DAX +0,18 % 25.864,62 Pkt 18:00:00 MDAX +0,89 % 30.743,36 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 -0,51 % 6.144,56 Pkt 18:00:00 Dow Jones +0,03 % 51.786,72 Pkt 22:34:56 S&P 500 -0,15 % 7.568,92 Pkt 22:30:13 Nasdaq -0,26 % 25.372,01 Pkt 23:15:59 Nikkei -2,42 % 61.556,45 Pkt 02:29:00 Gold -0,18 % 3.962,40 USD 02:33:59 Silber -1,45 % 49,99 USD 02:33:59 Brent -0,92 % 103,81 USD 02:33:59 WTI -0,51 % 95,97 USD 02:33:59 Bitcoin -0,65 % 76.835,46 USD 02:43:57 EUR/USD +0,64 % 1,12640 USD 02:43:28 EUR/GBP +0,13 % 0,83570 GBP 02:43:58 EUR/CHF +0,02 % 0,91630 CHF 02:44:00 EUR/JPY +0,56 % 177,699 JPY 02:44:00

Ölkatastrophe ruiniert Irans Küstenregion

Welt

Die Kamera zeigt ein Schild mit der Aufschrift «Niststrand der Echten Karettschildkröte», die von der Weltnaturschutzorganisation (IUCN) als vom Aussterben bedrohte Meeresschildkröte eingestuft wird. Dann schwenkt die Kamera zum Strand: Eine dicke schwarze Schicht bedeckt den goldenen Sand, und statt blaue See sieht man schwarzes, öliges Wasser. Während das Rauschen der Wellen zu hören ist, kommentiert ein Mann die Aufnahmen: «Das ist Qeshm. Die Ölverschmutzung hat den Strand bedeckt.»

Keyhan ist einer der Inselbewohner von Qeshm im Süden Irans. Er hat die Bilder auf Instagram veröffentlicht. Hier vergraben normalerweise Dutzende Karettschildkröten ihre Eier, aus denen Hunderte von Jungschildkröten schlüpfen und Richtung Meer krabbeln.

In den letzten Wochen haben die Angriffe der Revolutionswächter, der Eliteeinheit der iranischen Streitkräfte, auf Öltanker und Massengutfrachter in der Strasse von Hormuz sowie Angriffe des amerikanischen Militärs auf iranische Öltanker im Persischen Golf dazu geführt, dass mehrere grosse Schiffe gesunken sind oder Schäden davongetragen haben.

Die Ölverschmutzungen haben die Inseln Qeshm und Hengam kontaminiert, die Ölteppiche breiten sich aber auf weitere Gebiete aus. Diese Woche berichtete die Umweltbehörde der Provinz Hormozgan von schweren Verschmutzungen entlang der Küsten von Bandar Abbas, Minab, Sirik und sogar der Insel Hormuz, die weltweit für ihre rote Erde bekannt ist.

Sajjad, der seit mehr als zehn Jahren Tauchausflüge rund um die Inseln Hengam, Qeshm und Hormuz organisiert, beschreibt die Situation als «den Beginn einer grossen Katastrophe». An einigen Abschnitten der Küste wurde das Schwimmen verboten, und er fährt fort: «Schwimmen und Tauchen in manchen Gebieten ist, als stiege man in ein Fass Öl. Sogar Teile der Korallenriffe, die die Hauptziele der Tauchausflüge sind, sowie die Mangroven sind verschmutzt worden.»

Mangroven sind Schutzgebiete und gelten als eines der wertvollsten Küstenökosysteme Irans. Khalou Ahmad, der auf der Insel Hengam lebt und vor dem Krieg Touristen mit dem Boot in die Mangroven brachte, sagt: «Im Gebiet Naqasheh auf der Insel Qeshm, wo die Ölverschmutzung vorgedrungen ist, hat sich aufgrund der Gezeiten eine Ölschicht auf den Blättern und Stämmen der Mangrovenbäume abgelagert.»

