Ostbeauftragte Elisabeth Kaiser: „In der Wirtschaft funktionieren Karrierewege nur über den Westen“
Frau Kaiser, 36 Jahre nach der Einheit ist der Osten immer noch benachteiligt, etwa bei der Teilhabe in Führungspositionen und beim Vermögen. Wo hat die Politik versagt?
Zunächst muss man die positiven Seiten der Bilanz sehen: Wirtschaftlich sind viele Teile Ostdeutschlands Aufhol- oder Überholregionen, etwa in der Halbleiterindustrie oder der Biochemie. Im Osten boomt auch der Tourismus mit vielen modernisierten Städten und renaturierten Landschaften. Auf diese Leistungen und Errungenschaften können die Menschen sehr stolz sein.
In der Tat haben wir aber noch Unterschiede bei den Einkommen und der Wirtschaftsstruktur, weil die Konzernzentralen nach wie vor im Westen sitzen. Auch die Vermögensstrukturen unterscheiden sich weiterhin deutlich, aber das ist nicht nur ein Ost-West-Thema. Vermögen in Deutschland ist sehr ungleich verteilt und konzentriert sich beim obersten Prozent, das macht unsere Gesellschaft ungleicher und muss gerechter aufgeteilt werden.
Was wollen Sie dagegen tun?
Gerade junge Menschen wollen durch Fleiß und gute Bildung etwas erreichen. Aber in der Realität erleben sie dann, dass meist doch das Vermögen und das Einkommen der Eltern sowie Beziehungen und Netzwerke eine große Rolle spielen. Das ist eine zentrale Gerechtigkeitsfrage, an die wir ranmüssen. Deshalb fordern wir als SPD die Besteuerung von Vermögen und eine gerechtere Erbschaftssteuer.