Obersalzberg: Kehlsteinhaus abgebrannt - Mann festgenommen
Nach Informationen der Bild-Zeitung und der Nachrichtenagentur dpa handelt es sich um einen Motorradfahrer, der der Polizei auf dem Weg zum Einsatzort entgegenkam. Eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd bestätigte die Festnahme, wollte jedoch keine weiteren Angaben machen. Aus Ermittlerkreisen hieß es allerdings, es gebe deutliche Hinweise, dass der Mann den Brand gelegt habe, erfuhr die dpa. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte der dpa, dass der Festgenommene aus der Region komme. Er sei verletzt worden und befinde sich im Krankenhaus.
Gegen 21.15 Uhr hatte der Brandalarm des Kehlsteinhauses ausgelöst. Die Meldung war in der Integrierten Leitstelle im circa 50 Kilometer entfernten Traunstein eingegangen. Um 21.52 Uhr waren die ersten Rettungskräfte eingetroffen, teilte das Polizeipräsidium Oberbayern Süd mit. Bereits auf dem Weg hätten diese „deutlich sichtbare Flammen im Kehlsteinhaus wahrnehmen“ können.
Die Anfahrt zum Kehlsteinhaus mit den Löschzügen gestaltete sich wegen der Lage des Gebäudes schwierig. Zudem konnten das nähere Umfeld der Gaststätte sowie das Gebäude selbst nur mir schwerer Atemschutzausstattung betreten werden. Auf dem Obersalzberg liegt bereits Schnee.
Von Verletzten geht die Polizei nicht aus. Nach bisherigen Erkenntnissen habe sich niemand im Kehlsteinhaus aufgehalten, hieß es. Allerdings konnte das Areal auch am Morgen nur mit schwerem Atemschutz betreten werden, was die Suche erschwerte. Das Lokal war am Freitag geschlossen.
Im Einsatz waren etwa 200 Rettungs- und Einsatzkräfte von Feuerwehren aus sechs Gemeinden, Kreisbrandinspektion, Bayerischem Roten Kreuz, Bergwacht sowie Polizei.
Die Kriminalpolizei Traunstein habe die Ermittlungen übernommen, teilt die Polizei Oberbayern mit, die Staatsanwaltschaft sei eingeschaltet. Dies sei bei Bränden dieser Größenordnung ein übliches Prozedere. Am Samstagnachmittag um 14 Uhr wollen die Behörden in Berchtesgaden bei einer Pressekonferenz nähere Einzelheiten bekanntgeben.
Auch Innenminister Herrmann wird dort erwartet. Am Rande des CSU-Parteitags kündigte er den Willen an, das Kehlsteinhaus wiederaufzubauen. „Wir werden da kaum eine Ruine stehen lassen können“, sagte er der dpa. Das Haus gehört dem Freistaat Bayern in der Zuständigkeit von Herrmanns Ministerium. Die Berchtesgadener Landesstiftung hat das Nießbrauchsrecht übertragen bekommen.
Das Kehlsteinhaus gehört zu den bekanntesten Ausflugszielen der Region. Laut Internetseite des Zweckverbandes Bergerlebnis Berchtesgaden sollte das Kehlsteinhaus – auch „Eagle’s Nest“ (Adlerhorst) genannt – in dieser Saison noch bis zum 8. November geöffnet sein.
Das Gebäude auf 1834 Metern Höhe ist seit 1952 eine Berggaststätte. Es wurde 1938 fertiggestellt und befand sich in einem abgeriegelten und für die Öffentlichkeit gesperrten Wohn- und Regierungsareal der nationalsozialistischen Führung. Eine Ausstellung dort widmet sich der Geschichte des Gebäudes.
Nach dem Brand wurde das Areal weiträumig abgesperrt. Der Gasthof ist „bis auf Weiteres“ geschlossen, wie auf der Homepage mitgeteilt wird. Nicht betroffen von den Auswirkungen des Brandes ist das NS-Dokumentationszentrum am Obersalzberg.