Palina Rojinski vollzieht für neue Rolle einen kompletten Typwechsel
Bibi Blocksberg ist zurück! Die Junghexe darf sich einmal mehr im Kino austoben und nimmt ihre Fans mit auf eine abgefahrene Reise in die Vergangenheit. Auch diesmal steht ihr die rasende Reporterin Karla Kolumna mit Rat und Tat zur Seite. Hinter der großen Brille steckt erneut keine Geringere als Palina Rojinski.
Ein Interview
von Doreen Hinrichs
"Eene meene Hexerei, flieg schnell los, Kartoffelbrei. Hex-hex!" Seit 1980 begeistert Bibi Blocksberg ihre kleinen und nicht selten auch großen Fans. Zunächst als Hörspielreihe auf Kassette (erinnert sich jemand?), später als Zeichentrickserie und längst auch auf der großen Kinoleinwand. Mit "Bibi Blocksberg - Die total verhexte Zeitreise" bringt Regisseur Gregor Schnitzler eine unterhaltsame Zeitreise auf die Leinwand, in der viel gelacht, gesungen und getanzt wird.
In die Rolle der rasenden Reporterin Karla Kolumna – eine Figur, die im Bibi-Kosmos eigenen Kultstatus hat – schlüpft einmal mehr Palina Rojinski. Im Interview erzählt sie, was sie an der Figur liebt, wie gut es sich auch mal unerkannt durch die Stadt schlendern lässt und ob Bibi auch nach 50 Jahren noch ein gutes Role-Model ist.
Frau Rojinski, Sie kommen einmal mehr als die rasende Reporterin aus Neustadt zum Einsatz. Eine Traumrolle?
Na, wer würde nicht Karla Kolumna spielen wollen? Sie ist eine Legende. Als ich das Angebot bekommen habe, war ich natürlich voll von den Socken und dachte mir: sensationell! Ich konnte es kaum erwarten, die schwarze Perücke und die Brille aufzusetzen und auf den Roller zu steigen. Ich liebe Karla Kolumna. Ich liebe überhaupt das Universum von Bibi Blocksberg. Es gibt einem so viel Freiheit, so viel Selbstbewusstsein, es öffnet einem neue Perspektiven – es hat so etwas Grenzenloses. Und Karla Kolumna ist einfach eine sehr coole Frau!
Absolut. Sie nimmt in diesem an schrägen Figuren nicht gerade armen Kosmos eine Sonderposition ein und erinnert an eine lässige Tante oder Cousine.
Ja, sie hat ihren Job, sie ist unabhängig, sie kämpft für die Wahrheit und lässt sich nicht blenden. Sie ist einfach echt und es kommt ihr auf die richtigen Werte an. Sie hilft Bibi und ihren Freunden, auch wenn es darum geht, sich Gehör bei den Erwachsenen zu verschaffen. Also eine echt gute Supporterin.
Palina Rojinski als Karla Kolumna: Mit Perücke eine "ungewohnte Freiheit genießen"
Sie hatten die Perücke erwähnt – die und die Brille sind mit die einfachsten Dinge zum Verkleiden, aber der Effekt ist überraschend deutlich.
Ja, ich finde auch, dass man mich gar nicht wiedererkennt mit der Perücke und der Brille. Und es ist ja wirklich die älteste Verkleidung, die es gibt. Wir haben in Wien gedreht und als ich ein bisschen freihatte, hab ich mir noch im Kostüm um die Ecke einen Kaffee geholt. Oder eine Melange, wie es dort heißt. Dabei hab ich dann gemerkt, wie inkognito ich bin. Sonst werde ich schon oft erkannt – jetzt konnte ich eine ungewohnte Freiheit genießen. Also ich frage mal, ob ich die Perücke haben kann.
Aha! Schauspielerinnen und Schauspieler "leihen" sich ja gerne mal Requisiten vom Set als besondere Erinnerung. Sie machten also keine langen Finger?
Nein, die Perücke wurde dortbehalten. Für "Die verhexte Zeitreise" habe ich eine neue Perücke bekommen und die fand ich noch besser als die erste! Die saß super und hatte eine richtig gute Haarfarbe.
Früher sagte man oft: Kinder und Tiere sind anstrengende Partner beim Film. Nala, Fia und die anderen Kids sind ja aber absolute Profis, teilweise auch schon abseits des Sets in Social Media. Gab es da trotzdem noch Austausch? Konnten Sie ihnen Tipps geben, etwa im Umgang mit der Presse und dem Ruhm?
Ich glaube, in erster Linie geht es darum, dass das Naturell sprudeln kann. Und ich finde, Nala und die anderen Kinder, die machen das sehr gut. Es steckt ja auch sehr viel Tanz und Gesang in dem Film. Die Kids hatten so viel Spaß am Set, das fand ich super inspirierend zu sehen. In den Drehpausen haben sie immer irgendwelche Spiele gespielt und hatten so viel Freude dabei. Dadurch hatte man das Gefühl, dass alles andere wie von selbst und ganz natürlich passiert. Natürlich waren sie gleichzeitig super vorbereitet. Ich hatte eigentlich eher das Gefühl, dass die gar keine Tipps mehr von mir brauchen. Ratschläge können sehr hilfreich sein, aber vor allem dann, wenn die Kids selbst danach fragen. Ungefragt kann es auch viel von dieser Spielfreude und dem Spaß kaputtmachen. Und klar, mit der Öffentlichkeit muss man schon vorsichtig sein, aber ich glaube, die Eltern und die Erziehungsberechtigten sind da alle am Start und kümmern sich gut.
Natürlich liebt jeder ein neugieriges Mädchen, das mit Konventionen bricht und seinen eigenen Weg geht. Aber in Bibis Welt zahlt sich das am Ende auch immer aus, die Guten und die Bösen sind eindeutig erkennbar und Erstere gewinnen. Unsere Welt ist leider deutlich komplizierter. Ist sie da noch ein gutes Role-Model?
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Der Film ist ja eine Zeitreise in die Vergangenheit, in der Fritzi [von Klunkerburg, gespielt von Carmen Diego, Anm. d. Red.] damals so gut wie nichts frei entscheiden konnte. Ihr wurde ein Bräutigam hingesetzt, ihr wurde verwehrt, dass sie lesen oder sich selber weiterbilden kann oder irgendwas tut, was ihr Spaß macht. Da sehen wir, wie weit wir gekommen sind. Und ich glaube, ohne große Träume, ohne Kraft, ohne Stärke, ohne Mut, ohne Furchtlosigkeit, ohne die richtige Portion Chuzpe oder Charisma und Frechheit wären wir ja heute auch nicht da, wo wir sind. In der BRD musste man bis in die 1970er den Ehemann fragen, ob man als Frau arbeiten darf oder ob man dann den ehelichen Pflichten nicht mehr gerecht wird. Ohne progressives Denken und diesen Mut können wir uns nicht weiterentwickeln. Und deswegen finde ich das ganz, ganz wichtig, was Bibi Blocksberg für unsere Gesellschaft und für die Mädels leistet. Und Hoffnung und Mut, Träumerei, Kreativität und Selbstbewusstsein vorlebt.