Pankreaskrebs: FDA lässt Daraxonrasib zu - Forscher feiern "Durchbruch"
Zulassung für neues Medikament
Forscher feiern "Durchbruch" bei aggressivem Krebs
Von Lynn Zimmermann
Aktualisiert am 27.08.2026 - 11:48 UhrLesedauer: 4 Min.
Pankreaskrebs zählt zu den tödlichsten Krebsarten überhaupt. Durch ein neu zugelassenes Medikament sollen Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs deutlich länger leben.
Für Menschen mit metastasiertem Pankreaskrebs, also einem bösartigen Pankreastumor, der bereits gestreut hat, gab es bislang nur wenige wirksame Behandlungsmöglichkeiten. Viele Patienten erhalten die Diagnose erst, wenn sich der Tumor bereits im Körper ausgebreitet hat. Die Überlebenschancen gelten deshalb als besonders schlecht.
Jetzt hat die US-Arzneimittelbehörde FDA Daraxonrasib unter dem Handelsnamen Rasonque zugelassen. Erst vor wenigen Monaten berichteten Forscher auf dem Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago von einem möglichen Durchbruch durch den Wirkstoff.
FDA hat Zulassung beschleunigt geprüft
Die schnelle Zulassung war möglich, da die FDA Rasonque den Status eines Therapiedurchbruchs und den sogenannten Orphan-Drug-Status für Medikamente gegen seltene Erkrankungen erteilte. Die einmal täglich einzunehmende Tablette steht damit in den USA Monate früher als erwartet als neue Behandlungsoption zur Verfügung.
Der amtierende FDA-Kommissar Kyle Diamantas erklärte in einer Pressemeldung: "Die Zulassung bietet eine entscheidende neue Option für Patienten mit einer außerordentlich schwierigen und historisch schwer zu behandelnden Krebserkrankung."
Voraussetzung für eine Behandlung mit Rasonque ist laut FDA, dass die Patienten bereits mindestens eine systemische Therapie – etwa eine Chemotherapie – erhalten haben oder für eine systemische Kombinationstherapie nicht infrage kommen. Ob eine Zulassung in Europa erfolgt, ist noch nicht bekannt. Christoph Springfeld, Onkologe und Mitautor der Studie, erklärte auf Anfrage von t-online, dass eine Zulassung in Europa aber sicher erst längere Zeit nach der Zulassung in den USA erfolgen würde.
Studie zeigt deutlich längeres Überleben
Daraxonrasib wurde in der Studie "RASolute 302" an 500 Patienten mit bösartigem Pankreastumor an den Ausführungsgängen der Bauchspeicheldrüse getestet. Dieser sogenannte duktale Bauchspeicheldrüsenkrebs ist die häufigste Form dieser Krebsart.
Alle Teilnehmer hatten bereits eine erste Behandlung erhalten und benötigten eine weitere Therapie. Die Forscher teilten sie nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen auf: 248 Patienten erhielten täglich Daraxonrasib als Tablette, 252 eine Standard-Chemotherapie.
Das Ergebnis fiel deutlich aus. Patienten mit Daraxonrasib lebten im Mittel 13,2 Monate. In der Chemotherapie-Gruppe lag die mittlere Überlebenszeit dagegen nur bei 6,6 bis 6,7 Monaten. Auch die Zeitspanne, in der die Erkrankung nicht weiter voranschritt, verlängerte sich deutlich: von rund dreieinhalb Monaten auf mehr als sieben Monate. Die Ergebnisse wurden im Mai im "New England Journal of Medicine" veröffentlicht.
Angriff auf den wichtigsten Motor des Tumors
Der neue Wirkstoff greift gezielt das sogenannte Protein KRAS an. Dieses Eiweiß spielt bei der Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs eine zentrale Rolle. Mehr als 90 Prozent der Patienten mit duktalem Pankreaskrebs tragen Mutationen im sogenannten KRAS-Gen.
Normalerweise steuert KRAS das Wachstum von Zellen. Durch bestimmte Genveränderungen (Mutationen) bleibt das Protein jedoch dauerhaft aktiv. Die Krebszellen erhalten dadurch ständig das Signal, sich weiter zu vermehren.
Genau hier setzt Daraxonrasib an. Das Medikament gehört zu einer neuen Klasse von Wirkstoffen, den sogenannten RAS(ON)-Inhibitoren. Sie schalten die aktive Form des KRAS-Proteins aus und bremsen dadurch das Tumorwachstum. Anders als frühere Medikamente wirkt Daraxonrasib bei verschiedenen KRAS-Veränderungen und sogar bei Patienten ohne die KRAS-Mutation.
