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Nvidia-Chef: Jensen Huang hält klassische Rechenkünste für überflüssig und hat ein Problem mit seiner Postleitzahl

Technologie

In einem Interview der New York Times ging es unter anderem um eine Frage, die seit dem Boom von KI-Tools regelmäßig auftaucht: Was passiert mit grundlegenden Fähigkeiten, wenn Software das Denken abnimmt? Nvidia-Chef Jensen Huang scheint sich keine allzu großen Sorgen zu machen.

Der Interviewer konfrontierte Huang zunächst mit einer Studie aus China. Dort nutzten viele Kinder KI, um Hausaufgaben schneller zu erledigen. Das Problem: Die eigentlichen Lerninhalte blieben nicht im Kopf und die Leistungen bei Tests fielen ab. Huang wollte dem nicht widersprechen, sieht in der Entwicklung aber auch kein Drama.

„Basic Math wird vergessen“ – Huang sieht darin kein Problem

Huang gegenüber der New York Times: „Versuche mal, ein Kind dazu zu bringen, eine lange Division durchzuführen. Das Einmaleins beginnt man zu vergessen. Quadratwurzeln ziehen, mein Gott. Grundlegende Mathematik wird in Vergessenheit geraten. Ist das wichtig?“ Seine persönliche Einschätzung: „Ich glaube nicht, dass es darauf ankommt.“

Als der Interviewer einwarf, dass es doch Fähigkeiten geben müsse, die zählen, widersprach Huang nicht grundsätzlich. Er zweifelte aber daran, dass ausgerechnet die klassischen Rechenkünste dazugehören. Der Mensch werde stattdessen „neue entdecken“, nur eben vielleicht nicht diese.

Viele Fähigkeiten seien schlicht verzichtbar. Und um seinen Standpunkt zu untermauern, brachte Huang ein persönliches Beispiel: „Mein erstes Geständnis: Ich kenne tatsächlich meine Adresse [wohl Postleitzahl gemeint] nicht.“

Als der Interviewer Zweifel anmeldete, legte der Nvidia-Chef nach: „Eines Tages musste ich tanken, das ist ein paar Jahre her. Sie wollten meine Postleitzahl und ich geriet in Panik. Ich kannte meine Postleitzahl nicht. Ich kenne nicht einmal meine Telefonnummer. Ich vergesse solche Dinge und kann damit leben.“

Bessere Systemdenker dank KI?

Der Interviewer hakte weiter nach. Nicht jede Fähigkeit lasse sich gefahrlos auslagern. Kreatives Denken, Flexibilität und Konzentration seien wertvoll und könnten nicht beliebig eingetauscht werden. Huang räumte daraufhin ein, dass ein Teil der „feineren intellektuellen Beweglichkeit“ verloren gehen könnte. Im Gegenzug würden die Menschen aber zu besseren „Systemdenkern“.

Dafür hatte der Nvidia-Chef ein Beispiel parat: Die heutigen Ingenieure seien deutlich bessere Systemdenker, als er es nach dem Studium gewesen sei. Dafür habe er selbst damals mehr vom Denken auf Transistor-Ebene verstanden, also von den kleinsten Bausteinen der Technik, mit denen sich heute kaum noch jemand im Detail befasst.

Also alles halb so wild? Bei Huangs Aussagen sollte berücksichtigt werden, dass Nvidia einer der zentralen Zulieferer für die Hardware ist, auf der die meisten KI-Systeme laufen. Grafikprozessoren und Rechenzentren des Konzerns bilden das technische Rückgrat vieler großer KI‑Dienste. Ein anhaltendes Wachstum der KI-Branche liegt damit im Interesse des Unternehmens und seines Chefs.

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