Olympiasieger Ronald Rauhe Neuer Sportstaatsminister - Ein Plan B mit viel Potenzial
Mehrere Wochen lang war die neu geschaffene Stelle des Bundesstaatsministers für Sport und Ehrenamt zuletzt unbesetzt, Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) geriet nach der Entlassung der erfolgreichen Christiane Schenderlein (CDU) zunehmend in die Kritik. Merz' Plan war, eine Person mit einem gewissen Bekanntheitsgrad zu inthronisieren. Nur hatte er offenbar niemanden direkt parat.
Zahlreiche Namen kursierten seitdem, und trotzdem gab es am Donnerstag eine Überraschung. Merz präsentierte in Berlin Ronald Rauhe als neuen Staatsminister. Den 44 Jahre alten zweimaligen Kanu-Olympiasieger und 16-maligen Weltmeister hatte kaum jemand auf dem Zettel.
Olympia und Spitzensportreform im Fokus
Merz sagte, er erhoffe sich von Rauhe "tatkräftige Unterstützung" bei Deutschlands Olympiabewerbung. Doch Rauhes Know-how dürfte vor allem bei einem anderen zentralen Projekt hilfreich sein: bei der Spitzensportreform.
In Leipzig soll eine neue Agentur entstehen, die die zahlreichen Aufgaben in der Spitzensportförderung bündelt. In den vergangenen Jahren ist immer mehr Steuergeld in den Leistungssport geflossen, gleichzeitig sank die Medaillenausbeute bei Olympischen Spielen.
Diese Agentur wäre aber nur dann ein Erfolg, wenn sie das System tatsächlich verschlankt. Dafür sind schmerzhafte Einschnitte bei vielen Beteiligten nötig. Die Aufgabe wird entsprechend dickes Fell benötigen.
Ronald Rauhe: Sportsoldat, Student, Buchautor
Der Berliner Rauhe kennt das Fördersystem aus mehr als 20 Jahren Profisport bestens. Schon sein Vater war deutscher Meister im Kanu, als Teenager wurde Rauhe Junioren-Welt- und Europameister. Er richtete alles auf den Leistungssport aus, wurde Sportsoldat, studierte zudem an der Universität Potsdam Sportmarketing.
Rauhe weiß, was Spitzensportler in Nischensportarten brauchen, um ihre Karrieren voranzutreiben. Er hat 2024 ein Buch veröffentlicht mit dem Titel: "In einem Boot: Warum Leistungssport so wichtig für die Gesellschaft ist". Er setzt sein Know-how auch beim Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) ein. 2023 wurde er in die Athletenkommission des Europäischen Olympischen Komitees gewählt. Als Kanupolo-Spieler kennt er zudem die Anliegen des Breitensports.
Wohlwollende Reaktionen aus der Sportwelt
Entsprechend positiv fallen die Reaktionen aus der Sportwelt aus. Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), sprach von "Rückenwind" für den Sport und das ehrenamtliche Engagement "in unserem Land".
Max Hartung, Vorstandssprecher der Stiftung Deutsche Sporthilfe, schrieb: "Ich freue mich auch persönlich, dass der Sport in Deutschland so einen glaubwürdigen und sympathischen Botschafter an höchster Stelle bekommt."
Besser im Thema könnte Rauhe kaum sein, gleichzeitig steckt er noch nicht zu tief drin in den Strukturen des organisierten Sports. Ihm ist zuzutrauen, dass er die Bedürfnisse der Aktiven und der Trainerinnen und Trainer über die Begehrlichkeiten der Funktionäre stellt.
Rauhe ohne Erfahrung im Parlamentarismus
Doch es gibt auch Herausforderungen. Rauhe muss zusehen, dass sich auch die vielen Ehrenamtler außerhalb der Sportwelt gut von ihm vertreten fühlen. Zudem ist das politische Parkett für ihn Neuland, er hat keine Erfahrungen im Parlamentarismus.
Sein Vorteil dort ist zwar, dass ihm fachlich wohl niemand das Wasser reichen kann und dass er eloquent und selbstbewusst ist. Ungewiss ist dagegen, wie er sich in einer Behörde zurechtfindet und wie er politische Prozesse moderiert.
Schenderlein leistet Fleißarbeit
Hier kann Rauhe froh sein, dass seine Vorgängerin schon die Fleißarbeit geleistet hat. Christiane Schenderlein schaffte es, den viele Jahre lang hart umkämpften Entwurf zum Sportfördergesetz durch den Bundestag zu bekommen. Sie überwand die anfänglichen Widerstände aus der CSU und fand einen Kompromiss, den auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) mittrug.
Auf diesem Gebiet war Schenderlein sicher kompetenter als Rauhe. Bei der praktischen Umsetzung der Reform ist Rauhe nun sicher kompetenter als Schenderlein. Es wirkt fast wie ein Masterplan. Dass Rauhe angesichts der wochenlangen Ungewissheit wohl eher Plan B oder C war, dürfte schnell vergessen sein.