Österreich: 27-Jährige verklagt Wien wegen Toiletten-Gebühr für Frauen
»Das ist ungerecht« Wie auch in vielen deutschen Städten, sind in Wien Pissoirs für Männer oft frei zugänglich, während Frauen die WC-Kabinen nur gegen Gebühr benutzen können. »Es ist eine Kleinigkeit, aber auch ein Beispiel dafür, wie Frauen im Alltag ungleich behandelt werden«, sagt Gradik. »Warum können Toiletten nicht für alle kostenlos sein oder für alle 50 Cent kosten? Das ist ungerecht.« In Wien gibt es derzeit rund 170 öffentlich betriebene Toilettenanlagen, von denen rund 140 kostenlos genutzt werden können. Nach Angaben der Stadtverwaltung ist die Gebühr an den anderen Orten notwendig, um an stark frequentierten Orten Sauberkeit und die ordnungsgemäße Nutzung durch Toilettenpersonal sicherzustellen. Doch auch bei diesen Einrichtungen sind die Pissoirs kostenlos zugänglich. Das solle verhindern, dass Männer in der Öffentlichkeit urinieren, begründet Sandra Holzinger von der Wiener Stadtverwaltung. Die Rechtsprofessorin Anna Gamper von der Universität Innsbruck hält diese Regelung mit Blick auf die Geschlechter-Gleichstellung für fraglich. Nach österreichischem Recht »darf zwischen Männern und Frauen nur unterschieden werden, wenn dafür eine besondere sachliche Rechtfertigung besteht«, sagt sie. Bei öffentlichen Toiletten scheine eine solche »nicht vorzuliegen«, da die Kosten für den Bau, die Instandhaltung und die Reinigung von Kabinen und Pissoirs letztlich gleich seien. Zusätzliche Kosten für Frauen Selbst wenn die Instandhaltung von Kabinen etwas teurer wäre oder diese mehr Wasser verbrauchten, reiche das nicht unbedingt aus, um einen Preisunterschied gegenüber Urinalen zu rechtfertigen, sagt Gamper. »Frauen dürfen nicht allein deshalb finanziell benachteiligt werden, weil sie eine andere Anatomie haben und auch aus Sicherheitsgründen auf eine Kabine angewiesen sind.« Das Argument, dass auch Männer für eine Kabine bezahlen müssen, lässt sie nicht gelten. Schließlich hätten sie im Gegensatz zu Frauen eine kostenlose Option. Frauen in Österreich hätten im Alltag im Vergleich zu Männern ohnehin zusätzliche Kosten, beispielsweise für Periodenprodukte , sagt der Sprecher der Wiener Frauenstadträtin Elke Hanel-Torsch, Stefan Hayden. In ihrem Koalitionsvertrag verpflichteten sich die in Wien regierenden Sozialdemokraten und Liberalen, das Angebot an öffentlichen Toiletten auszubauen und zu prüfen, ob sie für alle Geschlechter kostenlos werden können.