Ölreserven gegen hohe Preise: Experten dämpfen die Hoffnung
Berlin/Köln – Autofahrer hoffen auf Entlastung, Millionen Haushalte fürchten die nächste Heizöl-Rechnung: Der Iran-Krieg und die angespannte Lage in der Straße von Hormus halten die Energiepreise hoch. Die G7-Staaten wollen mit der Freigabe von Öl- und Dieselreserven gegensteuern. Experten bremsen jedoch die Erwartungen.
Nach Einschätzung der IW-Ökonomin Samina Sultan hilft die Reserve-Freigabe nur begrenzt. „Es kann eine Weile lang etwas abfedern, aber die grundlegende Problematik bleibt weiterhin bestehen“, sagt die Expertin vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW).
Hintergrund: Durch die Krise in der Straße von Hormus werden nicht nur Ölexporte gebremst. Auch wichtige Raffinerien sind vom Weltmarkt abgeschnitten. Immerhin gaben die Spritpreise zuletzt etwas nach. Laut der Vergleichs-App „Tankerkönig“ kostete Super E10 am Samstag im Bundesschnitt rund 2,10 Euro pro Liter, Diesel 2,21 Euro.
Deutschland und die übrigen G7-Staaten wollen über vier Monate insgesamt 100 Millionen Barrel Rohöl und Diesel aus bereits beschlossenen Reserven auf den Markt bringen.
Für dauerhaft sinkende Preise müsse die Straße von Hormus jedoch wieder geöffnet werden, sagt Sultan. Dort wurden zuletzt erneut Tanker beschossen. Die Ökonomin warnt: „Wenn wir gleichzeitig eine weitere Eskalation in der Straße von Hormus haben ... und da nichts mehr durchgeht, dann ist auch die Reserve nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“
Heizöl so teuer wie seit 2022 nicht
Besonders hart trifft es Haushalte mit Ölheizung. Für 3000 Liter wurden zuletzt bundesweit mehr als 168 Euro je 100 Liter fällig. Vor einem Jahr waren es noch knapp 91 Euro. Heizöl hat sich damit binnen eines Jahres nahezu verdoppelt.
Verbraucherschützerin Christina Wallraf rät deshalb zu Augenmaß: „Wir empfehlen Haushalten, so wenig wie nötig zu tanken, aber genug, um über den kommenden Winter zu kommen.“ Den Tank komplett zu füllen, sei bei den aktuellen Preisen keine gute Idee.
Zudem warnt Wallraf vor Betrügern im Netz: „Diese haben aktuell wieder Hochsaison.“ Alarmzeichen seien extrem niedrige Preise, fehlende Impressumsangaben oder Anbieter, die nur Vorauskasse akzeptieren.