Ostsee: Mehrere Buckelwal-Sichtungen sorgen für Aufmerksamkeit
Stand: 12.08.2026 05:20 Uhr In diesem Jahr wurden mehrfach Buckelwale in der Ostsee gesichtet. Forscher nennen mögliche Gründe. Für die Tiere birgt der Lebensraum Risiken, für Strandungen fehlt bislang eine konkrete Strategie. In der Ostsee sind in diesem Jahr bereits mehrfach Buckelwale gesichtet worden. Zuletzt tauchte am Wochenende ein Tier vor der polnischen Küste auf. Vermutlich handelt es sich dabei um denselben Wal, der zuvor im Wismarer Hafen beobachtet worden war. Zwei Buckelwale innerhalb weniger Monate seien zwar ungewöhnlich, sagt Dorit Visbeck-Liebers vom Deutschen Meeresmuseum. Gleichzeitig passe das in ein größeres Bild. Häufig handelt es sich bei den Walen um junge Tiere. Eigentlich leben Buckelwale im Atlantik, halten sich dort aber auch in Küstennähe auf. Nach Einschätzung von Biologen könnten einzelne Tiere aus Neugier oder auf der Suche nach Nahrung an Dänemark vorbei in die Ostsee schwimmen. Bestand der Buckelwale im Atlantik Dass solche Begegnungen häufiger werden könnten, hängt möglicherweise auch mit der Erholung der Bestände zusammen. In den 1950er- und 1960er-Jahren war die Zahl der Buckelwale im Atlantik durch den internationalen Walfang stark zurückgegangen. Inzwischen habe sich der Bestand deutlich erholt, erklärt Meeresbiologe und Greenpeace-Aktivist Thilo Maack: "Der atlantische Buckelwalbestand war auf wenige 100 Tiere durch den internationalen Walfang zusammengeschnurrt und liegt jetzt bei wieder über 20.000 Tieren." Je mehr Buckelwale im Atlantik unterwegs sind, desto größer ist damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass einzelne Tiere auf ihren Wanderungen in die Ostsee gelangen. Ostsee ist für Buckelwale problematisch Für längere Aufenthalte ist die Ostsee allerdings kein geeigneter Lebensraum. Die Tiere finden dort vergleichsweise wenig Nahrung, außerdem kann der niedrige Salzgehalt ihrer Haut schaden. Hinzu kommen Gefahren etwa durch Stellnetze. Für den Fall einer erneuten Strandung laufen derzeit Vorbereitungen: Nach Angaben des Umweltministeriums arbeiten Bund und Küstenländer in einer länderübergreifenden Arbeitsgruppe an einem abgestimmten Vorgehen. Eine konkrete Strategie für Mecklenburg-Vorpommern gibt es bislang jedoch noch nicht. Sollte ein Wal stranden, vertreten Wissenschaftler zudem die Auffassung, dass sich menschliche Eingriffe in vielen Fällen auf ein Minimum beschränken sollten.