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Oetinger-Tochter Weitendorf: "Ich war die erste Pippi-Leserin"

Unterhaltung

Stand: 11.07.2026 13:07 Uhr Innige Briefe wechselte die Familie Oetinger mit Astrid Lindgren aus, verbrachte vergnügliche Stunden mit ihr, nachdem der Hamburger Verlag die Pippi-Geschichten als erster in Deutschland verlegte. von Dorothea Voscherau Mitte der 40er-Jahre schreibt eine Schwedin ihr erstes Kinderbuch. Ungefähr zur selben Zeit gründet in Hamburg jemand einen Verlag. Wenig später kreuzen sich ihre Wege. Und Friedrich Oetinger ist sofort angetan von Astrid Lindgren und dem besonderen Mädchen mit den roten Zöpfen. "Pippi Landstrumpf" wird zum Welterfolg Fünf deutsche Verlage sagten Lindgren ab Seine Frau, Heidi Oetinger, die den Verlag mit aufbaute, erinnert sich im Mai 1995 im NDR Fernsehen: "Mein Mann erbat eine Option auf Pippi Langstrumpf. Die gab Frau Lindgren ihm auch gerne, aber sie sagte eben dabei, dass doch bereits fünf deutsche Verleger das Buch abgelehnt hätten und dass es wohl kaum etwas für Deutschland sei." Viele Eltern finden Pippi tatsächlich zu frech, zu vorlaut, zu selbstbewusst. Kinder aber lieben sie genau dafür umso mehr. Das Buch wird ein Welterfolg und der erste Meilenstein in der heute 80-jährigen Verlagsgeschichte. Silke Weitendorf hat all das von Anfang an miterlebt. Sie ist die Stieftochter des Verlagsgründers, spätere Geschäftsführerin und damals acht Jahre alt. Fanpost der achtjährigen Silke "Ich war ja die allererste Pippi-Langstrumpf-Leserin in Deutschland. Ich habe schon den Text lesen können, bevor er als gedrucktes Buch vorlag. Ich war eine begeisterte Pippi-Leserin", erzählt Silke Weitendorf. Also schreibt sie der Autorin einen Brief: Liebe Frau Lindgren, das Pippi-Buch gefällt mir so gut, dass ich es schon mehrere Male gelesen habe. Auch meiner Freundin gefällt es gut. Jetzt hat Mutti mir den 2. Band von Pippi mitgebracht, der mir noch besser gefällt. Mit herzlichen Grüßen, Ihre Silke Brief der damals achtjährigen Silke Weitendorf an Astrid Lindgren Nach und nach ziehen immer mehr geliebte Lindgren-Figuren ins Verlagshaus ein. Und aus der reinen Geschäftsbeziehung zwischen dem Ehepaar und der Schriftstellerin wächst eine enge Freundschaft. Mit Friedrich teilt Lindgren die Leidenschaft für die Natur, mit Heidi für Gedichte und Volkslieder. Innige Freundschaft zwischen Heidi Oetinger und Astrid Lindgren "Es wurden viele Briefe geschrieben, es wurden lange Briefe geschrieben", erzählt Weitendorf. Da sei es ganz viel um Privates gegangen. Die beiden Frauen hätten einander Freud und Leid mitgeteilt. "Genauso wie sie sehr viel gemeinsam am Telefon gesungen haben. Das kann man sich gar nicht vorstellen. Wenn Astrid bei uns zuhause war: Sie war so ein musikalischer Mensch, sie hat immer gesungen oder geträllert." Wenn Astrid Lindgren in Hamburg ist, wohnt sie bei den Oetingers. Die Verbundenheit mit Heidi und Friedrich schwappt über auf die ganze Familie. "Ihr war es sehr wichtig zu ergründen, wie ein junger Mensch denkt", erinnert sich Weitendorf. Die meisten Leute fragten Kinder nach der Schule und ob man da gut zurecht komme. "Aber Astrid wollte wissen: Bist du ein glückliches Kind und welche Gedanken hast du?" Es ist wohl ein Teil des Erfolgsrezepts von Astrid Lindgren: Kinder ernst zu nehmen und ihnen auf Augenhöhe zu begegnen. Oetinger Verlag verdankt Lindgren sein Überleben Im Laufe der Jahrzehnte hebt die Familie noch viele weitere literarische Schätze wie die von Cornelia Funke, Paul Maar oder Erich Kästner. Doch die Verlagstüren geöffnet hat eben: Pippi. "Ohne Astrid Lindgrens Bücher wäre es sicherlich undenkbar gewesen, dass der Verlag überlebt hätte. Letztendlich haben wir auch in unserer Todesanzeige, als Lindgren 2002 verstarb, geschrieben: 'Wir verdanken ihr alles und so ist es letztendlich geblieben'", erzählt die Oetinger-Stieftochter.

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