Ohne Ozempic: Heidi Klum wird in Amerika gefeiert - in Deutschland herrscht Skepsis
In ihrer Wahlheimat Amerika ist Heidi Klum gerade mal wieder superpräsent. Der Grund: Einige Aussagen von ihr in einem Interview mit US Weekly machen auf Social Media die Runde – und sorgen für Gesprächsstoff. Kurz vor dem Start der neuen Staffel von „Project Runway“ spricht die 53-Jährige über den grassierenden Schönheits- und Abnehmwahn in Hollywood. Sie sagt, sie habe den Size-Zero-Hype noch nie verstanden: „Mit Size Zero existiert man doch gar nicht.“ Zu Beginn ihrer Modelkarriere habe die Branche nicht viel mit ihr anfangen können, erinnert sich Klum: „Ich bekam nicht viele Jobs, weil ich eine sportliche Figur hatte – große Oberweite, breite Hüften – und viel lächelte. Positivität war damals nicht angesagt.“ Mit dem Cover der Sports Illustrated und auf dem Laufsteg von Victoria’s Secret schaffte Klum dennoch den Durchbruch, ist bis heute als Model und Moderatorin erfolgreich. Mehr auf den Rippen: Tom Kaulitz hat Klum überzeugt An Abnehmspritzen wie Ozempic, die in Hollywood gerade sehr angesagt sind, ist Klum überhaupt nicht interessiert: Sie habe über die Jahre zugenommen, trage keine Jeansgröße 24 mehr. „Aber ich finde, mit zunehmendem Alter sieht man besser aus, wenn man nicht mehr so dünn ist. Mein Mann hat mich als Erster darauf aufmerksam gemacht.“ Tom Kaulitz habe zu ihr gesagt: „Du solltest mehr essen; du würdest besser aussehen, wenn du etwas mehr auf den Rippen hättest.“ Sie sei zunächst total perplex gewesen, so etwas sage einem in der Branche nie jemand, weil man immer dünner sein solle als man sei. Doch wenn sie sich alte Fotos ansehe, müsse sie ihrem Mann rechtgeben: „Von den Proportionen her sehe ich mit etwas mehr Gewicht besser aus.“ In den US-Medien werden die Statements von Klum gefeiert. „Heidi Klum lehnt Hollywoods Besessenheit vom Abnehmen ab“, heißt es beim Nachrichtensender Fox News auf Instagram, sie stelle sich gegen den allgemeinen Magerwahn. In den Kommentaren gibt es Applaus und Zustimmung. Sie sehe gesund und großartig aus, heißt es. Eine Userin schreibt, diese Einstellung sei gut für Heidi Klum: „Sie hat wahrscheinlich zu lange als Superhunger-Supermodel gelebt.“ Eine andere meint: „Ladys, esst und genießt euer Essen. Das Leben ist zu kurz.“ Immer wieder liest man Kommentare wie diese: „Gut für sie! Lasst uns gesund sein, nicht dünn.“ Bei GNTM gab es noch Bodyshaming Auch in Deutschland wird Klums Look diskutiert, hier melden sich allerdings auch Skeptiker zu Wort. Zum gleichen Thema heißt es in hiesigen Kommentarspalten: „Wenn es einen plötzlich selber betrifft, heißt es Body Positivity. Wäre sie mal so offen gewesen zu allen Frauen, die sie aufgrund ihrer Figur kritisiert hat.“ Oder: „Naja, das Problem ist ja nicht die Gewichtszunahme, sondern konträr dazu wie sie Frauen bei GNTM geshamed hat. Eine öffentliche Entschuldigung gab es meines Wissens nach nie.“ Klums Format „Germany’s Next Topmodel“ stand besonders in den Anfangsjahren immer wieder wegen unrealistischer Schönheitsideale und Bodyshamings in der Kritik. Kandidatinnen wurden von Klum und ihren Juroren in die Mangel genommen, wenn sie Pommes aßen und zugelegt hatten. Seit ein paar Jahren bemüht sich die Moderatorin um mehr Diversität, öffnete die Show für alle Konfektionsgrößen, Altersklassen und Körpergrößen. Curvy-Models sind seitdem fester Bestandteil der Sendung. Kritiker bemängeln, dass die Vielfalt oft inszeniert wirke, um Quote zu machen. Es werde Diversität zur Schau gestellt, ohne dass sich die Strukturen grundlegend änderten. Klum indes hat sich damals den Strukturen geschickt entzogen: Weil seinerzeit in Europa sehr dünne Models gefragt waren, zog sie 1993 in die Vereinigten Staaten, wo sie seither lebt. In den USA wird Heidi Klum inzwischen vor allem als erfolgreiche Geschäftsfrau und Popkultur-Phänomen wahrgenommen. Während „Germany’s Next Topmodel“ in Deutschland als ihr wichtigstes Zugpferd gilt, fokussiert sich die amerikanische Wahrnehmung auf andere globale Projekte, ihre legendären Halloween-Partys und ihre Ehe. Lesen Sie mehr zum Thema