Ostflanke – Polen spricht von „Demonstration der Fähigkeiten“
Audioplayer wird geladen Anzeige Im Baltikum und in Ostpolen halten nahe der russischen Exklave Kaliningrad die auffälligen Nato-Aktivitäten an. Bereits am Dienstag waren dort ungewöhnlich viele Militärflugzeuge aufgestiegen. Nun schreibt das italienische Portal „Itamilradar“, das sich mit dem Tracking von Militärflugzeugen beschäftigt, von einem weiteren „intensiven Tag“. Das spreche dafür, dass die Luftoperation am Dienstag „kein Einzelfall“ war. Anzeige So seien unter anderem ein Seefernaufklärungs- und U-Boot-Jagdflugzeug der Deutschen Marine sowie zwei Nato-Aufklärungsflugzeuge vom Typ Boeing E-3A Sentry (Awacs) gesichtet worden. Auch ein hochspezialisiertes Flugzeug für die elektronische Kampfführung sowie begleitende Tankflugzeuge seien im Einsatz gewesen. Lesen Sie auch Das Portal betont in seinem Bericht, dass diese Aktivitäten nicht bedeuten, dass die Nato eine konkrete Operation vorbereite. Jedoch schaffe die „Kombination aus Überwachung, elektronischer Kampfführung, Seeaufklärung und Luftbetankung“ die notwendige Infrastruktur für „deutlich anspruchsvollere Missionen als einen einfachen Trainingsflug“. Anzeige Das polnische Verteidigungsministerium sprach in einer Mitteilung auf X von einer „Demonstration der Fähigkeiten des Bündnisses zur schnellen Reaktion“. Das Ministerium verwies auf die laufenden Nato-Operationen „Eastern Sentry“ und „Baltic Sentry“, die die östliche Nato-Flanke und den Seebereich der Ostsee schützen sollen. „Eastern Sentry“ (zu deutsch etwa: „Wächter des Ostens“) war im vergangenen September in Reaktion auf mutmaßlich vorsätzliche Luftraumverletzungen durch russische Drohnen in Polen gestartet worden. Über den Einsatz sollen vor allem zusätzliche Überwachungs- und Flugabwehrkapazitäten mobilisiert werden. „Baltic Sentry“ ist dagegen ein Einsatz zum Schutz der kritischen Unterwasserinfrastruktur in der Ostsee. Lesen Sie auch Polens Regierungschef teilte laut der polnischen Nachrichtenagentur PAP am Donnerstag mit, das Land sei an seiner Ostgrenze „sicherer als je zuvor“. In Krakau sagte der liberalkonservative Politiker, das Land bemühe sich, seine Kapazitäten bei der Luftverteidigung zu erhöhen. Der Politikwissenschaftler Christian Mölling, der als Senior Advisor beim Brüsseler Thinktank European Policy Center tätig ist, deutete die Nato-Aktivitäten wie folgt: „Man wollte zeigen: Wir haben euch im Blick. Und wenn es Probleme gibt, dann schalten wir euch das Licht als Erstes in Kaliningrad aus.“ Im „Stern“-Podcast „Die Lage – International“ spekulierte er über Aktivitäten auf russischer Seite, „die die Nato dazu veranlasst haben, zu zeigen: Wir haben euch auf dem Schirm“. Öffentlich ist allerdings nichts dergleichen bekannt. Lesen Sie auch Weltplus ArtikelUkraine-Krieg Am Dienstag hatte ein Nato-Sprecher den Einsatz gegenüber dem „Berlin Playbook“ der WELT-Partnerpublikation „Politico“ wie folgt eingeordnet: „Die Nato ist ein Verteidigungsbündnis, und die Bündnispartner verbessern kontinuierlich ihre Verteidigungsfähigkeiten.“ Es seien „US-amerikanische und norwegische Kampfflugzeuge, polnische Bodentruppen, ein E-3A-Luftüberwachungs- und -kontrollsystem (Awacs) der Nato und weitere Kräfte beteiligt“ gewesen. Der Einsatz sei von den USA geleitet worden. Nato-Mitglied Norwegen verstärkt Präsenz an russischer Grenze Auch an anderer Stelle verstärkt die Nato ihre Präsenz: Am Donnerstag wurde die Finnmark-Brigade in Norwegen um ein Artilleriebataillon, eine Flugabwehrbatterie und eine Kommunikationskompanie erweitert. Sie befindet sich in der Arktis an der russischen Grenze. „Das ist ein völlig anderes Maß an Feuerkraft als bisher“, sagte der Kommandeur der Brigade, John Olav Fuglem, der Nachrichtenagentur Reuters. „Wir werden auf jede Bedrohung und jeden Angriff auf Norwegen und die Nato reagieren. Wir werden jeden Zentimeter verteidigen“, fügte Verteidigungsminister Tore Sandvik im selben Interview hinzu. Durch die Aufrüstung ist die Truppe in der Lage, Ziele an Land in rund 40 Kilometern Entfernung zu beschießen und Angriffe mit Flugzeugen und Schiffen der norwegischen Streitkräfte sowie der Nato zu koordinieren. Der Brigadenstandort Porsangmoen liegt etwa 180 Kilometer von der 198 Kilometer langen Grenze zu Russland entfernt. Die Brigade ist für die Grenzüberwachung zuständig. Auf der russischen Seite befindet sich ein wichtiges Militärgebiet, in dem unter anderem die russische Nordflotte stationiert ist. Die russische Botschaft in Oslo äußerte sich bislang nicht zu dem norwegischen Vorgehen. Die Regierung in Moskau hatte in der Vergangenheit Vorwürfe zurückgewiesen, eine Bedrohung für die Nato darzustellen. Die Spannungen zwischen Russland und mehreren Nato-Ländern sind weiterhin hoch. Vor zwei Wochen hatte Litauens Regierung gewarnt, dem Militärgeheimdienst lägen Informationen vor, wonach Russland Angriffe auf kritische Infrastruktur in den baltischen Staaten unter Einsatz ukrainischer Drohnen erwägen könnte. Zudem halten es US-Geheimdienste Medienberichten zufolge für möglich, dass Russland zwischen diesem Herbst und 2029 mit einer begrenzten Attacke die Entschlossenheit der Nato testet. lay mit rtr