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Österreichischer Fahrradhersteller vom Bodensee ist schon wieder insolvent - es geht um 33,4 Milliarden Euro

Wirtschaft

Die 2Rad Produktions GmbH, die bis Juni 2026 noch Simplon Fahrrad GmbH hieß, hat beim Landesgericht Feldkirch erneut ein Sanierungsverfahren beantragt. Betroffen sind 54 Mitarbeiter und rund 150 Gläubiger, die Verbindlichkeiten belaufen sich auf etwa 33,4 Millionen Euro. Wie die „Kronen Zeitung“ berichtet, ist damit der erst Ende 2024 beschlossene Sanierungsplan des Fahrradherstellers aus Hard am Bodensee in Österreich gescheitert.

Das Unternehmen konzentriert sich im Wesentlichen auf die Fahrradfertigung innerhalb der Simplon-Gruppe. Alleingesellschafterin ist die eigenständige Simplon Bike GmbH, die von der Insolvenz formal nicht betroffen ist.

Fehlende Bauteile und Lieferprobleme als Auslöser

Als Hauptursache für die erneute Schieflage nennt die Unternehmensleitung nach Angaben des Kreditschutzverbands KSV1870 gravierende Unstimmigkeiten im Zuge der Übernahme des Geschäftsbetriebs nach dem ersten Insolvenzverfahren. Die aus der Pleite übernommenen Warenbestände seien unvollständig und unzureichend gewesen, heißt es von der Schuldnerin. Wichtige Bauteile fehlten, weshalb der eigentlich vorhandene Auftragsbestand nicht zügig abgearbeitet werden konnte.

Die Folge: Lieferverzögerungen, ausbleibende Folgeaufträge und schwere Liquiditätsengpässe. Der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) nennt ergänzend Probleme mit einem wichtigen Outsourcing-Partner sowie das weiterhin angespannte Marktumfeld für Fahrräder als Belastungsfaktoren.

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Alte Schulden aus erstem Verfahren leben wieder auf

Ein Großteil der aktuellen Schuldenlast stammt direkt aus dem vorausgegangenen Verfahren: Von den 33,4 Millionen Euro entfallen rund 28,3 Millionen Euro auf Verbindlichkeiten, die durch das Scheitern des ersten Sanierungsplans wieder in voller Höhe aufleben – abzüglich bereits geleisteter Zahlungen. Der Großteil davon, etwa 26 Millionen Euro, entfällt laut KSV1870 auf eine einzelne Hauptgläubigerin, weitere 2,3 Millionen Euro verteilen sich auf sonstige Gläubiger.

Verfahren läuft diesmal ohne Eigenverwaltung

Anders als beim ersten Anlauf 2024 beantragt Simplon diesmal ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung. Das bedeutet: Die Geschäftsführung führt das Unternehmen nicht mehr eigenständig durch die Sanierung, stattdessen übernimmt ein gerichtlich bestellter Insolvenzverwalter die Kontrolle über Verfahren und Vermögen der Gesellschaft.

Trotz der schwierigen Ausgangslage strebt die Geschäftsführung unter Christoph Mannel den Erhalt des Standorts Hard an. Ein neuer Sanierungsplan soll eine Quote von 20 Prozent, zahlbar innerhalb von zwei Jahren, vorsehen – deutlich weniger als die 30 Prozent, die die Gläubiger 2024 zugesagt bekommen hatten. Laut „MTB-News“ sind zudem weitere Restrukturierungen sowie die Suche nach einem neuen Investor vorgesehen.

Was Simplon-Kunden jetzt wissen sollten

Wer bereits ein Simplon-Fahrrad besitzt oder eine Bestellung laufen hat, sollte die Rechtslage kennen – auch wenn der Betrieb aktuell weiterläuft.

Gesetzliche Gewährleistungsansprüche gegenüber einem insolventen Unternehmen sind laut Verbraucherzentrale oft nur noch wenig wert: Ansprüche auf Nacherfüllung müssen dann beim Insolvenzverwalter angemeldet werden, tatsächliche Zahlungen bleiben häufig aus oder fallen deutlich geringer aus als die eigentliche Forderung. Eine Herstellergarantie ist davon unabhängig zu betrachten, da sie eine freiwillige Zusatzleistung ist. Sie bleibt bestehen, solange der Garantiegeber selbst nicht insolvent ist. Da im aktuellen Verfahren nur die Produktionsgesellschaft betroffen ist, dürfte die Garantieabwicklung über die Simplon-Gruppe zunächst weiterlaufen, sofern der Betrieb wie angekündigt fortgeführt wird.

Wer aktuell noch auf ein bestelltes Fahrrad wartet, sollte laut Verbraucherzentrale genau abwägen, ob er an der Bestellung festhält – im Zweifel besteht das Risiko, weder die Ware noch spätere Gewährleistungsansprüche vollständig durchsetzen zu können. Da die Schuldnerin selbst Lieferengpässe bei Bauteilen als Krisenursache nennt, kann es zudem bei Reparaturen und Ersatzteilen zu Verzögerungen kommen. Kundinnen und Kunden sollten sich bei offenen Reparaturaufträgen direkt beim Fachhändler nach dem aktuellen Stand erkundigen.

Zweiter Anlauf nach gescheitertem Neustart

Das erste Insolvenzverfahren der damaligen Simplon Fahrrad GmbH war im September 2024 eröffnet worden. Im Dezember desselben Jahres stimmten die Gläubiger einem Sanierungsplan mit 30 Prozent Quote zu, gleichzeitig wurde SOL Capital Management als neuer Investor präsentiert. Der Betrieb lief zunächst weiter, noch 2026 stellte Simplon neue E-Bike-Modelle wie das Rift:e und Stomp:e mit Bosch-CX-Antrieb vor. Der damalige Sanierungsplan konnte nun jedoch nicht vollständig erfüllt werden.

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