur Nürburgring-Langstrecken-Serie (NLS) - fünf Veranstaltungen mit sechs Rennen in der Saison 2027 veranstalten wird. Es wird dabei neben den bereits bestehenden 24h-Qualifiers einen weiteren Termin im Vorfeld des 24-Stunden-Rennens geben, den sogenannten 24h-Prolog. Das Rennen findet samstags statt. Nach dem 24-Stunden-Rennen gibt es zwei Termine im Rahmen bestehender historischer Rennen: Eifelrennen und 1.000-Kilometer-Rennen. Beide gehören zur DHLM, einer historischen Nordschleifen-Serie, die eng mit dem ADAC Nordrhein zusammenarbeitet. Der Kalender sieht folgendermaßen aus: 2./3. April 2027 (Freitag/Samstag)*: 24h Nürburgring Prolog 30. April - 2. Mai 2027 (Freitag - Sonntag): 24h Nürburgring Qualifiers 27.-30. Mai 2027 (Donnerstag - Sonntag): 24h Nürburgring 30. Juli/1. August 2027 (Freitag - Sonntag)*: Eifelrennen 10.-12. September 2027 (Freitag - Sonntag)*: 1000 km Rennen *Termin noch vorläufig Gefahren wird auf der 25,378 Kilometer langen "24h-Variante" aus Nürburgring-Grand-Prix-Kurs und der Nordschleife. Spätfolgen des Rechtsstreits VLN vs. Nürburgring Die große Frage lautet natürlich: Warum begibt sich ein ADAC-Regionalverein, der noch 2024 die NLS mit vor dem Aus bewahrte, nun in Konkurrenz zu jenem Produkt? Und was bedeutet das für die NLS? Nach Informationen von Motorsport-Total.com geht es in erster Linie einmal darum, dass sich der ADAC Nordrhein Termine sichert für den Fall, dass ein zweiter Veranstalter ein 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring veranstalten möchte. Hier müssen wir zurück ins Jahr 2023 schauen, als es zu einem großen Showdown zwischen dem NLS-Veranstalter VLN und dem Nürburgring-Besitzer NR Holding kam, die sich vor Gericht gegenüberstanden. Nach einer krachenden erstinstanzlichen Niederlage im Eilverfahren im September 2023 ging die NR Holding in Berufung. Am 4. Januar 2024 wurde ein Urteil gesprochen, in dem alle Rennserien diskriminierungsfrei gleichbehandelt werden mussten. Damals gab es für die Saison 2024 fünf Termine für die NLS und ebenfalls fünf für die Nürburgring-Endurance-Serie (NES), die gemeinschaftlich vom Nürburgring und dem AvD veranstaltet werden sollte. Die NES kam nie zustande, doch das Urteil stand erst einmal. Das Hauptverfahren läuft bis heute und kann sich theoretisch noch jahrzehntelang bis zum Europäischen Gerichtshof ziehen. Der ADAC Nordrhein möchte nun - auch, nachdem der Nürburgring in einer E-Mail darauf aufmerksam gemacht haben soll - sein Revier verteidigen. Denn: Sollte irgendjemand von Rang und Namen ein eigenes 24-Stunden-Rennen auf der Nordschleife veranstalten wollen, liefe der ADAC Nordrhein Gefahr, das Rennen nur noch alle zwei, vielleicht sogar nur noch alle drei Jahre ausrichten zu können, weil nach dem Urteil vom 4. Januar einem zweiten (und dritten) Veranstalter Termine im gleichen Umfang zur Verfügung gestellt werden müssten. Ein solcher Veranstalter ist zwar derzeit nicht in Sicht, doch der ADAC Nordrhein möchte sich durch die neue Serie schon einmal Termine sichern. Es handelt sich um eine präemptive Maßnahme. ADAC Nordrhein am Ziel, doch wird die Serie angenommen? Allerdings ist es ebenfalls Fakt, dass der ADAC Nordrhein schon seit ganz langer Zeit davon träumt, eine eigene Rennserie um das 24-Stunden-Rennen herum aufzubauen, ohne die oft langwierigen und bürokratischen Entscheidungsprozesse innerhalb der VLN Sport. (Wir berichteten im Jahr 2017 darüber, die Planungen reichen aber noch wesentlich weiter zurück) Dass es sich nicht um eine spontane Reaktion handelt, zeigt bereits die Tatsache, dass sich der ADAC Nordrhein aus der NLS-Rettungsallianz, die aus den ADAC-Regionalvereinen Nordrhein, Mittelrhein und Westfalen bestanden hatte, schon vor der NLS-Saison 2026 zurückgezogen hat. Somit stehen sich 2027 erneut zwei Langstreckenserien am Nürburgring gegenüber. Diesmal ist es keine offene Feindschaft wie noch 2024, sondern eine bizarre Situation, in der ein eigentlich der NLS freundlich gesinnter Akteur (beide Seiten arbeiten gerade auf Reglementsseite eng miteinander zusammen) sich trotzdem in Konkurrenz zur NLS begibt, die maßgeblich von zwei anderen ADAC-Regionalvereinen (Mittelrhein und Westfalen) getragen wird. Noch bleibt abzuwarten, wie die Teilnehmer reagieren werden. Denn nach mehr Langstreckenrennen auf der Nordschleife hat in wirtschaftlich schwierigen Zeiten eigentlich niemand gerufen. Die NES musste 2024 einen Boykott von Teilnehmern und Sportwarten hinnehmen. Der ADAC Nordrhein verfügt als Veranstalter des 24-Stunden-Rennens allerdings eine ganz andere Machthebel. Gleichzeitig muss die NLS weiterhin jedes Jahr um eine Bürgschaft kämpfen, um Termine für die folgende Saison bei der Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG zu bekommen und kann sich nicht mehr auf einen finanzstarken Partner stützen. Die Zukunft des Sports auf der Nürburgring-Nordschleife ist damit abermals Spielball politischer Auseinandersetzungen.

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