Ozempic-Haarausfall: Neue Studie zeigt genetisches Risiko
Viele Anwenderinnen und Anwender von Abnehmmedikamenten wie Ozempic oder Wegovy berichten über dünner werdendes Haar als Nebenwirkung. Forschende führten diesen Haarausfall bislang vor allem auf den raschen Gewichtsverlust zurück.
Häufig setzt das Haarwachstum einige Monate nach der Stabilisierung des Körpergewichts wieder ein. Einen genetischen Zusammenhang zwischen Abnehmspritzen und Haarausfall hatten Forschende bisher nur vermutet.
Ozempic und Wegovy gehören zur Gruppe der GLP-1-Rezeptoragonisten. Ozempic wurde ursprünglich als Diabetesmedikament entwickelt und eingeführt, Wegovy kam später gezielt als Präparat zur Gewichtsreduktion auf den Markt. Die Arzneien regulieren den Blutzuckerspiegel und dämpfen den Appetit.
Zusätzliche Risiko für Haarausfall von sieben Prozent
In einer kürzlich im Journal of Investigative Dermatology veröffentlichten Studie berichten US-Forschende nun, dass Varianten des GLP1R-Gens, die auf natürliche Weise zu höheren Mengen an GLP-1-Rezeptorproteinen führen, häufiger bei Männern mit androgenetischer Alopezie – einer erblich bedingten Form des Haarausfalls, die typischerweise den oberen und vorderen Bereich der Kopfhaut betrifft – vorkommen.
Da Medikamente wie Ozempic und Wegovy an diesen Rezeptoren wirken, könnte bei genetisch vorbelasteten Männern ein erhöhtes Risiko für Haarausfall bestehen. Die Forschenden berichten von einem zusätzlichen Risiko von sieben Prozent.
Die Fachleute berücksichtigten in ihrer Auswertung auch andere bekannte Ursachen für Haarausfall, etwa Bluthochdruck. Dieser kann die Durchblutung der Kopfhaut verschlechtern und so das Haarwachstum beeinträchtigen. Trotzdem blieb das zusätzliche Risiko für Haarausfall von sieben Prozent bestehen.
Das Team prüfte außerdem, ob andere mögliche Ursachen für Haarausfall das Ergebnis beeinflusst haben könnten – darunter Insulinresistenz, die eine wichtige Rolle bei Typ-2-Diabetes spielt, sowie niedrige Testosteronwerte. Das erhöhte Risiko für Haarausfall im Zusammenhang mit GLP-1-Medikamenten blieb jedoch bestehen.
Weitere Forschung nötig, um die biologischen Mechanismen zu verstehen
„Unsere Studie liefert erstmals einen genetischen Nachweis für einen Zusammenhang zwischen der Anwendung von GLP-1-Medikamenten und einem erhöhten Risiko für männlichen, androgenetisch bedingten Haarausfall – ein Zusammenhang, der lange vermutet, bislang jedoch wissenschaftlich nicht belegt wurde“, wird Epidemiologin und Studienhauptautorin Lynn Petukhova in einer Aussendung zur Studie zitiert.
Die Ergebnisse würden darauf hindeuten, dass Männer künftig vor der Verschreibung von GLP-1-Medikamenten auf ihr individuelles Risiko für Haarausfall untersucht werden könnten, sofern weitere Studien die Befunde bestätigten. Zudem sei denkbar, dass einige Anwender vorbeugend Kombinationstherapien gegen Haarausfall erhalten könnten.
Laut Petukhova seien weitere Studien nötig, um die biologischen Mechanismen zu verstehen, durch die die Anwendung von GLP-1-Medikamenten das Wachstum der Haarfollikel beeinträchtigt. Zudem wolle sie untersuchen, ob die bei Männern beobachteten Zusammenhänge auch für Frauen gelten.