Ölpreise warten auf US-Sanktionsplan
Nach dem ruhigen Vormittag drehten die Ölpreise im Verlauf des Donnerstags nach oben und erreichten den höchsten Stand in diesem Monat. Washington will am Montag offenlegen, wie es den Iran wirtschaftlich isolieren will, und fordert von seinen Verbündeten eine klare Entscheidung. Gleichzeitig hat sich der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus binnen eines Tages halbiert. Mit den festen Börsenvorgaben ziehen auch die Heizölpreise wieder etwas an. Im Durchschnitt sind es rund 0,7 Cent bzw. Rappen je Liter. An den Börsen läuft die Bewegung am Freitagmorgen auseinander, nachdem die Kurse am Donnerstagnachmittag noch zugelegt hatten. Brent, das Nordseeöl, notiert bei 93,42 US-Dollar je Barrel und hält damit sein erhöhtes Niveau. Die US-Sorte WTI fällt dagegen deutlich auf 86,33 US-Dollar. Der Gasölkontrakt an der Londoner Warenterminbörse ICE, an dem der Heizölpreis hängt, gibt leicht auf 1.287,00 US-Dollar je Tonne nach. Beim Rohöl nehmen einige Marktteilnehmer nach dem Lauf der vergangenen Tage Gewinne mit. Die Details zum wirtschaftlichen Druck auf Teheran folgen am Montag. US-Finanzminister Scott Bessent kündigte für diesen Tag eine Pressekonferenz an und stellte die härtesten Sanktionen der Geschichte in Aussicht. Verbündete müssten sich entscheiden, ob sie auf der Seite der USA stünden oder dagegen. Ob auch Maßnahmen gegen China dabei sind, ließ er offen. Peking ist der wichtigste Abnehmer iranischen Öls und rief die Konfliktparteien erneut zu einer diplomatischen Lösung auf, Sanktionen und Druck lösten das Problem nicht. Irans Außenministerium bezeichnete die Ankündigung als Wirtschaftsterrorismus. Auf dem Wasser hat sich die Lage weiter zugespitzt. Nach Daten des Analysehauses Kpler passierten am Donnerstag nur noch sieben Frachter die Meerenge. Große Rohöl- oder Flüssiggastanker waren nicht darunter. Der Rückgang folgt auf die wachsenden Sicherheitsbedenken der Reeder. Das amerikanische Regionalkommando meldete zugleich, seit Beginn der Seeblockade 67 Handelsschiffe umgeleitet, drei manövrierunfähig gemacht und zwei geentert zu haben. Katar mahnte, der internationale Seeverkehr dürfe nicht als Geisel genommen und nicht zum Mittel politischer Erpressung werden. Beim Gasöl wirkt ein zweiter Strang. Die Ukraine hat erneut mehrere große russische Raffinerien getroffen, was die Herstellung von Diesel und Heizöl beeinträchtigt. Die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz meldete zudem Drohnenangriffe auf eine Aramco-Anlage im saudischen Nadschran, eine Bestätigung aus Riad steht aus. In den USA zog die Nachfrage nach Destillaten nach einer kurzen Pause wieder an, während die amerikanischen Ausfuhren deutlich nachließen. Beides hält den Markt für Mitteldestillate eng, auch wenn der Kontrakt heute leicht nachgibt. In Deutschland steigen die Heizölpreise weiter. Der bundesweite Schnitt liegt bei 1,34 Euro je Liter. Der gestrige Anstieg am Gasölmarkt wirkt damit in den Verbraucherpreisen nach, denn der Kontrakt hatte kurz vor Handelsschluss in Europa noch ein neues Tageshoch markiert. Der festere Euro dämpft die Bewegung, kehrt sie aber nicht um. Damit nähert sich der Liter wieder dem Monatshoch von Mitte der Woche. In Österreich klettert der Liter auf 1,63 Euro. Die Schweiz folgt der Richtung und liegt bei 1,41 Franken je Liter. In beiden Ländern bleibt das Niveau deutlich über den Tiefständen aus dem Juli.