Özdemir in Neckarsulm: Sozialpartnerschaft um Audi
Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) hat sich am Dienstag im Audi-Werk Neckarsulm (Kreis Heilbronn) mit Werkleitung und Arbeitnehmervertretern getroffen. Thema war die Zukunft des von einer möglichen Schließung bedrohten Standorts. An dem Gespräch nahmen auch Vertreter des Betriebsrats und der Gewerkschaft sowie die Oberbürgermeister von Neckarsulm und Heilbronn und der Landrat teil.
Özdemir: Landesregierung steht hinter Audi-Werk
Sowohl für den Neckarsulmer Oberbürgermeister Steffen Hertwig (SPD) wie auch für den Betriebsratsvorsitzenden Alexander Reinhart ist der Besuch ein wichtiges Signal. Özdemir zeige damit, dass er den Erhalt des Werks zur Chefsache macht. Der Ministerpräsident betonte nach dem Treffen, die Landesregierung stehe mit vollem Einsatz hinter dem Audi-Standort.
Sowohl Özdemir, als auch die anwesende Landeswirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU), die Oberbürgermeister und der Landrat betonten, wie gut der Standort Neckarsulm aufgestellt sei. Gerade die Nähe zu Heilbronn und dem dort entstehenden Innovationspark Künstliche Intelligenz (IPAI) biete einen zusätzlichen Standortvorteil, sind sich alle fünf in ihren Statements einig.
Arbeitgeber und Beschäftigte sollen aufeinander zugehen
Özdemir setzt darüber hinaus auf eine Sozialpartnerschaft zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Das Unternehmen müsse sich zum Standort Neckarsulm und zu weiteren Investitionen bekennen. Im Gegenzug müssten die Beschäftigten ihren Beitrag dazu leisten, die Kosten am Standort zu senken.
Aus Sicht des Ministerpräsidenten reichen Anstrengungen vor Ort allein allerdings nicht aus. Angesichts der "brutalen Konkurrenz aus China" bleibe vieles Stückwerk, sagte Özdemir. In diesem Punkt seien sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite einig.
Özdemir fordert faire Wettbewerbsbedingungen
Deshalb sieht Özdemir auch die Bundesregierung und die EU in der Pflicht. Es gehe darum faire Wettbewerbsbedingungen für die europäische Autoindustrie zu schaffen. Gemeinsam mit den Ministerpräsidenten von Bayern und Niedersachsen habe er dazu einen Brief verfasst.
IG Metall kündigt Proteste an - auch in Neckarsulm
Für den Standort Neckarsulm ist aus Sicht Özdemirs entscheidend, dass eine Schließung bislang nicht beschlossen ist und damit weiter um eine Perspektive für das Werk gerungen werden kann. Das sagte er schon nach der letzten VW-Aufsichtsratssitzung. Am Dienstag ergänzte er, dass es jetzt gelte, die gewonnene Zeit bis Mitte 2027 zu nutzen, um Einsparungen vorzunehmen. "Da bin ich positiv gestimmt, dass uns das gelingt", so der Betriebsratsvorsitzende Reinhart.
Neckarsulm
Audi-Chef Döllner wendet sich an Belegschaft Audi-Werk Neckarsulm bekommt eine Chance - aber keine Garantie
Audi-Chef Gernot Döllner macht der Belegschaft in Neckarsulm Hoffnung, stellt aber Bedingungen: Bis Mitte 2027 muss das Werk wettbewerbsfähiger werden.
17:00 Uhr SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW
Auch die Gewerkschaft will den Druck erhöhen. Die IG Metall ruft für kommende Woche zu einem bundesweiten Protesttag für die gefährdeten Werke und Arbeitnehmerrechte auf. Auch im Audi-Werk Neckarsulm sind Kundgebungen angekündigt.
VW sieht Überkapazitäten in Europa
Der Volkswagen-Konzern will seine Produktion auf rund neun Millionen Fahrzeuge pro Jahr reduzieren und weltweit etwa 50.000 weitere Stellen streichen. Als Grund nennt VW unter anderem Überkapazitäten von rund 500.000 Fahrzeugen in Europa.