Omid Sedghi, Generaldirektor für Meeresverschmutzung im Umweltministerium, sagte vergangene Woche in einem Interview auf der Website des Ministeriums, dass etwa 33 000 Quadratmeter der Küsten der Inseln Qeshm und Hengam verschmutzt seien. Ausgelaufenes Öl sei dort in einigen Gebieten bis zu einer Tiefe von zwanzig Zentimetern eingedrungen. Einen umfassenden Überblick über die Schäden gibt es jedoch nicht. Die Umweltorganisation Greenpeace berichtet diese Woche auf ihrer Website, dass fünf grosse Ölteppiche in der Strasse von Hormuz die Küsten Irans und Omans bedrohten.

In den vergangenen Wochen hat das iranische Umweltministerium mithilfe der lokalen Bevölkerung Massnahmen zur Beseitigung der Ölverschmutzung entlang der Küsten eingeleitet. Allerdings fehlt es an angemessener Ausrüstung, um das Wasser zu reinigen.

Mohsen, einer der Anwohner, der eine Woche lang an den Aufräumarbeiten entlang der Küsten von Qeshm teilgenommen hat, sagt: «Mit unserer Arbeit hätten wir vielleicht einen Pool reinigen können, nicht jedoch das Meer. Jeden Tag gingen wir ab sieben Uhr morgens mit Bündeln von ölbindenden Pads, die wie grosse Rollen Toilettenpapier aussahen, an die verschmutzte Küste. Wir warfen sie ins Wasser und sammelten sie mit Rechen ein, nachdem sie schwarz geworden waren. Aber das Ausmass der Verschmutzung war zu gross.»

Auch Hamid, ein Umweltexperte, kritisiert die Methoden zur Beseitigung der Ölverschmutzung. Er erklärt gegenüber der «NZZ am Sonntag»: «Die Einsatzteams sollten zunächst den Bereich um die Ölschicht absichern und deren Ausbreitung verhindern und dann moderne Ausrüstung einsetzen, um das Öl zu entfernen.» Aus seiner Sicht werden die Folgen der Ölverschmutzung noch Monate oder sogar Jahre andauern.

Die Umweltfolgen des Iran-Krieges gefährden auch viele Arbeitsplätze an der südlichen Küste. Jasem, der auf der Insel Hormuz eine Öko-Lodge betreibt und seit Kriegsbeginn keine Gäste mehr hat, sagt: «Die Insel ist weitgehend menschenleer. Die meisten Öko-Lodges, Hotels und Restaurants haben geschlossen. Auf Teilen der Insel sind Soldaten der Revolutionswächter stationiert. Die Atmosphäre auf der Insel war vor einigen Monaten noch fröhlich, überall waren Menschen. Jetzt ist sie militarisiert.»

Jasem hatte gehofft, dass der Krieg bald enden und die Besucher wieder zurückkehren würden. Doch die Ölteppiche nehmen ihm die Hoffnung: «Niemand will an einem ölverschmutzten Strand Ferien machen. Auch wenn nun der Krieg vorbei wäre.»

Mit der Ausbreitung der Ölverschmutzung wachsen auch die Bedenken wegen des Verzehrs von Fisch und Garnelen, die in diesen Gebieten gefangen und gezüchtet werden. Ein Grossteil des Fischbestands und der Garnelen in Iran kommt aus der Region Hormozgan.

Am Donnerstag brachte der staatliche iranische Sender Khabar Network einen Bericht über die umfangreichen Schäden, die die Ölverschmutzung an Garnelenzuchtanlagen in der Stadt Sirik verursacht hat. Einer der Züchter erklärte dabei in einem Interview: «Die Ölverschmutzung hat den Hauptkanal der Garnelenzuchtanlagen erreicht, und es ist nicht möglich, das Wasser zu wechseln. Die gesamte diesjährige Ernte ist verloren.»

Kapitän Ali, ein 55-jähriger Fischer, der auf der Insel Hengam lebt, berichtet der «NZZ am Sonntag» zudem: «Wegen des Krieges fischen die meisten in Küstennähe, doch da sind jetzt Ölteppiche.» Er wolle keinen verseuchten Fisch verkaufen, sagt er. Sollten sich die Ölteppiche weiter ausbreiten, wäre das für ihn existenzgefährdend.

Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren