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Ökonom sagt Russland Niederlage voraus – und wird prompt entlassen

Nation

In Moskau hat der prominente Ökonom Andrej Klepatsch Russland in seinem Abnutzungskrieg gegen die Ukraine eine Niederlage vorhergesagt und nun seinen Job verloren. Das Staatsunternehmen VEB.RF, Russlands führende Institution für wirtschaftliche Entwicklung, habe seinen Chefökonomen entlassen, berichteten mehrere russische Medien am Sonntagabend. Russlands Staatsmedium TASS vermeldete, dass Klepatsch „nicht mehr VEB.RF-Chefökonom ist. Sein Nachfolger wurde bereits nominiert“. Klepatsch war zuvor mit Äußerungen zitiert worden, nach denen es für Russland unmöglich sei, den Abnutzungskrieg gegen die Ukraine zu gewinnen. Er zeigte sich auch überzeugt, dass Russland auf eine Krise zusteuere. Klepatsch: Russland werde den Kürzeren ziehen Die Zeitung „The Moscow Times“ hatte über einen Vortrag von Klepatsch in einem Club der Moskauer Börse berichtet, in dem der Ökonom bereits am 21. Mai der Ukraine ein wirtschaftliches Überleben bescheinigt hatte. „In diesem Abnutzungskrieg werden wir den Wettbewerb nicht gewinnen. Wir geben uns der Illusion hin, dass dort alles zusammenbrechen wird. Es ist nicht zusammengebrochen und wird auch nicht zusammenbrechen“, zitierte die Zeitung Klepatsch. Russlands Kosten hingegen stiegen, das Land werde „sowohl im technologischen als auch im wirtschaftlichen Wettbewerb weltweit“ den Kürzeren ziehen. Klepatsch sagte laut „Moscow Times“: „Wir fallen zurück. Dabei habe ich schon mehrfach gesagt, dass wir den Wettbewerb nicht nur gegen China und die USA verlieren, sondern in manchen Bereichen auch gegen die Ukraine. Natürlich ist die Wirtschaft der Ukraine zum Teil zerstört, es herrscht eine demografische Katastrophe. Aber noch einmal: Die ukrainische Wirtschaft hält trotz allem durch.“ Der Ökonom betonte, dass im anhaltenden Konflikt mit der Ukraine „noch kein Ende in Sicht“ sei. Stattdessen würden beide Seiten die Intensität ihrer Angriffe aktuell noch verstärken, was sich auch auf die Wirtschaft des jeweils anderen auswirke: „Die Verluste durch die Angriffe der ukrainischen Streitkräfte auf unsere Infrastruktur entwickeln sich bereits zu einem spürbaren makroökonomischen Wachstumshemmnis für die russische Wirtschaft.“ Er ergänzte: „Ich glaube, dass Russland nicht auseinanderfallen wird, aber ich bin mir fast sicher, dass wir in eine soziale Krise geraten werden.“ Moskau beteuert: Alles unter Kontrolle Die Aussagen sind deshalb brisant, weil der Machtapparat und die Staatskonzerne stets behaupteten, dass die Lage trotz aller Probleme unter Kontrolle sei. Kremlchef Wladimir Putin, der die Invasion in die Ukraine im Februar 2022 befohlen hatte, betont immer wieder, dass Russland siegen werde. Bisher ist aber nicht in Sicht, dass der Präsident seine Kriegsziele erreicht. In Russland nehmen vielmehr täglich die wirtschaftlichen Probleme zu. Medien: Klepatsch nach „Anruf von oben“ entlassen Der 67 Jahre alte Klepatsch gehört zu den renommiertesten Wirtschaftsexperten in Russland. Er arbeitete seit zwölf Jahren für die vom Westen mit Sanktionen belegte VEB, vormals die russische Staatsbank für Außenwirtschaft. Das unabhängige Portal „The Bell“ berichtete unter Berufung auf zwei Vertraute von Klepatsch, dass VEB.RF-Chef Igor Schuwalow den Ökonomen nach einem „Anruf von oben“ – also aus dem Kreml – entlassen habe. Demnach hänge die Kündigung mit Klepatschs Rede vom Mai zusammen. Schuwalow ist früherer Vizeregierungschef und ein Vertrauter Putins. Der Chefökonom bestätigte dem Magazin „Forbes“ seine Entlassung, nannte demnach aber keine Gründe. Die Wirtschaftsexpertin vom Carnegie-Zentrum in Berlin, Alexandra Prokopenko, berichtete als Autorin für „The Bell“: „Die Prognosen von Klepatsch basierten auf einer realistischen Einschätzung der Lage und nicht auf dem Wunsch, jemandem zu gefallen. Sie fielen oftmals düsterer aus als die offiziellen Zahlen.“

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