Packung verschweigt Hinweis
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Lachs aus dem 3D-Drucker landet in Supermarkt-Regalen – und die Packung verschweigt den Hinweis
Von: Sven Trautwein
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Pflanzliche Lachs-Patties aus dem 3D-Drucker erreichen erste Supermärkte. Doch die Verpackung nennt das Verfahren nicht. Was hinter dem Produkt steckt.
Auf der Verpackung steht viel, nur nicht, wie der Inhalt entstanden ist. Laut eigener Ankündigung ist die Produktlinie Perfecta des israelischen Herstellers Steakholder Foods in Geschäften im Nordosten der USA erhältlich, darunter Lachs-Patties auf pflanzlicher Basis. Die Technik des Lebensmittel-3D-Drucks, mit der das Unternehmen wirbt, findet sich auf den Produkten selbst aber nicht. Was bedeutet das für Kunden, die nach Alternativen zu herkömmlichem Fisch suchen?
Laut IBTimes UK enthalten die Produkte weder Fisch noch Tierfleisch, sondern pflanzliche Proteine, Öle und Stärken. Am Regal sind vor allem die gesetzlich vorgeschriebenen Produktangaben zu finden. Die Details zur Herstellung stehen dagegen vor allem in Unternehmensmitteilungen und in der Berichterstattung darüber.
Ein Start mit Ansage
In seiner Ankündigung spricht Steakholder Foods von der ersten kommerziellen Platzierung der Marke in US-Regalen. Vertrieben wird über den Großhändler KeHE Distributors. Laut IBTimes umfasst das Sortiment fünf Produkte: Hähnchenbrust, Filet Mignon, marmoriertes Steak, Lachs-Patties und Weißfisch-Patties. Firmenchef Arik Kaufman sagte: „Der Nordosten ist erst der Anfang unserer kommerziellen Reise.“
Welche Ketten die Produkte führen, nennt das Unternehmen nicht. Allrecipes konnte nach Angaben von IBTimes kein Geschäft identifizieren, das die Produkte verkauft. Online gelistet waren Filet und Steak bei Instacart, in nahegelegenen Läden zeigten sich aber keine Bestände. HypeFresh zufolge liegt das Sortiment vor allem in unabhängigen Naturkostläden im Nordosten, nicht in großen Ketten und nicht in der Frischfisch-Abteilung.
Kein Hinweis auf dem Etikett
Die Verkaufsbezeichnung lautet „Premium Plant-Based Meat“. Dass die Produkte mit fortschrittlichem 3D-Schichtdruck entstehen, steht laut Allrecipes nicht auf der Verpackung. Auf der Unternehmensseite heißt es dagegen, das Fleisch werde mit 3D-Drucktechnik hergestellt. Am Regal sieht der Kunde diese Angabe nicht.
Ob auch die Lachs-Patties gedruckt werden, ist nicht eindeutig belegt. Laut IBTimes entsteht pflanzlicher Fisch auf einem Drucker, der Zutaten schichtweise ablegt. In der Pressemitteilung selbst wird der Lachs-Patty in den geprüften Auszügen aber nicht ausdrücklich als gedruckt bezeichnet. Dort ist allgemein von 3D-Drucktechnik für ganze Stücke pflanzlichen Fleischs die Rede.
Was auf der Zutatenliste steht
Die Zutatenliste gibt Aufschluss über die genaue Zusammensetzung. Laut Green Queen, zitiert von IBTimes, enthält eine 50-Gramm-Portion Lachs-Patty 4 Gramm Eiweiß, 2 Gramm Ballaststoffe und 2,5 Gramm gesättigte Fettsäuren. Den Großteil machen Mischungen aus Soja-, Reis- und Weizenprotein aus, dazu kommen Öle, Stärken, Aromen und Rote-Bete-Pulver zur Färbung.
Alle Perfecta-Produkte enthalten Methylcellulose, ein Geliermittel und Bindemittel, das in Fleischalternativen weit verbreitet ist. Beim Eiweiß ist der Abstand groß: Rohem Atlantik-Lachs werden laut USDA-Daten rund 20 Gramm je 100 Gramm zugeschrieben, dem Patty etwa 8 Gramm.
Widersprüche bei kultivierten Zellen
Bei einem zentralen Punkt widersprechen sich die Angaben. Laut Snopes erklärt Steakholder, das Unternehmen verwende pflanzliche Zutaten und kultiviere Zellen, aus denen das 3D-gedruckte Fleisch entstehe. Die Unternehmensseite spricht laut Allrecipes von einer Mischung aus pflanzlichen und kultivierten Zutaten. Laut IBTimes hat das Unternehmen dagegen erklärt, es prüfe kultivierte Zellen für künftige Produkte, und die Perfecta-Materialien zum Start beschreiben die Produkte als pflanzlich.
Für im Labor gezüchtetes Fleisch verlangen FDA und USDA laut Snopes eine Kennzeichnung. Ob kultivierte Zellen in den aktuellen Produkten enthalten sind, geht aus den vorliegenden Quellen nicht hervor.
Was das Gesetz verlangt
Laut IBTimes schreiben US-Vorschriften eine Produktbezeichnung, eine Zutatenliste und Allergenhinweise vor, aber keine allgemeine Angabe des Herstellungsverfahrens. Snopes bestätigt, dass ein Hinweis auf 3D-Druck nicht vorgeschrieben ist. Etiketten dürfen trotzdem nicht irreführen. Ein fehlender Hinweis allein ist deshalb kein Verstoß.
Ein Blick nach Europa
Dass die Kennzeichnung und Namensgebung bei pflanzlichen Alternativen regelmäßig zu Rechtsstreitigkeiten führt, zeigt auch der europäische Markt. Das Wiener Start-up Revo Foods brachte ein 3D-gedrucktes veganes Lachsfilet in REWE-Märkte. Die Stadt Wien klagte, der Name „Revo Salmon, 100% Plant-Based with Pea Protein“ könne Kunden glauben lassen, es handle sich um echten Lachs. Ein österreichisches Verwaltungsgericht wies den Vorwurf der Irreführung ab. Firmenchef Robin Simsa erklärte: „Jeder Vorwurf der Täuschung ist unberechtigt.“
Was Käufer jetzt prüfen können
Zutatenliste: Sie ist der verlässlichste Hinweis. Sie nennt Soja- und Weizenprotein, wo bei einem Fischfilet nur Lachs stünde.
Geschmack: Die Aussagen dazu stammen vom Unternehmen. Laut HypeFresh gibt es keine umfangreichen Vergleichstests mit echtem Lachs.
Hintergrund zum Unternehmen
Steakholder Foods wurde 2019 gegründet und ist an der Nasdaq notiert. Laut IBTimes verkauft das Unternehmen 3D-Drucker und Mischungen für Lebensmittelhersteller. Im Juli kündigte es eine Finanzierung von etwa 3,5 Millionen Dollar an. Bei Ausübung von Warrants könnten bis zu rund 7 Millionen Dollar hinzukommen. (Quellen: IBTimes, Steakholder Foods, Snopes, eigene Recherche) (str)