Pädagoge: „Je mehr diese drei Bedürfnisse erfüllt werden, desto stärker sind Kinder motiviert“
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Pädagoge: „Je mehr diese drei Bedürfnisse erfüllt werden, desto stärker sind Kinder motiviert“
Von: Jana Stäbener
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Wie bringt man Kinder dazu, sich zu bewegen – ohne sie zu zwingen? Ein Sportpädagoge erklärt, welche drei psychischen Grundbedürfnisse Eltern kennen sollten.
Frankfurt – Volleyball, Reiten, Basteln oder Chemieexperimente – fast jedes Kind hat etwas, das es begeistert. Heutige Eltern fördern diese Hobbys intensiver als frühere Generationen. Doch wie viel Förderung ist zu viel? Die Erziehungswissenschaftlerin Margrit Stamm erklärt der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media, dass gerade bei sportlichen Hobbys viele Eltern zu viel fördern – weil sie Sport für so wichtig halten. Manche gehen sogar so weit, ihre Kinder zum Sport zu zwingen, wenn diese sich partout nicht bewegen wollen.
Alfred Richartz, emeritierter Professor für Sport- und Bewegungspädagogik an der Universität Hamburg, warnt, dass das „schlicht gegen die Rechte der Kinder verstoßen“ würde. Er weiß, worauf es stattdessen ankommt – und nennt drei psychische Grundbedürfnisse, auf die Eltern achten sollten, um Kinder nachhaltig zur Bewegung zu motivieren.
Motivation bei Kindern: Pädagoge nennt drei psychologische Stellschrauben
Motivation sei individuell verschieden und hänge von Erfahrungen und Vorlieben ab. Aber es gebe drei gut fundierte psychologische Stellschrauben. „Die Kernidee der Theorie ist: Je mehr diese drei Bedürfnisse in einer Situation – etwa beim Sport – erfüllt werden, desto stärker, dauerhafter und qualitativ hochwertiger sind Kinder motiviert“, sagt Richartz der Frankfurter Rundschau.
Das erste Bedürfnis ist, beim Sport selbstbestimmt zu sein und ihn autonom zu erleben. Das bedeute nicht, dass Regeln oder Anweisungen etwa beim Ballsport die Selbstbestimmung mindern. Aber Kinder müssten „in hohem Maß“ mit dem einverstanden sein, was sie tun. „Deshalb sollten Eltern ihre Kinder nicht zu einem spezifischen Sport oder spezifischen sportlichen Zielen zwingen“, sagt Richartz. Gemeinsam mit dem Kind eine Sportart zu suchen, mit der es einverstanden ist, sei der richtige Weg. Einzelne schlechte Tage müssten Eltern nicht immer ernst nehmen – ein gelegentliches Ermutigen sei in Ordnung. „Aber im Grundsatz sollte das Kind einverstanden sein.“
„Spaß“ beim Sport bedeutet: Es war knapp – und es hat geklappt
Das zweite und noch wichtigere Grundbedürfnis ist Kompetenz. Richartz forscht gemeinsam mit Kathrin Kohake seit Jahren zu Kinder- und Jugendsport. Die Ergebnisse zeigen: Es erfülle Menschen mit großer Freude, wenn sie in der Welt etwas bewirken können. Damit Sport dieses Bedürfnis befriedigt, darf die Herausforderung weder zu leicht noch zu schwer sein.
„Wenn ich glaube, etwas ist schwer, und ich habe es beim Versuch knapp geschafft oder knapp nicht geschafft – solche Aufgaben motivieren, weil sie das Kompetenzbedürfnis triggern und befriedigen“, sagt er der Frankfurter Rundschau. Wenn Kinder berichten, dass sie „Spaß“ am Sport haben, meinen sie laut Richartz meist genau das: „Es war schwer, es war unsicher, ob ich die Anforderung schaffe, und ich habe es knapp geschafft.“ Eltern sollten deshalb gemeinsam mit ihrem Kind im Sport nach Herausforderungen suchen, die solche Erfahrungen bieten.
Freunde in der Gruppe: Warum soziale Eingebundenheit so wichtig ist
Das dritte Grundbedürfnis ist soziale Eingebundenheit – und laut Richartz das „unscheinbarste“. „Kinder gehen zum Sport, weil dort ihre Freunde sind“, sagt er der Frankfurter Rundschau. „Herabsetzung, Beschämung oder Ausgrenzung durch Trainer oder andere Kinder führen dagegen oft dazu, dass Kinder den Sport ganz aufgeben.“
Eltern sollten nachfragen: Hat das Kind Freunde in der Gruppe? Geht es gern hin, um Kameradinnen und Kameraden zu treffen? Wie findet es die Trainerin oder den Trainer? Richartz empfiehlt außerdem, beim Verein nachzufragen, welches Präventionskonzept gegen Gewalt existiert. Gesundheitsargumente hingegen helfen kaum: „Kinder und Jugendliche gehen nur zu einem sehr geringen Grad zum Sport, weil sie etwas für ihre Gesundheit tun wollen.“