DAX -0,22 % 25.099,00 Pkt 18:00:00 MDAX -0,05 % 31.965,53 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +1,14 % 6.280,94 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,52 % 51.947,25 Pkt 23:26:43 S&P 500 -1,16 % 7.411,98 Pkt 23:26:35 Nasdaq -2,78 % 24.975,82 Pkt 23:15:59 Nikkei -2,73 % 64.611,15 Pkt 08:45:03 Gold +0,08 % 4.070,80 USD 22:59:59 Silber +0,43 % 58,91 USD 22:59:55 Brent 0,00 % 96,78 USD 22:59:55 WTI 0,00 % 89,31 USD 22:59:59 Bitcoin +0,02 % 64.323,00 USD 08:09:33 EUR/USD -0,32 % 1,13750 USD 23:29:21 EUR/GBP 0,00 % 0,85320 GBP 06:49:20 EUR/CHF +0,06 % 0,92970 CHF 06:49:20 EUR/JPY +0,08 % 186,245 JPY 23:29:21

Ölversorgung unter Druck: IWF warnt vor nächstem Preisschock

Wirtschaft

Ölmarkt unter Druck Experten warnen vor nächstem Schock Von t-online, aj Aktualisiert am 16.07.2026 - 05:00 UhrLesedauer: 5 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Warum sind die Ölpreise trotz des Krieges im Nahen Osten nicht explodiert? Der Internationale Währungsfonds liefert eine Antwort – und warnt zugleich, dass dieses Sicherheitsnetz nicht mehr lange trägt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat am Mittwoch vor wachsenden Risiken für den globalen Ölmarkt gewarnt. Eine geringere Nachfrage, höhere Fördermengen außerhalb der Golfregion und der Abbau von Lagerbeständen hätten den Preisschock nach der faktischen Schließung der Straße von Hormus zunächst gedämpft. Doch dieser Spielraum werde immer kleiner, schrieben die IWF-Ökonomen Jean-Marc Natal und Azim Sadikov in einem Blogeintrag. Zu Beginn des Krieges im Nahen Osten waren die Rohölpreise zunächst stark gestiegen. Anschließend hätten sie sich jedoch zwischen 90 und 100 US-Dollar pro Barrel eingependelt. Damit seien die Preise deutlich niedriger geblieben, als viele Ökonomen befürchtet hätten. "Der größte Ausfall am weltweiten Ölmarkt seit Jahrzehnten hätte die Preise in die Höhe treiben müssen", schreiben die IWF-Ökonomen. Eine Kombination mehrerer Faktoren habe den ersten Schock jedoch abgefedert. "Ein großer Teil des Spielraums ist nun aber aufgebraucht." Ein Fünftel des Verbrauchs betroffen Der Krieg habe die Straße von Hormus faktisch geschlossen und damit täglich rund 20 Millionen Barrel Rohöl und Raffinerieprodukte vom Markt abgeschnitten. Das entspreche etwa einem Fünftel des weltweiten Verbrauchs. Die Förderländer am Golf hätten versucht, einen Teil der Lieferungen umzuleiten. Saudi-Arabien habe Öl über eine Pipeline zum Rotmeerhafen Yanbu transportiert. Die Vereinigten Arabischen Emirate hätten den außerhalb der Meerenge gelegenen Hafen Fujairah nahezu bis an seine Kapazitätsgrenze ausgelastet. Diese Ausweichrouten hätten allerdings nur einen kleinen Teil der verlorenen Liefermengen ersetzen können. Auch die Produktion von Raffinerieprodukten in der Golfregion sei deutlich zurückgegangen. Besonders betroffen seien Diesel und Kerosin gewesen. Auf die Region entfielen bei diesen Produkten etwa zehn Prozent des weltweiten Angebots. Bis Ende Mai hätten insgesamt mehr als 1,1 Milliarden Barrel Rohöl den Markt nicht erreicht. Diese Menge entspreche ungefähr dem üblichen weltweiten Verbrauch von zehn Tagen. Nach Berechnungen des IWF war der Lieferausfall damit größer als während des Ölschocks von 1973, des Krieges zwischen Iran und Irak in den 1980er-Jahren und des Golfkriegs Anfang der 1990er-Jahre. Dennoch seien die Preise weniger stark gestiegen, als es frühere Krisen hätten erwarten lassen. Drei Faktoren dämpften den Schock Unmittelbar vor Kriegsbeginn habe das weltweite Angebot die Nachfrage um rund zwei Millionen Barrel pro Tag übertroffen. Dieser Überschuss habe dem Markt einen ersten Puffer verschafft. Zwischen März und Mai hätten anschließend drei Entwicklungen den Großteil des Ausfalls aufgefangen: Vor allem in Asien sei die Nachfrage gesunken. Höhere Preise hätten den Verbrauch gedrückt, zugleich hätten Volkswirtschaften verstärkt auf Alternativen wie Kohle und erneuerbare Energien zurückgegriffen. Die Förderung außerhalb der Golfregion sei gegenüber dem Niveau von 2025 um fast zwei Millionen Barrel pro Tag gestiegen. Den größten Beitrag hätten die USA geleistet, daneben hätten Venezuela, Guyana und Russland ihre Produktion erhöht. Das verbleibende Marktdefizit von rund vier Millionen Barrel pro Tag sei nahezu vollständig durch den Abbau weltweiter Lagerbestände gedeckt worden. Dafür seien sowohl kommerzielle Vorräte in China als auch strategische Reserven abgebaut worden. Im Verkehrssektor sei die Nachfrage dagegen weniger stark zurückgegangen. Preisobergrenzen, Subventionen und Steuernachlässe hätten die Belastung für Verbraucher begrenzt, allerdings auf