Experten sprechen von einem Wendepunkt
Die Ergebnisse sorgen unter Krebsforschern für große Aufmerksamkeit. Studienautor Springfeld bezeichnete die Therapie als "Durchbruch". Zudem besteht laut dem Mitarbeiter des Universitätsklinikums Heidelberg und des Nationalen Zentrums für Tumorerkrankungen die Hoffnung, dass sich in Zukunft durch die Kombinationen mit Chemotherapie oder Immuntherapie noch weitere Fortschritte ergeben.
"Die klinische Bedeutung der Überlebenszeitverlängerung ist groß. Patienten mit metastasiertem Bauchspeicheldrüsenkrebs leben leider aktuell selbst mit der besten Chemotherapie im Durchschnitt weniger als 12 Monate", erklärt er.
Auch ASCO-Chefärztin Julie Gralow, die nicht an der Studie beteiligt war, bezeichnete die Ergebnisse im "Guardian" als "Gamechanger".
Weniger schwere Nebenwirkungen als Chemotherapie
Neben der Wirksamkeit untersuchten die Forscher auch die Verträglichkeit. Schwere Nebenwirkungen traten bei 61,8 Prozent der Patienten unter Daraxonrasib auf. In der Chemotherapie-Gruppe lag dieser Anteil bei 69,6 Prozent.
Besonders auffällig: Nur 1,2 Prozent der Patienten mussten die Behandlung wegen Nebenwirkungen abbrechen. Unter Chemotherapie traf dies auf 11,2 Prozent der Teilnehmer zu. Zu den häufigsten schwereren Nebenwirkungen der Tablette gehörten Hautausschläge und Entzündungen der Mundschleimhaut.
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Könnte ein neuer Behandlungsstandard entstehen?
Bauchspeicheldrüsenkrebs macht nur einen kleinen Teil aller Krebsdiagnosen aus, gehört aber zu den aggressivsten Tumorerkrankungen. Mehr als die Hälfte der Betroffenen erfährt erst von ihrer Erkrankung, wenn bereits Metastasen vorliegen. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt daher bei lediglich etwa elf Prozent. Pankreaskrebs ist in Deutschland bei beiden Geschlechtern die vierthäufigste Krebstodesursache.
Die Studienautoren sehen deshalb in Daraxonrasib einen möglichen neuen Behandlungsstandard für Patienten, deren Erkrankung nach einer ersten Therapie weiter fortgeschritten ist. Springfeld erklärt, dass eine der letzten zugelassenen neuen Chemotherapien (nab-Paclitaxel) nur einen Überlebensvorteil von weniger als zwei Monaten ergeben habe und trotzdem zur Standardchemotherapie geworden sei.
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Daraxonrasib auch für weitere Krebsarten von Bedeutung
Gleichzeitig prüfen Forscher bereits, ob der Wirkstoff auch früher im Krankheitsverlauf oder bei anderen Krebsarten helfen kann. Da KRAS-Veränderungen auch bei Lungen- und Darmkrebs eine wichtige Rolle spielen, könnte der Ansatz weit über den Bauchspeicheldrüsenkrebs hinaus vielversprechend sein.
Für viele Betroffene und ihre Familien bedeuten die neuen Ergebnisse vor allem eines: wertvolle zusätzliche Zeit und erstmals seit Langem neue Hoffnung im Kampf gegen eine der tödlichsten Krebsarten weltweit.
Verwendete Quellen
fda.gov: "FDA Approves First in Class Targeted Therapy for Metastatic Pancreatic Cancer" . (Stand: August 2026; englisch)
nejm.org: "Daraxonrasib or Chemotherapy in Previously Treated Metastatic Pancreatic Cancer". (Stand: Mai 2026; englisch)
Anfrage an Prof. (apl.) Dr. Dr. med. Christoph Springfeld
theguardian.com: "Daily pill can double survival time for world’s deadliest cancer, trial shows". (Stand: Mai 2026; englisch)
asco.org: "Multi-Selective RAS(ON) Inhibitor Nearly Doubles Survival Time in People With Metastatic Pancreatic Cancer". (Stand: Mai 2026; englisch)
uniklinikum-leipzig.de: "Duktales Pankreaskarzinom"
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