Kosten der öffentlichen Haushalte. Rückkehr der Lieferungen benötigt Zeit Eine Rahmenvereinbarung zwischen den USA und dem Iran zur Wiedereröffnung der Meerenge habe die Preise vor der jüngsten Eskalation zunächst deutlich sinken lassen. Ein Grund ist laut dem IWF-Bericht, dass das auf Tankern im Golf festliegende Öl vergleichsweise schnell wieder auf den Markt gelangen kann. Unklar bleibt den Ökonomen zufolge jedoch, wann die freie Schifffahrt durch die wichtige Ölroute tatsächlich wiederhergestellt wird. Ebenso sei offen, wie schnell Reedereien, Versicherer und Betreiber wieder Vertrauen in die Sicherheit der Durchfahrt fassten. Nach Schätzungen aus der Branche kann es nach einer vollständigen Öffnung der Meerenge zwei bis drei Monate dauern, bis ein erheblicher Teil der Öllieferungen wieder aufgenommen wird. Längere Produktionsstopps könnten zudem zu dauerhaften Förderverlusten führen, insbesondere dort, wo Geld für die Wiederinbetriebnahme von Bohrlöchern fehle. Auch bei einer Erholung des Angebots schließt sich das Defizit demnach nur schrittweise. Dadurch könnten die Lagerbestände weiter bis an ihre betrieblichen Mindeststände sinken. Unterhalb dieses Niveaus stoße selbst eine normale Versorgung an ihre Grenzen. "Spielraum nun kleiner und schrumpft weiter" "Was den ersten Schlag dieses Mal abgefedert hat, war der Spielraum der Energiemärkte, darauf zu reagieren und ihn aufzufangen", schreibt der IWF. "Da die Spannungen in der Straße von Hormus erneut aufflammen, ist dieser Puffer nun kleiner und schrumpft weiter, weil freie Kapazitäten eingesetzt, die Nachfrage gedämpft und Lagerbestände abgebaut wurden." Der IWF weist außerdem darauf hin, dass ein schnellerer Umstieg auf andere Energiequellen, darunter erneuerbare Energien, die Abhängigkeit der Weltwirtschaft von wichtigen Ölrouten verringern könne. Solange die Straße von Hormus nicht dauerhaft geöffnet und die abgebauten Lagerbestände nicht wieder gefüllt seien, bleibe der globale Ölmarkt anfälliger für weitere Lieferausfälle. Loading... Loading... Loading... IWF warnt vor Folgen für das Wachstum Der IWF hatte seine Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft 2026 zuletzt von 3,1 auf 3,0 Prozent gesenkt. Für 2025 nennt der Fonds ein Wachstum von 3,5 Prozent. Eine weitere Eskalation im Nahen Osten könne die Konjunktur jedoch stärker belasten als bislang angenommen. Seit der Prognose haben die militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten wieder zugenommen. Nach iranischen Angriffen auf die Schifffahrt nahmen auch die USA ihre Angriffe wieder auf. Zudem traten die Blockade iranischer Häfen und weitere Maßnahmen gegen den Schiffsverkehr erneut in Kraft. Auch die Bundesregierung musste jüngst infolge des Iran-Kriegs und der Preissprünge bei Öl und Gas ihre Konjunkturprognose senken. Für 2026 wird nur noch ein Wachstum von 0,5 Prozent erwartet. Im kommenden Jahr rechnet die Bundesregierung mit einem Wachstum von 0,9 Prozent. Wirtschaftsverbände klagen seit Langem über Standortnachteile in Deutschland, darunter hohe Energiepreise und übermäßige Bürokratie. Ölpreise legen etwas zu Das Scheitern der im Juni vereinbarten Waffenruhe und die verzögerte vollständige Öffnung der Straße von Hormus hätten die Ölpreise bereits steigen lassen, allerdings noch nicht auf das Niveau zu Beginn des Krieges, berichtete das IWF. "Eine schnelle Erholung des Angebots ist entscheidend, um weitere Schäden für die Weltwirtschaft zu vermeiden", hieß es von dem Fonds. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im September kostete am Mittwoch 85,23 US-Dollar. Damit war die globale Referenzsorte 0,59 Prozent teurer als am Vortag. Der Ölpreis knüpfte so an die Preisaufschläge der Vortage an. Anfang Juli war der Preis noch auf gut 70 Dollar gefallen. Zwar habe sich der Rohölpreis nach der jüngsten Rally allmählich stabilisiert, doch brauche es nach wie vor einen mutigen Reeder, um die Straße von Hormus zu durchqueren, da die Gefahr von Angriffen durch mit Teheran verbündete Kräfte nach wie vor sehr real sei, sagte Chris Weston, Leiter der Forschungsabteilung beim Handelshaus Pepperstone und fuhr fort: "Das allgemeine geopolitische Umfeld verschlechtert sich weiter, was die Rohölpreise weiterhin stützt und Käufer dazu veranlasst, wieder einzusteigen, sollten die Preise in Richtung der 90-Dollar-Marke steigen." Verwendete Quellen imf.org: " The Oil Market Absorbed the War Shock, but Buffers Are Running Low " (englisch) wsj.com: "I MF Sees Reduced Cushion Against Oil Disruption " (englisch) Mit Material der Nachrichtenagentur dpa Quellen anzeigen

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